irj-m *Tt> :^# 1-i(K: ■rt^ :»( l2 *»•*.«-] |i*f ".' .»♦»fe v^V- -^k) ^r I CD ; □ I üj ; o ' t-' [ CD = a ■ D~ : JT i Ln = ru = CD ' • OB > ^ ^T- 5^ V Die Klassen und Ordnungen der ARTHROPODEN wissenschaftlii-'li dargestellt in Wort und Bild. Von T>i*. J^. Grei-stMeelcei-, weiland Professor au der Universität zu Greifswakl. Nacli dessen Tode fortgesetzt vou I>i*. ^4.. E. Oi-tniaiiii, Curator of Invertebrate Palaeontology, University of Princeton, N. J. Mit aiif Stein gezeiclineteu Abbildungen. Fünfter Band. ZL Abtheilung. CRUSTACEA. (Zweite Hälfte: Malacostraea.) Mit 128 lithographirten Tafeln. Leipzig. C. F. Winter'sche Verlagsbandlung. 1901. k-^ Ji. Vorwort. Der Fortgang- des vorliegenden Theiles der „Klassen und Ordnungen des Thierreiches" wurde, nachdem die Lieferungen von 1881 bis 1895 in regelmässiger Keihenfolge erschienen waren, bedauerlicher Weise durch den Tod des Herrn Professor Gerstaecker unterbrochen. Auf Auf- fordernng der Verlagshandlung unternahm der Unterzeichnete die Fort- führung des Werkes von der 47. Lieferung an u»d war bestrebt, es durch- aus in einer Weise zu thun, die dem Geiste des bereits vorliegenden Theiles entsprach. Für die zunächst folgenden Lieferungen stand ihm noch ein kleiner Theil des Manuskriptes, das noch von dem Verstorbenen geliefert war, sowie eine Reihe von zerstreuten Notizen desselben zu Gebote: beides war ihm von der Verlagshandlung in zuvorkommender Weise überlassen worden. Dies Manuskript ist für Seite 1057—1070 in fast ungeänderter Form, und für Seite 107.3—1078 theilweis benutzt worden, während die zerstreuten Notizen in dem folgenden Theile vielfach am geeigneten Platze Verwendung finden konnten. Im Allgemeinen beginnt mit dem Kapitel über „Entwickelung" (p. 1078) die eigentliche Arbeit des Unterzeichneten. Die Thatsache, dass sich die Publikation des Werkes über fast 20 Jahre erstreckte, und dass die der Ordnung der Decapoden (beginnend in der 19. Lieferung 1888) allein sich über 12 Jahre ausdehnte, macht es begreiflich, dass manche der iu den früheren Theilen vorgetragenen Ansichten augenblicklich nicht mehr ganz auf der Höhe der Wissenschaft stehen. Wenn es sich meistens auch nur um specielle Einzelbeobachtungen handelt, die in neuerer Zeit über bestimmte Fragen ein besseres Licht verbreitet haben, so stellt sich jedoch in dem Kapitel über „Systematik" eine mehr durchgreifende Aenderung unserer Ansichten gegenüber den vor 10 — 12 Jahren herrschenden heraus. Das für die Umänderung der Systematik, besonders der Decapoden, grundlegende Werk von Boas war allerdings Herrn Professor Gerstaecker bekannt, indessen verhielt er sich den dort eingeführten Neuerungen gegenüber ablehnend. Aber gerade dieser Punkt ist es, in dem der Unterzeichnete es nicht über sich gewann, seine persönliche Ansicht zurücktreten zu lassen, um eine mehr einheit- liche Behandlung des Stoft'es zu erzielen. Gerade die Ansichten von- Boas — obgleich vielfach noch verbesserungsbedürftig — bedeuten, in des Unterzeichneten Meinung, einen ganz wesentlichen Fortschritt iu der IV Vorwort. Systematik der Decapoden, und dieser Fortschritt durfte nicht einer blossen Aeusserlichkeit zu Liehe ausser Aciit gelassen werden. Aus diesem Grunde ist es erklärlich, dass einige im früheren Theil des Werkes von Herrn Professor Gerstaecker gelegentlich angedeutete systematische Ansichten nicht in dem Kapitel über Systematik weiter berührt worden sind. Damit soll aber durchaus nicht gesagt sein, dass wir erstere für unrichtig halten: im Gegentheil, wir sind der Meinung, dass auch jetzt das Decapodensystem noch nicht zu einem endgültigen Abschluss gekommen ist. Wenn auch im Grossen und Ganzen die Be- ziehungen der grossen Gruppen zu einander festgelegt sein mögen, so ist doch im Einzelnen noch viel Unsicherheit geblieben: wissen wir doch zur Zeit noch nicht mit Sicherheit, wohin die Gattung Palicus zu stellen ist, ob zu den Oxystomata oder zu den catametopen Brachyuren. Auch im Uebrigen war der Verfasser bestrebt, in den von ihm be- arbeiteten Kapiteln die neuesten Resultate zu verwertheu: aber selbst in dem ihm ausschliesslich zufallenden Theil sind in den drei Jahren, die über die Publikation vergingen, manche neue Werke erschienen, die nicht mehr berücksichtigt werden konnten. Es l)ezieht sich dies ja im Wesent- lichen nur auf Einzelheiten; indessen dürfte für den Specialisten, der sich über einen bestimmten Punkt in unserem Werk Kath holen will, dies bisweilen sich als ein fühll)arer Mangel erweisen. AVir bitten deshalb, derartige Unvollkommenheiten, die sich nicht immer nach dem Datum der Publikation des betreffenden Tlieiles ohne Weiteres beurtlieileu und erklaren lassen, mit Naclisicht zu behandeln. University of Princeton, N. J. Januar 1901. Dr. A. E. Ortin aun. Inhaltsverzeichniss. Seitis Malacostraca , Eiuleitun;,' 1 6. Ordnung: Isopoda 8 — 278 ^ I. Einleitung 8 — 18 Liteiatiu' 13 II. Organisation 18—112 1. Hautskelet 18 2. Nervensystem 44 8. Sinnesorgane 55 4. Verdauungsorgane 62 5. Excretionsorgane 75 6. Circulationsapparat 77 7. Eespirationsorgane 86 8. Fortptlanzungsorgane 99 in. EntWickelung 112-165 1. Eibildung 112 2. Embryonalentwickelung 113 3. Postembrj'onale Entwickelung 136 IV. Lebenserscheinungcn 165 — 186 1. Grösse 166 2. Färbung 167 3. Farbenwechsel 169 4. Aufenthalt 170 5. Bewegung 174 6. Nahrung 176 7. Bohrvormögen 178 8. Parasitismus 179 V. Systematik 186-240 VI. Räumliche Verbreitung 240—272 Verbreitung der Wasser -Isopoden 241 Tiefenverbreitung 241 Horizontale Verbreitung 248 Verbreitung der Land-Isopoden 270 VII. Zeitliche Verbreitung 272—278 7. Ordnung: Amphipoda 279 — 543 I. Einleitung 279—291 Literatur 285 II. Organisation 291—401 1. Hautskelet 291 2. Nervensystem 326 3. Sinnesorgane 341 4. Muskulatur 351 5. Verdauungsorgane 353 6. Besondere Excretionsorgane 367 7. Circulationsorgane 369 yj Inhaltsverzeichuiss. Seite 8. Athmungsorgaiio 3^6 9. Fortpflauzungsorgaao 394 III. EntWickelung 401—415 1. Eibildung 401 2. Embi^onal-Entwickelung 402 3. Postembryoaale Entwiokeluug 412 IV. Lebensersolieinungon 415 — 458 1. Grösse •il'5 2. Eärbung 416 3. Aufenthalt 418 4. Kunstfertigkeiten 429 6. Bohrvermögen 436 6. Ersoheiuungszeit 437 7. Bewegung 438 8. Nahi-ung 446 9. Einmicthung und Parasitismus 449 10 Nutzen und Schaden 454 11. Parasiten 455 V. Systematik 458—518 VI. Eäumliche Verbreitung 518 — 542 1. Horizontale Verbreitung 518 2. Veräkale Verbreitung . . 538 VII. Zeitliche Verbreitung 542—543 8. Ordnung: Deeapoda (Thoraoostraca) 544—1319 Einleitung 544—547 1. Unterordnung: Phyllocarida 548—563 I Einleitung 548—550 Literatur 550 II. Organisation 550—557 1. Hautskelet 550 2. Nervensystem und Sinnesorgane ........ 554 3. Darmcanal und Drüsenorgane 555 4. Circulationsorgano 556 5. Respirationsorgane 556 6. Fortpflanzungsorgane 557 III. EntWickelung 557-559 IV. Vorkommen und Lebensweise 559—560 V. Systematik 560-561 VI. Räumliche Verlireitung 561 Vn. Zeitliche Verbreitung 562—563 2. Unterordnung: Cumaoca 563 — 602 I. Einleitung 663—566 Literatiu- 565 II. Organisation 566—582 1. Hautskelet 566 2. Nervensystem und Sinnesorgane 573 3. Verdauungsorgane 576 4. Circulationsorgano 578 5. Athmungsorgane 579 fi. Fortpflanzimgsorgane 581 m. Entwickelung 582—586 IV. Lebenserscheinungen . 586 — 588 V. Systematik 588—594 luhaltsverzeicliniss. VlI Seite VI. Eäumliche Verbreitung 594—602 Vn. Zeitliche Verbreitung 602 3. Unterordnung: Schizopoda 602—686 I. Einleitung 602—606 Literatur 605 II. Organisation 606—643 1. Hautskelet 606 2. Nervensystem und Sinnesorgane . . 617 3. Ernäliruugsorgane 629 4. Excretionsorgane 631 5. Cü'Gulationsorgane 632 6. Respirationsorgaue 686 7. Fortpflauzuagsorgane 638 in. Entwiekelung 643—654 Entwickelimg der Thysanopodideu 644 Entwiokelung der Mysideen und Lophogastiiden . . . 649 IV. Lebeusersclieinungeu 654 — 659 1. Grösse 654 2. Aufenthalt, Häufigkeit 655 3. Bewegungen 656 4. NaliruDg 656 5. Fortpflanzung 657 6. Pai-asiten 657 7. Nutzen 658 V. Systematik 659—670 VI. Eäumliohe Verbreitung 670 — 683 1. Horizontale Verbreitung 670 2. Vertikale Verbreitung 677 vn. Zeitliche Verbreitung ß84_6Sf; 4. Unterordnung: Stomatopoda 686 — 751 I. Einleitung 686—690 Literatui- 689 n. Organisation 690—718 1. AUgemeines 690 2. Hautskelet 692 3. Nervensystem imd Sinnesorgane 700 4. Verdauungsorgane 705 5. Ciroulationsorganc 707 6. Athmungsorgauo 711 7. FortpHanzungsorgaue 712 III. Entwickelung 718 — 735 IV. Lebenserscheinungeu 735 — 740 1. Grösse 735 2. Fäi'bung 736 3. Aufenthalt, Häufigkeit 737 4. Bewegimgon 737 5. Nalirung 739 6. Fortpflanzung 739 7. Nutzen 74O 8. Parasiten 74O V. Systematik 740— 744 VI. Eäumlicho Verbreitung 744 — 748 VII. Zeitliche Verbreitung 748—751 yjjj Inhaltsverzeichniss. Seite 5. ITutcrorduung: Dccapoda 752—1319 I. Einleitung 752—821 Litoratnv 778 IL Organisation 821—1073 1. Allgemeine Körperforin 821 2. Hautskelet 824 8. Nervensystem 911 4. Sinnesorgane 928 5. Muskelsystera 944 6. Verdauungsorgane 950 7. Besondere Drüsen 982 8. Kreislaufsorgane 1010 9. Athmungsorgane 1026 10. Geschlechtsorgane 1042 III. Fortpflanzung . 1073—1078 IV. Entwiokelung . -. 1078—1105 Eier 1078 Brutpflege 1079 Embryonal -Entwiokelung 1081 Metamorphose 1084 V. Systematik 1106—1181 VI. Lebensweise und Lebenserscheinungen .... 1181 — 1262 1. Aufenthalt 1181 2. Häufigkeit 1203 3. Grösse, Lebensdauer, Widerstandsfähigkeit . . . 1206 4. Schutz- und Tiutzmittel 1215 5. Färbung 1226 6. Ruhepausen 1229 7. Ortsbewegung 1229 8. Nahi-ung 1233 9. Parasitische Lebensweise 1236 10. Geschlechtsiebon 1240 11. Stimmorgane 1245 12. Feinde 1249 13. Parasiten 1252 14. Symbiose 1254 15. Nutzen und Schaden 1256 Vn. Räumliche Verbreitung 1262—1294 A. Der litoralc Lebensbezirk 1204 B. Der pelagische Lebensbezirk 1281 C. Der abyssale Lebensbezirk 1283 D. Der fluviale Lebensbezirk 1285 E. Der continentale Lebensbezirk 1293 Vin. Zeitliche Verbreitung 1295-1310 A. Paläozoische Stammformen und Anaspides .... 1295 B. Mesozoische und Eäuozoische Zeit 1301 LX. Die Phylogenie derDecapoden 1310—1819 --«> >/ cc " •-t^+ l> Malacostraca. Die unter diesem Namen von der Meiirzahl der neueren Autoren — abweichend von Aristoteles, welclier seine Bezeichnung „/naXa-MarQaxa" nur tür die Ikcapodcn im heutigen Sinne anwandte — zusammengefassten drei letzten Ordnungen der Cmstacccn : Tsopoda, Äwphijwda (incl. Lacmodi- poda) und Becapoda (incl. Stomatopoda) zeigen so viel Gemeinsames und selbst wesentlich Uebereinstimmendes, dass ihrer speziellen Schilderung eine zusammeniassende Betrachtung nothwcndig vorauszugehen hat. Vor Allem ist als eine solche fundamentale Uebereinstimmung die Constantheit in der Zahl der Körpersegmente oder, was das- ■jclbc sagen will, der als Indices dieser auftretenden Gliedmassenpaare hervorzuheben. Eine solche Constantheit wurde unter den Branchiopoden ebenso wie unter den Trilobiten völlig vermisst, machte bei beiden viel- mehr einer völligen Ungebundenheit in der Ausbildung von Körper- segmenten Platz. Für die Cirripcdien beschränkte sie sich nur auf die höher organisirten Gruppen der Bnlanidcn und Lepudiden, während die Ahdoniinalia Darwin's sich in das für jene massgebende Schema nicht einfügen Hessen. Nur für die Copcpoden selbst mit Eiuschluss der schein- bar aberrantesten Formen (Leniarodra und Verwandte) vermochten die umfassenden , der Entwicklnngsgeschichte gewidmeten Untersuchungen Claus' eine einheitliche, allen gemeinsame Segmentirung, welche jedoch von derjenigen der Muhicostral-cn in wesentlichen Punkten verschieden war, nachzuweisen. Die bei den Isopoden zuerst auftretende Segmentzahl macht sich dagegen als eine von nun an unabänderlich festgehaltene oder wenigstens einer so überwiegenden Mehrzahl von Formen zukommende geltend, dass sie für die ganze Reihe der Malacostraca, selbst vereinzelt auftretenden Ausnahmen gegenüber, als typisch angesehen werden muss. Da bei allen Mcdncostmlccn in Uebereinstimmung mit den Branchio- podni und Copcpoden stets zwei präorale Gliedmassenpaare als Fühlhörner (des ersten und zweiten Paares) auftreten, so handelt es sich hier nur um die Zahl der 'den postoralen Gliedmassenpaaren entsprechenden Leibes- nnge, welche in grösster Mannigfaltigkeit bald als selbststäudige, bald m Verschmelzung mit mehr oder weniger zahlreichen anderen auftreten. Als die typische Zahl dieser Segmente ist die Zahl 18 nachweisbar und zwar in einer gleichfalls constanten (iliederung zu z>/ei Gruppen, von l'-ru]iu, Klassen des Thiei-Iieiclis. Y. i. i 2 ilalacüstraca. denen die vordere 11, die hintere 7 umfasst. Wiihreud die sieben Se- gmente der zweiten Gruppe, in ihrer Gemeinschaft als FostaMoincn {Plcoii) bezeichnet und von vegetativen Organen nur noch den Enddarm in sich Rchliessend, sämmtiich getrennt bleiben (Taf. I. Fig. 1, 2, 3), in nicht ■seltenen Fällen (Fig. 4, 5, 6, 7) ireilich auch in wechselndem Umfang mit einander verschmelzen können, ist eine durchgängige Selbstständig- keit der elf vorderen Segmente (Pi'reion) niemals zum Austrag gebracht. Im ausgedehntesten Maasse finden sich selbstständige (Einzel-) Segmente bei den meisten Isopoden und Ampln2)oden (Taf. I. Fig. 3, 4, G, 7), näm- lich sieben erhalten, während diesen dann ein aus vier postoralen (und zwei präoralen) Segmenten bestehender Segmentcomplex, welcher eine deutliche Formähnlichkeit mit dem Kopf der Insekten erkennen lässt, vorangeht. Durch engen Anschluss des ersten dieser sielten Segmente an den Kopftheil (Taf. I, Fig. 5 u. 8) kann jedoch, gleichfalls unter ho- jwdcn und Ampliipodcn, die Zahl der Einzelringe dieses vorderen Ab- schnittes schon auf sechs, durch die Aufnahme weiterer (Sqnilla: Taf. 1, Fig. 2) in den ,,Cephalothorax" sogar bis auf drei beschränkt werden, bis endlich bei der Mehrzahl der Bficnpndcn (Taf. I, Fig. 1) alle elf vor- deren Segmente dorsal völlig verschmelzen und, einen gemeinsamen Brustpanzer {Ccpludothorax) darstellend, nur noch bauchwärts durch die Einlenkung von elf Gliedmassenpaaren nachweisbar sind. Indem mithin die mannigfachsten Uebergänge zwischen einer annähernd homonomeu und einer auf engster Concentratiou beruhenden heteronomen Segmenti- rung, wie sie hochgradiger kaum gedacht werden kann, lepräsentirt und hierdurch die auffallendsten Verschiedenheiten in der gesammten äusseren Erscheinung bedingt sind, wird dabei die Zahl der diese viel- gestaltige Rnmpfbilduug bedingenden Einheiten (Ursegmente) in keiner Weise tangirt, so dass gerade in ihr der gemeinsame, einheitliche Bil- dungsplan den bleibenden Ausdruck erhält. Was von den Leibesringen, gilt noch in ausgesprochenerem Maasse von den sie bedingenden , resp. repräsentirenden Gliedmassen. Unter Aufrechterhaltung ihrer Zahl, in welcher nur ausnahmsweise (Taf. 1, Fig. 8) ein lokaler Ausfall oder ein Ersatz durch völlig oder relativ ab- weichende Bildungen eintritt, gehen sie an den der Keihenfolge nach I. II. III. IV. Mand, Mand. Mand. Mand. Mand. Mand. Mand. Mand. Mand. Ma.v. Max. Max. Max. Max. Max. Max. Max Max. ]. 1. 1. 1. 1. 1. 1. 1. 1. Max. 2. Max. 2. Max. 2. Max. 2. Max. 2. Max. 2. Max. 2. Max. 2. Max: 2. Pes max. Pes max. Pes max. Fes max. Pes max. 1. Pes 1 Pes max. 1. Pes max. 1. Pes max. 1. Aega Gammariis Sipiilla Thysatwpoda. Paliniiriis Homants ... Carcinus Malacostraca. 3 glciL'liwerthigeu Körpersegnienten mit veriiudcrtcr Funktion die mannig- fachst verseliiedencn Formen und Grössenvei-liältnisse ein. Auch sie son- dern sich in zwei formell noch schärfer gesonderte Gruppen, als es an den Segmenten der Fall ist, indem die dem Postahdomeu angehörigen (Plcopoda) sehr allgemein denjenigen des vorderen Abschnittes an Grössen- entwicklung beträchtlich nachstehen (Taf. I, Fig. 1, 3, 5), ja bei Verküm- merung des Plcnn (Taf. I, Fig. 8) völlig oder bis auf unscheinbare Rudi- mente verschwinden können. Allen 3Iakicosfral-rii ist es ferner gemeinsam dass das siebente Segment des PostaMoiiwn, gleicli viel ob es als selbst- ständiges erhalten bleibt, oder mit dem vorletzten, resp. mit mehreren vorangeilenden verschmilzt, der Gliedmassen entbehrt, so wie, dass die der sechs vorderen, deren theilweiser Ausfall relativ selten ist, den Typus der Spaltbeine {Pcdcft /«.>;/ s. s^pHrii.) und zwar ebenso oft in sehr prä- gnanter (Taf. I, Fig. 1, 3), wie in mehr oder weniger modilicirter oder beeinträchtigter Form erkennen lassen. Dass das sechste Paar dieser Prdcs f^piirii von den fünf vorhergehenden formell und funktionell ver- schieden ist und sich in nähere Beziehung zu dem Endsegment des Post- abdomen setzt, ist wenigstens eine zwischen Ikcaimdcn und Tsopodcn bestehende Uebereinstimmung (Taf. I, Fig. 1, 2, (5, 9). Die noch viel grösseren Schwankungen, welche die elf Gliedmassen- paare des vorderen Abschnittes in ihren Form- und Grössenverhältnissen erkennen lassen , beruhen auf der Verwendung einer je nach den Ord- nungen, Familien u. s. w. mehrfach verschiedenen Zahl der vordersten zu Mundtheilen (Kiefern und Kieferfüssen). In demselben IMaasse, wie sich die zu Fresswerkzeugeu umgewandelten Gliedniassen vermehren, vermin- dert sich die Zahl der locomotorischen; auch ist ebenso oft eine scharfe Trennung beider Kategorien (Taf. I, Fig. 1, 3, 4) in Form und Grössen- entwicklung, wie ein sehr allmählicher Uebergang der einen in die andere durch die sogenannten Kieierfüsse {Pcdrs mn.i'dhn-ra)^ wie besonders bei den macruren Decapoden, nachweisbar. Ein Vergleich sämmtlicher in dieser Beziehung unter den Malaeostraken auitretenden Modificationen crgiebt, dass nur die vordersten und hintersten Gliedniassenpaare sich funktionell durchweg gleich verhalten, während alle dazwischen liegenden nach Ordnungen, Familien und selbst Gattungen schwanken: \. VI. vri. vni. IX. X. XI. Pe» 1. Pes 2. Pes .?. Pes 4. Pes ö. Pes G. Pes 7. Pe.'s 1. Pes 2. Pes 3. Pes 4. Pes :j. Pes G. Pes 7. Chcla Pes 1. Pes 2. Pes 3. Pes 4. Pes .5. Pes 6. Manns chcUf. Manus chelif. Pes 1. Pes 2. Pes 3. Pes 4. Pes .5. BracJi. rapt. Pes max. 2. Pes max. .?. Pes max, 4. Pes 1. Pes 2. Pes 3. Pes 2. Pes .?. Pes 4. Pes ö. Pes G. Pes 7. ]h'(inr]ttit Pen mri.r. 2. Pes ma.1', .V. Pes 1. Pes 2. Pes 3. Pes 4. ■ Pes .7. Pes mnx. 2. Pes inn.i\ .'i. CMa Pes 1. Pe« 2. Pes 3. Pes 4. Pen ina.i; 2. Pes mnx. .V. Chela Pes 7. Pes 2. Pes 3. Pes 4. 4 Malacostraca. So weit diese dem vorderen Abschnitt augeliörigen Gliedmassen als Beine fungiren, bestehen sie in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle im Gegensatz zu den Pcdes spiirii aus einer einzelnen Reihe von Gliedern, als deren typische, sich zuweilen auch auf die Pcdes maxüJares über- tragende Zahl sieben anzusehen ist. Nur die mit einer gegliederten An- hangsgeissel versehenen Beine der Schizopodoi und Stoniafoiwdcn lassen eine Annäherung an die Form der Spaltbeine des Postabdomen wahr- nehmen. Das als Klauenglied bezeichnete zugeschärtte Endglied, an den gewöhnlichen Schreitbeinen relativ klein und am vorletzten vim wenig ausgiebiger Beweglichkeit, kann in den verschiedenen Abtheilungen der ILdacostrara an einzelnen (seltener an allen) Beinpaareu durch Grösse und freie Bewegliclikeit zu einer Greifklaue oder einem Scheerentinger umgestaltet werden und hat in ersterem Fall (Taf. I, Fig. 3) ein dreieckig verbreitertes {Manus chdlfonnis), im letzteren (Taf. I, Fig. 5) ein in seiner Basalhälfte (Cni'pus) breites, an seinem Ende einseitig fingerförmig aus- gezogenes vorletztes Glied , mit welchem es eine Scheere (Chela) bildet, im Gefolge. Gleich den lokomotorischen Gliedmasseu nehmen auch die beiden Antennen paare im ganzen Bereiche der 3IaIacostraca eine ungleich ein- heitlicliere Gestaltung, als es in den früher behandelten Ordnungen der Fall war, au, und zwar betrifft dies mit ihrer Form zugleich ihre Funktion. Die bei den Cirrijicdicn, Copcpodai und Tirancliiopodcn mehrfach erwähnte Verwendung als Haft-, Klammer-, Fang- und Kuderorgane fehlt hier durchweg; sie scheinen hier ausschliesslich zur Orientiruug zu dienen und sind daher die Träger verschiedenartiger Sinnesorgane, von denen die- jenigen der Empfindung und des Geruchs am allgemeinsten verbreitet sind. Ganz allgemein zerfallen diese Fühlhörner in zwei formell ditferente Ab- schnitte, von denen der aus mehreren lirältigeren Gliedern bestehende basale als Schaft {Scapus), der aus zahlreichen, dicht aneinanderschliessen- deu, kleinen Gliedern bestehende terminale, welcher sich zuweilen (viele Decapoda iiiacrum) verdoppeln oder selbst verdreifachen kann, als End- geissel {Flacjcüum) bezeichnet wird. Letzterem Abschnitt sind ganz vor- wiegend die „Tasthaare" und „Riechkolben", ersterem in manchen Fällen ein Gehörorgan eigen. Von inneren Organen stehen in engstem Anschluss au die Körper- segmentirung diejenigen der Fortpflanzung. Bei aller Mannigfaltigkeit in der Form sowohl der eier- wie der samenbereitenden Drüsen, bei vielfach wechselnder Lage und Ausdehnung auf eine grössere oder geringere An- zahl von Leibesriugen, endlich auch bei beträchtlichen Verschiedenheiten in der Länge und dem Verlauf der AuslÜhrungsgänge, lassen die Ge- schlechtsorgane aller Malacostral-en doch dadurch eine constante und typische Beziehung zu dem Hautskelet erkennen, d^ss sie eine und die- selbe Stelle zur Ausmündung in dasselbe innehalten. Bei den männlichen Individuen ist es stets die Grenze der (zugleich durch die Gliedmassen bestimmten) beiden Hauptabschnitte des Rumpfes, an welche die Ge- Malacostraca. 5 schleclitsöffiiuugen verlegt sind, wäbreiid dieselben bei den Weibebeu um zwei Segmente weiter nacb vorn rücken. Leichte Moditiicationen dieses sich überall gleich bleibenden Verhaltens kommen nur dadurch zu Stande, dass die in der Regel zwischen oder hinter dem letzten, resp. drittletzten Extremitiitcupaare in der Bauchhaut gelegeneu Fori (jcnltalcs in einigen Gruppen der Dccapoden etwas weiter seitwärts rücken und sich auf den Hüftstücken jener Extremitäten selbst öffnen. Eine Umwandlung eines oder zweier Paare der den männlichen Gesclilechtsöflnungen zunächst liegenden Pedes spurii des Postabdomen zu accessorischen Begattungs- organen ist gleichfalls eine sehr allgemein unter den MahicostraJccn ver- breitete Erscheinung. Es lässt sich mithin beliauptcn, dass die Fort- pflanzungsorgane der Malacostraken einen ebenso direkt bestimmenden Einfluss auf die Conformation des Hautskeletes ausüben, wie dieses für die Copqiodcn nachweisbar war. Auch die Verdauuugsorgane entbehren einzelner, allen Malacostraken gemeinsamer Eigenthümlichkeiten keineswegs. Als solche sind einerseits der sich von dem Ilinterdarm deutlich absetzende und innerhalb mit Chitingerüsten (Reibeplatten) versehene Magen, welcher seine vollkom- menste Ausbildung allerdings erst bei den Bcmpodcn erhält, andererseits die sich vom Darmkanal stets als selbstständige Schläuche abhebenden Leberorgane zu erwähnen. Letztere, unter den Entoniostralr.n in dieser Form nur bei den Ostracodcn vorhanden, treten hier meist in grösserer Anzahl (zu vier oder mehr) auf und durchlaufen verschiedene Stufen der Ausbildung von langstreckigen, cylindrischeu , zuweilen schraubenartig gewundenen Schläuchen bis zu voluminösen, aus zahlreichen, quasten- oder büschelförmig vereinigten Canälchen bestehenden Drüsen. Ein die Muudöffnung nach hinten begrenzender und sich zwischen Mandibeln und Maxillen des ersten Paares nach aussen hervordrängender zweilappiger Fortsatz der hinteren Oesophaguswand (vielfach als ,, Unterlippe" bezeich- net) scheint den Malacostmlccn ganz allgemein zugekommen. Auf der anderen Seite sind der Circulationsapparat und das Nerven- system als diejenigen Organsysteme zu bezeichnen , denen trotz der un- gleich vollkommeneren Ausbildung, welche sie den Entoiiiosfralccn, nicht aber den Foccüopodcn gegenüber erkennen lassen , ein gemeinsamer und in Folge dessen für die 3Ialacostraca charakteristischer Typus abgeht, höchstens dass für ersteren ein stets zur Ausbildung gelangtes System paariger, von dem Herzen ausgehender Arterien hervorzuheben wäre. Lässt sich gleichwohl auch für diese beiden Orgausysteme ein sehr enger Anschluss an die Körpersegmentirung und an die Gliedmassen mit Leich- tigkeit nachweisen , so ergiebt sich ihre Conformation doch offenbar als in Abhängigkeit von beiden, anstatt auf dieselben bestimmend einzuwirken. Demgemäss erscheinen denn auch, der grossen Wandelbarkeit in der Segmentbildung und in der Form der Gliedmassen entsprechend, die Un- terschiede beider je nach den Ordnungen und Familien oft grösser als ihre Uebereinstimmungen , was ganz besonders für den noch durch die f) IMalacostraca. scliwaiikeiule Form und Lage der Atbmuiigsorg-ane stark beeinflussten und uioditicirteii Circulatiousapjjarat geltend zu machen ist. Unter den Sinnesorganen sind es die Augen, welche den Entomostraken gegenüber eine einheitlichere Bildung dadurch erkennen lassen, dass die bisher vielfach aul'treteuden unpaaren Stirnangeu höchstens noch als em- bryonale Organe nachweisbar sind, der ausgebildeten Form jedoch fehlen, während dagegen seitliche paarige Augen , welche mit verhältnissmässig wenigen Ausnahmen den Typus der zusammengesetzten oder Netzaugeu darbieten, etwas ganz allgemein Verbreitetes sind. In ihrer vollkommen- sten Ausbildung (Deccqyoda) können sich dieselben von dem vordersten, sinuestrageuden Abschnitt des Hautskeletes loslösen und ihren Platz an der Spitze beweglich eingelenkter, gliedmassenartiger Gebilde einnehmen. Bei dem einheitlichen Bauplan, welcher sich in den constanten Zahlen- verhältnissen der Malacostraca zu erkennen giebt, läge besonders nach der Analogie mit den Copepoden voller Grund zu der Vermuthung vor, dass auch die Entwicklung aller zu gegenwärtiger Abtheilung gehörender Crustucccn nach einem und demselben Schema verlaufen möchte. Merk- würdiger Weise ist aber das gerade Gegentheil der Fall: die aus der EihüUe hervorgehende Jugendform zeigt im Vergleich mit der entwickelten die auffallendsten Verschiedenheiten in ihrer Gesammterscheinung sowohl wie in der Ausbildung der einzelnen Ivörpertlieile. Bänden sich die Un- gleichheiten an natürliche Gruppen, wie sie besonders durch analoge Segmentirung des Rumpfes und eine ihr entsprechende Form der Glied- massen bestimmt werden, so würden sie kaum überraschen oder selbst als ganz in der Ordnung angesehen werden können. Dies ist aber nur bei den Isopoden und Anipliipodcn der Fall, welche, wie es scheint, durch- weg das Ei in einer mit dem ausgebildeten Thiere der Hauptsache nach übereinstimmenden Form verlassen. Unter den mit einander ebenso eng verketteten Dccapoden scheint dagegen in Bezug auf das morphologische Stadium der Jugendform eine grosse Ungebundenheit zu herrschen, da es sich wiederholt bei systematisch ganz nahe verwandten Gattungen als diametral verschieden , bei äusserlich sehr unähnlichen oft als sehr über- einstimmend erwiesen hat. Während der Flusskrebs fast in endgültiger Form das Ei verlässt, erscheint aus demjenigen des Hummers eine ihm selbst recht unähnliche Larve, welcher das Meiste von dem, was sie schliesslich errreichen soll, noch altgeht und Alles dies erst unter wieder- holten Häutungen und Neubildungen cutwickeln muss. Eine ähnlich ge- staltete Larve (Zoew-Form) geht aber auch aus dem Ei der Taschenkrebse und anderer Dccapodm hervor, welche im ausgebildeten Zustand wieder wenig Aehnlichkeit und keine nähere Verwandtschaft mit dem Hummer haben. Kurz es besteht hier ein bisher nicht gelöster Widerspruch zwi- schen der natürlichen Verwandtschaft und dem Entwicklungsmodus der Nachkommenschaft. Für die Systematik könnte nach den im Vorstehenden dargelegten engen morphologischen Beziehungen die Frage entstehen, ob nicht sämmt- Malacostraca. 7 liehe Malarostmca einer einzigen, deu Copepoden, limnchiopodai u. s. w. gleiclnvertliigen Abtheiluug (Ordniiug) zuzuertheilen seien. Unzweifelhai't bilden sie untereinander einen sehr viel natürlicheren Fonuenverband, als dies mit den „Entoniosfrakcit" der Fall ist, so dass eine Gegenüberstel- lung dieser beiden CTruppen als gleichwerthiger systematischer Grössen durchaus unzulässig erscheint. Andererseits repräscntiren aber die ein- zelnen Abtheiliingen der als 3lalacosfntca zusamniengefassten Crnsfacrcn in Bezug auf einzelne Organe oder Organs^steine so deutlich geschiedene Ausbildungsstufen, dass mit gleichzeitiger Berücksichtigung des grossen unter ilmen vorhandenen Formen -Reichthums die bisher angenommene Trennung in mehrere Ordnungen aufrecht zu erhalten räthlieh erscheint. Bei der Annahme von drei solchen würden die Isopoden und Aniphipoden nach der ausgesprochener homonomen Körpersegmentiriing, den nicht auf beweglichen Ausläufern des Hautskeletes sitzenden Augen, den einfach schlauchförmigen Leberorganen, den lamellösen Respirationsorganeu u. A in näherer verwandtscliaftlicher Beziehung untereinander als zu den Deca- poden stehen, ohne sich freilich letzteren in ihrer Vereinigung als eine gleichwerthige Gruppe gegenüberzustellen. Vielmehr erscheinen beide als besondere Fornienverbände, in welchen der — übrigens gleichfalls durch- aus nicht einheitliche — Typus der Decapodeii nach verschiedenen Rich- tungen hin angelegt und vorbereitet wird. Bei den Amphlpoden drückt sich die deutliche Annäherung an die Dccapodcn durch die seitliche Com- prcssion des Köipers (nach Art der Macruren) und den dadurch bedingten ,, Krebshabitus", ausserdem aber durch die Verlegung der Respirations- orgaue an die Gliedraassen des vorderen Körperabschnittes, wie sie unter den Dccapodcn nur den Stomatopodcn abgehen, aus. Sechste Ordutüifj. I s o p () (1 n. — Assel ii. Tafel I— XXIV. Serolis Gaudichaudi. I. Einleitung'. 1. Namen. Der von Latreille für gegenwärtige Ordnung eingeführte Name Isopoda ist auf die bei den meisten liierbcr geliörigen Omstacecn- Formen iiervortreteude wesentliche Uebereinstimnumg in der Form und Grösse der lokomotorischen Gliedmassen basirt, ohne freilich für alle in gleichem Maasse zuzutreffen oder einzelner selbst gegentheilig gebildeter Gattungen Rechnung zu tragen. Letztere würden, wie es von Seiten J. Dana's auch wirklich geschehen ist, sogar viel passender als Aniso- pocla zu bezeichnen sein. Als Vulgärname hat sich , freilich in ungleich beschränkterer Weise, für die Ordnung die Bezeichnung „Asseln" seit Alters her eingebürgert und zwar erweist sich dieselbe offenbar von Asdlus (Eselchen) hergeleitet, wiewohl die lateinischen Autoren dieses Wort nicht im übertragenen Sinne gebraucht zu haben scheinen. Viel- mehr wird von Plinius nur Oniscus, also die direkte Ableitung, resp. Uebersetzung von ovog (des Aristoteles) und dviaxoc gebraucht. Die ursprüngliche lateinische Benennung für die allbekannten Kellerasseln scheint Porcellio, offenbar ein Derivativ von porcdlus (Ferkel) und porciis gewesen und aus diesem auch das Französische i)orcelet (neben cloporfe und pctlt-ünc im Gebrauch) hervorgegangen zu sein. Es gehen mithin die Ansichten der Alten, falls ihre Benennungen auf eine Aehnlichkeit im Habitus oder in der Lebensweise hinweisen sollen , bei den schwachen Berührungspunkten, welche Esel und Schwein mit einander haben, weit Einleitung. 9 aiiseinaiidCT, MäbreiKl Latreille mit seinem Gattniig-siinmen ArnuidiUo eine iu der Tiiat augenrällige allgemeine Aelinliclikeit mit den Gürtcl- thiercn {Armadill) zum Ausdruck gebracht hat. Die Pediciili marini (des Aldrovandi) und ««/^(«Y/ci (Mo uf et' s) erweisen sich als direkte Ueber- tragnngen der (fünofi ihtkiMTioi des Aristoteles. Alle drei Ausdrücke sind mit Rücksiebt auf die Lebensweise der damit bezeichneten Asseln, welche Ektoparasiten von Fischen sind, jedenfalls passender als der völlig unverständliche Englische „icood-Iousc" für die Kellerasseln. 2. Geschichte. Da unter den Tsopoden die Landasseln zu den häufig- sten und verbreitetsten Thieren gehören, ist es kaum denkbar, dass sie dem Aristoteles unbekannt geblieben seien. Trotzdem giebt er nirgends von denselben eine sie kennzeichnende Beschreibung. Dass die Bezeich- nung „oi'oi. TTolvTToäeg" (Hisf. anlmal. V. cap. 31) — wenigstens neben den Mtjriopodcn — auf dieselben Bezug haben, kann indessen mit einiger Wahrseheiulichkeit aus dem Vergleich geschlossen werden, in welchen Aristoteles seine „(pl^tTgeg ü^aXXcnTioi", wovunt&v nur die auf der Haut von Fischen schmarotzenden Cymotlioklcn verstanden werden können, mit ihnen bringt. Er giebt nämlich an, dass letztere den „vielfüssigen Asseln" sehr gleichen, jedoch abweichend von ihnen „einen breiten Schwanz" besitzen. Auch von dem olaiQOQ der Thunfische, welcher dem Skorpion gleichen, aber nur die Grösse einer Spinne haben soll, ist es ungleich wahrscheinlicher, dass er den Tsopoden als den schmarotzenden Copepodcn angehört habe. Dass übrigens der Aristotelische Begriff „ovoi noXrnochg" ein ziemlich vager und auch durch die Tradition nicht näher fisirter war, er- giebt sich aus den Commentatoren der Aristotelischen Schriften sehr deutlich. Während Ulysses Aldrovandi (l(i02) in seinem Capitel: „De rindüpcdis et prinnini de Onhco sive AscUo" nur Myriopoden, dagegen keinen Oniscus bildlich darstellt, findet sich bei Moufet (1634) und Jons ton (1657) ein J^n««f?i7/o-artiger 0»(sc«?c> von der Rückseite und in zusammen- gekugelter Form unverkennbar abgebildet. Unter dem Namen Pediculus nuinnus (Aldrovandi und Jonston) imü. Fe diculus aquntieus (Moufet) stellen dagegen alle drei Autoren, und zwar A Idro van di mit dem Hin- weis auf Aristoteles Lib. V. cap. 31 ganz kenntlich ein ^er/a-artiges marines Isopod dar. Der Erste, welcher die Aristotelischen ovoi definitiv als Isopoden in Anspruch nahm und sie als „AscUi" aufführte, war John Ray (1710), Aviewohl auch er darunter nebenher noch Amphipodcn begriff. Er zählt dieselben noch den Insekten bei, von welchen er die übrigen Crustacecn ausschloss, und bezeichnet sie unter diesen als vierzehnfttssige {TsnaaQfc= •M570 unter Fuhrung des Kapitän K. Koldewey, II. Bd. (Leipzig 1874) p. 262 — 398, Taf 2. Vogl, C. von, Beitrag zur Kenntniss der Land-Isopoden (Yerhandl. d. zoolog. botan. Gesell- schaft in Wien 1875, p. 501—518, Taf. XII). Grube, E., Beitrag zur Kenntniss der Gattung Serolis und einer neaen Art derselben (Archiv f. Naturgeschichte XLl, p. 208—234, Taf. 5 u. 6) 1875. Uljanin, B., in: Fedschenko, Eeise nach Turkestan, Theil II, Abth. 3. Crustacea. 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Die Segmentirung des Rumpfskelets zeigt abgesehen von sekundären Modifikationen der Hauptsache nach eine grosse Beständigkeit. Als die am allgemeinsten verbreitete und -gewissermassen als typisch zu betrach- tende ergiebt sich diejenige, bei welcher auf einen die beiden Fühlerpaare und die Augen tragenden Kopftheil sieben grössere und im Anschluss an diese, eine zweite Gruppe bildend, ebenso viele kleinere Segmente folgen, von denen die beiden letzten allerdings fast durchweg mit ein- ander verschmolzen sind. Die Zahl der die vordere Gruppe (Mittel- leib, Prrcion) constituirenden Segmente wird in besonders auffallender Weise nur in der Familie der Änca'dae (Gattung Anccus, fem. Pranim) dadurch modificirt, dass das zunächst auf den Kopftheil folgende mit diesem . völlig verschmilzt — ein Verhältniss , welches mit Evidenz nur aus dem Verhalten der Gliedifiasseu hervorgeht — während dagegen das Organisation. 19 der Gliedmassen entbehrende siebente in Folge dessen nur rudimentär entwickelt ist und sich leicht der Aufmerksamkeit entzieht. Eine ungleich geringere Abweichung dieser sieben Mittelleibssegmeute tritt bei der Gat- tung Srrolis (Taf. V, Fig. 5) darin zu Tage, dass die beiden vordersten meist zu einem, welches dadurch eine entsprechend grössere Längsent- wicklung erhält, verschmelzen. Diese Verschmelzung ist indessen nur bei bestimmten Arten (Sei: hihemdata, oralis, latifrons) eine vollständige ge- worden, während bei anderen {Ser. Fahricii, Gaudicliaudi, Scliytliei, cornuta) eine die zwei ursprünglichen Segmente andeutende Treunungslinie noch deutlich erkennbar ist (Taf. V, Fig. 4). Ungleich häufiger als am Mittel- leib tritt dagegen eine Modifikation der Segmentirung am Hinterleib (Posfahdomen , Pleon) und zwar unter den mannigfachsten Abstufungen bis zu völliger Verschmelzung aller Segmente, auf. a) Der Köpft heil, welcher nur in vereinzelten Fällen (Gattung J.«- ceus, mas: Taf. XV, Fig. 1, 2) eine auffallende Grössenentwicklung, bei der indessen die oben erwähnte Verschmelzung mit dem vordersten Mittelleibsring in Betracht zu ziehen ist, eingeht, ist in der Regel breiter als lang, ebenso oft quer abgestutzt wie allmählich zu- oder breit abgerundet. Auf seiner Oberseite die Augen, an seinem Stirnrand die beiden Fühlerpaare tragend, lässt er unterhalb, die Mundöffnung von vorn oder oben her bedeckend, eine meist abgerundete und gewölbte Platte, die Oberlippe (Lahnini) in freier Einlenkung von sich entspringen. Nicht selten ist der Kopftheil zwischen die nach vorn ausgezogenen Seitenecken des vordersten Mittelleibsringes eingeschachtelt, während er bei manchen parasitisch lebenden Isopoden (Bojnjridar) durch Deformirung des ganzen Rumpfes auf die Unterseite herabgedräugt wird. b) Die Mittelleibs Segmente können auch dann, wenn es sich bei ihnen um Einzelsegmente handelt, in allerdings nur seltenen Fällen recht beträchtliche Längsunterschiede erkennen lassen, welche zuweilen sogar Arten einer und derselben Gattung betreffen. Während z. B. bei Ardurus Baffini (Taf. V, Fig. 3) an diesen sieben Segmenten kaum nennenswer- there Differenzen als bei der Mehrzahl der regulär gebildeten Isopoden hervortreten, ist bei Ard. longicornis und intermcdiun (Taf. V, Fig. 1) das vierte Segment beträchtlich länger sowohl als die drei vorhergehenden wie die drei folgenden zusammengenommen. Bei der weiblichen Form der Äumdm (Pmnlxa: Taf. XV, Fig. 3) sind es dagegen die drei vor- letzten Segmeute, welche die übrigen nicht nur an Länge, sondern auch au Breite sehr beträchtlich überwiegen, bei Munmpsis (Taf. IIL Fig. 5) das zweite bis vierte, welchen fast die dreifache Breite der darauffolgen- den zukommt. Geringere Grössen- und Formdifferenzen sind dagegen nach der Quer- wie nach der Längsrichtung etwas unter den Isopoden sehr allgemein Verbreitetes ; für dieselben ist ebensowohl die Gesammtform des Rumpfes wie die Beziehungen einzelner Segmente zu den benachbarten Körpertheilen bedingend. Es sind daher ganz besonders das erste und das siebente Mittelleibssegment, welche bei dem näheren Anschluss, 2* 20 Isopoda. welchen sie zu dem Kopftheil und dem Postabdomen eingehen, die von den übrigen in der Regel am meisten verschieden geformten. Eine unter den Isopodm weit verbreitete Eigeuthiimlichkeit der Mittel- leibssegmente besteht darin, dass ihre gewölbte Rückenhälfte die flache Bauchhälfte an Flächenentwicklung mehr oder weniger stark übertrifft, so dass besonders dann, wenn der Querdurchschnitt des Körpers eine flache Ellipse darstellt, erstere beiderseits viel weiter nach aussen reicht als letztere und, um mit dieser eine Verbindung eingehen zu können, sich nach unten umschlagen muss. Wenn sich nun gleich ein entsprechendes Verbalten vielfach auch an den Hinterleibssegmenten wiederfindet, so kommt doch für die sieben Mittelleibssegmente noch der Umstand hinzu, dass jene über die Abdominalplatte seitlich hinausragenden Theile der Rückenschienen gegen den Mittel- (Haupt) theil der letzteren durch mehr oder weniger tiefe längs- oder etwas schräg verlaufende Furchen deutlich abgegrenzt sind (Idothca: Taf. IV, Fig. 1) und dass die sich von der Mittellinie der Bauchseite weit entfernenden Beine ihrem Ansatz nach der Unterseite jener von Milne Edwards als Epbwra bezeichneten Seiten- platten entsprechen. Durch beide Umstände in Gemeinschaft wird offen- bar die Frage nahe gelegt, ob diese seitlich übergreifenden Abschnitte der Rückenschienen in der That als Theile der Segmente selbst zu be- trachten, oder ob sie nicht etwa den Gliedmassen (Beinen) zuzurechnen seien, als deren Basal-(Hüft-)Glieder sie eine feste Vereinigung mit jenen eingegangen sein könnten. Ein Entscheid hierüber nach der einen oder der anderen Seite hin würde sich auf entwicklungsgeschichtlichera Wege jedenfalls mit grösserer Sicherheit gewinnen lassen, als durch eine mor- phologische Vergleichung. c) Der als Hinterleib (Postabäomni , Flcon) zu bezeichnende dritte Hauptabschnitt des Körpers setzt sich durch die Breite und Länge der ihn constituirenden Segmente von dem Mittelleib Ijald sehr scharf, bald und noch häufiger relativ wenig in die Augen fallend ab. Bei manchen Äegiden, bei mehreren ScroKs - Arten (Ser. ovalis) u. A. gleichen die vor- deren Segmente des Postabdomen formell sogar entschieden mehr den Mittelleibsringen als dem auf sie folgenden Endtheil desselben Abschnittes. Im Gegensatz zu dem Mittelleib ist besonders bemerkenswerth, dass eine Erhaltung der ursprünglich vorhandenen sieben Ringe in deutlicher Tren- nung von einander am Hinterleib nur in ganz vereinzelten Ausnahmen (Paranthura) nachweisbar ist. Das bei weitem häufigste Verhalten besteht darin, dass die fünf ersten Ringe unter einander irei geblieben sind, der sechste dagegen mit dem siebenten zu einem sich oft durch ansehnliche Grösse und den vorhergehenden gegenüber besonders durch Länge aus- zeichnenden Schwanzschilde {Tdson) verschmolzen ist. Direkte Hinweise auf die ursprüngliche Selbstständigkeit beider sind selten, z. B. bei Coni- lera cyVmdrmca (Taf. I, Fig. 6), wo die Grenze durch eine Querfurche beiderseits bezeichnet ist : Andeutungen derselben häufiger, besonders unter den Onimhlrn (Oniscm, PnyeeUio), wo sich ein schmalerer Spitzentheil von (Ji'gaiiisalioii. 21 der breiten Basis seitlich scliarf absetzt (Taf. XllI, Fig. '2h). «onst ist für die Verschmelzung zweier ursprünglicher Segmeute ganz besonders der Umstand beweisend, dass das diesem Endabschnitt entsprechende Gliedmassenpaar stets von seiner Basis (welche das sechste Segment re- präsentirt), niemals seiner Spitze genähert entspringt. Sehr mannigfach und die allmählichsten Uebergänge erkennen lassend gestaltet .sich je nach Familien und Gattungen, ja sogar je nach den Arten einer und derselben Gattung die Verwachsung des Endsegmeuts (6 + 7) mit einem oder mehreren der vorangehenden. Bei den Serolis-AYtea bleiben stets die drei vordersten Segmente frei, so dass also der grosse Schwanz- schild deren vier in sich aufgenommen hat (Taf. V, Fig. 4 u. 5); doch ist die Verschmelzungsstelle des ersten dieser vier Ringe bei mehreren Arten durch eine Querfurche jederseits noch sehr deutlich zu erkennen. Auffallende Verschiedenheiten in der Zahl der frei gebliebenen vorderen Segmente zeigen besonders die einzelnen Idothea-AYten, Idothea entomoit (Taf. IV, Fig. 1) nämlich vier, Id. trkuspldata, rmayijinata, pawllda, linearis u. a. zwei, Id. Lalandii, liedica u. a. eins, während hei Id. appendicidata und acuminuta sämmtliche Segmente zu einer einzigen grossen Schwanz- platte verschmolzen sind, wenn dieselbe auch bei ersterer Art noch ba- sale seitliche Nähte erkennen lässt. Zwei freie vordere Segmente kommen ferner den Gattungen Spliucroma, Cymodocea, Campacopea, ÄseUits (Taf II, Fig. 1), Aräums (Taf V, Fig. 1 — 3) u. a. , ein einziges den Gattungen Monolistm (Taf. VI, Fig. 1) und Janim (Taf III, Fig. 1) zu, bis dann endlich bei Jacm (Taf III, Fig. 2), 3Iimna (Taf III, Fig. 3) u. Muhim- psis (Taf. III, Fig. 4) wieder sämmtliche Segmente zu einem einzelnen Schilde verwachsen. Unter den Gattungen, welche sich durch Verschmelzung mehrerer Segmente zu einem grösseren Endabschnitt auszeichnen, zieht besonders die Gattung Serolis dadurch die Aufmerksamkeit auf sich, dass der Ur- sprung des letzten Gliedmassenpaares je nach den einzelnen Arten ein auffallend verschiedener ist; derselbe entspricht bald der äussersten Basis des grossen Schildes {Serolis latifrons: Taf. V, Fig. 5 p^), bald der Mitte seines Seitenrandes, in noch anderen Fällen rückt er der Spitze desselben recht nahe {Ser. Orhiynyana, Serolis Schythei: Taf V, Fig. 4, p".). Es lässt sich dies offenbar nur daraus erklären, dass die drei resp. vier Ursegmente, welche in die Endplatte aufgenommen sind, sich jener An- satzstelle des letzten Gliedmassenpaares entsprechend, in sehr verschiede- ner Weise um einander gruppirt oder in einander geschachtelt haben, so dass das sechste Segment, welches immer jenes Gliedmassenpaar trägt, in dem einen Fall nur bis zur Basis des Seitenrandes reicht, in dem anderen diesen Seitenrand aber auf eine kürzere oder längere Strecke umsäumt, wie es sich z. B. für Serolis Orhignyima leicht feststellen lässt. B. Gliedmassen. Die Uebertragung der als Träger der Sinnesorgane und der zur Nahrungsaufnahme dienenden Gliedmassen auf einen beson- deren Körperabschnitt kann für die Isopoden den Dccapodcn gegenüber 22 Isojiotla. als ebenso charakteristisch gelten, wie sie sich als eine ihnen mit den Amplüpoden gemeinsame Anordnung darstellt. Der sich vom Rumpi' noch in freierer Weise als bei den Amphipodcn absetzende Kopftheil verleiht dadurch den Isojwdm eine nicht zu verkennende habituelle Aehnlichkeit mit den Insekten, welche um so mehr gesteigert wird, wenn, wie bei den Onisciden, das eine Fiihlerpaar verkümmert. Trotzdem kann der Kopf- theil der I^cumlcn nicht als ein dem Kopf der Insekten äquivalenter Seg- mentcomplex angesehen werden, da er stets ein ventrales Gliedmasseupaar mehr als letzterer umfasst. a) Fühlhörner. Die Ausbildung von zwei Paaren präoraler Gliedmassen, welche als Änfennae supcriores s. internac und Aidcnnae inferiores s. cxternuc bezeich- net werden können, ist bei den Isopodcn ebenso constant, als dass erstere den letzteren an Grössenentwicklung merklich, oft sogar recht beträcht- lich nachstehen. Allerdings bewegen sich die zwischen beiden Paaren bestehenden Grössendifferenzen innerhalb einer sehr beträchtlichen Breite. Sie sind relativ gering bei den Bopyridcn, mehreren Sphacroiiridoi-Grut- tungen {Canipecopm : Taf. VI, Fig. 10, Dyiuoiienc: Taf. VI, Fig. 16, Sphaeroma, Limnoria: Taf. VI, Fig. 17), bei Änthura und Anceus (Taf. XV, Fig. 2, 3), schon sehr viel merklicher bei den Aqiidvu und Cymothoidcn, recht bedeutend oder selbst in hohem Grade auffallend bei Eurydice (Taf. VII, Fig. 6), Ardunis (Taf. V, Fig. 1, 2, 3) und den AselUnen (Jaera: Taf. III, Fig. 2, Janira: Taf. III, Fig. 1, Ascllns: Taf. II, Fig. 1, 2, Munna: Taf. III, Fig. 3, Mnnnoptiis: Taf. III, Fig. 4), ausserdem auch bei einzelneu Idothciden; bis dann endlich bei den Onisciden das Ueber- gewicht der äusseren Fühler ein so l)cträchtlichcs wird, dass sie auf den ersten Blick die allein vorhandenen zu sein scheinen (Taf. XIII, Fig. 1, 2, 5, 12). Die inneren Fühler reduciren sich bei ihnen auf ganz unbedeu- tende und unter dem Stirnrande zwischen den äusseren verborgen liegende Stummel, an welchen sich nur zwei bis drei ganz kleine Glieder unter- scheiden lassen (Taf. XIII, Fig. 9 u. 13 an K). Auch in Betreff" der gegenseitigen Einleukung beider Paare fehlt es durchaus nicht an Modifikationen. Eine deutliehe Insertion derselben unter einander zeigt sich bei Arctnrus (Taf. V, Fig. 1), den Cyinotlioiden UüAßphaeromiden, während dagegen bei den Idothciden (Taf. IV, Fig. 1, 2) und AselUnen (Taf. II, Fig. 1 u. III, Fig. 1, 2) die kleinen oberen Fühler mehr zwischen als über den unteren ihren Ursprung nehmen. Betrachtet man unter den vielfach wechselnden Formen der Isopoden- Fühlhörner als die typische diejenige, bei welcher sich ein Schaft- von einem Geisseltheil deutlich absetzt, so würde diese durch die Spluierumiden, Cymothoiden, Idotheiden, Aselli^ien und Anceiden repräsentirt werden, wäh- rend dagegen bei den meisten Onisciden, unter welchen sich nur Ligvi den vorgenannten nahe anschliesst, ein Unterschied zwischen diesen beiden Abschnitten sehr undeutlich wird , oder selbst ganz verwischt ist. Die Zahl der am Schaft ausgebildeten Glieder schwankt au den oberen Ftth- (Jrgaiiisatioii. 23 lern je nach den Familien und Gattungen zwischen zwei und vier, au den unteren zwischen drei und sechs, während diejenige der Geissel- gliedcr sich noch innerhalb viel weiterer Grenzen bewegt. Der als Geissel- theil bezeichnete Abschnitt der Fühlhörner ist bei den Isopodcn übrigens stets, nur in der Einzahl (au jedem F'ühlhorn) vorhanden; die bei den Amph'umlen und besonders bei den Dccajwdcn auftretenden Neben- oder Anhangsgeissein sind also hier noch nicht zur Ausbildung gekommen. Im Verhältniss zur Körperlänge können die oberen Fühlhörner auch bei nicht rudimentärer Ausbildung durchweg als kurz bezeichnet vperden, während dagegen die unteren die mannigfachsten relativen Längsverhält- nisse eingehen. So schwanken sie unter den Äegklen zwischen V5 (^er/a) und '^U (Eurydicc) der Körperlänge, bei den Spluicromidcn zwischen Vs und 2/5, bei den Idothridcn zwischen V3 «ßd ''/i {Arcturus), bei den Ascl- lincn sogar zwischen ^j., und {Mimnopsh: Taf. III, Fig. 4 an'\) V^. Die bei den Larven der Bopyriden meistens V3 oder ^^ der Körperlänge mes- senden unteren Fühlhörner verkürzen sich bei den ausgebildeten Indivi- duen sehr beträchtlich und können bei den Weibchen stummeiförmig werden oder selbst ganz verschwinden. b) Mundgliedraassen. Von den als Mundtheile fungirenden Gliedmassen sind die zumeist nach vorn gelegenen Maudibeln bei vollständigster Ausbildung mit einem an ihrem Aussenrande (Rücken) entspringenden, relativ langen, dreigliederi- gen Taster (Taf. II, Fig. A,j), III, Fig. 7, fa, V, Fig. 6, VI, Fig. 3 und 15a, pa, VII, Fig. 2 u. l,p) versehen; doch sind durch das gänzliche Fehlen des letzteren die Familien der Bopyriden, Oniscidm{PorcdUo : Taf. XXII, Fig. 11,12), Idotheidcn {Idoihea: Taf. IV, Fig. 5, &,Ardiims) und Aiiceidcn ausgezeichnet. Die Mandibeln selbst erscheinen ihrer Bestimmung gemäss, als Haupt- oder eigentliche Kaukiefer zu fuugiren, in Form kräftiger, solider, quer drei- eckiger Haken mit breiter Basis imd einem die Schneide an Länge über- treffenden Rücken. In Bezug auf die Einzelheiten ihres einander zugewandten Innenrandes (Schneide) ergeben sich dieselben bei näherer Betrachtung sehr allgemein als^ unsymmetrisch gebildet (Taf. IV, Fig. 5, 6, XXII, Fig. 11, 12). So ist z. B. die am weitesten nach innen ausgezogene vordere Spitze der Mandibeln, welche sich durch ihre schwärzliche oder pech- braune Färbung als besonders stark chitiuisirt zu erkennen giebt und welche offenbar zum Abbeissen dient, linkerseits zwei-, rechterseits dagegen nur einästig, an jedem Ast übrigens wieder in zwei bis drei kräftige Zähne eingeschnitten (Idothca, ForccfUo) , oder es wird der hintere Spaltast rech- terseits durch einen mehrzähuigen Vorsprung von viel zarterem, mehr glasartig durchsichtigem Ansehn (Ligia) ersetzt. Ebenso ist ein weiter nach hinten aus dem Schneidenrand hervortretender flach messerförmiger Vorsprung (Taf. VI. Fig. 15 und 15 a, tr. VII, Fig. 2 u. 7, fr.), welcher dem Zermahlen der durch den Spitzentheil abgebissenen Nahrung dienen dürfte, rechterseits kürzer und breiter (spitz dreieckig oder quer abge- stutzt), linkerseits dagegen schmal und in die Länge gezogen (Idothea, 24 Isopoila. PorcelUo). Endlich lassen aber auch die gleichfalls nicht selten (Ligia, PorcelUo: Taf.XXII, Fig. ll,12,x) aus dem hinteren Theil der Schneide her- vortretenden, reihen- oder büschelförmig angeordneten Haargebilde, welche in anderen Fällen durch gewiraperte Lamellen (Taf. VI, Fig. 3 u. 15 a, l, VII, Fig. 7, la) ersetzt werden, an beiden Maudibelu mehr oder weniger auffallende Unterschiede wahrnehmen. Von den beiden Maxi 11 en- Paaren, welche im Gegensatz zu den Maudibeln bereits hinter der Mundöfifnung gelegen siud und von denselben durch einen als „Unterlippe" beschriebenen, zwei- oder viertheiligen Hautlappeu (Taf. III, Fig. 8, VI, Fig. 4, XIII, Fig. 13a) geschieden werden, siud diejenigen des ersten Paares nicht nur die grösseren, son- dern auch die resistenter gebildeten , welche sich an dem Kaugeschäft der Mandibeln offenbar in hervorragenderer Weise als die viel zarthäuti- geren des zweiten Paares betheiligen. Von letzteren weichen sie daher auch durch eine, trotz aller — je nach Familien und Gattungen auftretender — secundärer Modifikationen kenntlich bleibende, typische Gestaltung aus. Sie bestehen nämlich aus zwei langstreckigen, parallel neben einander herlaufenden Kauladen, welche einer sie am Grunde verbindenden, queren Angel [Cardo) aufsitzen und von denen die äussere länger, breiter und an ihrem abgestutzten Ende mit soliden, deutlich chitinisirten, kammartig gestellten Kauzähnen besetzt ist, während die schmächtigere und kürzere innere zwei- bis vier weichhäutige, fingerförmig gespreizte und am Rande zart befiederte Endauhänge erkennen lässt (Taf. IV, Fig. 7, VI, Fig. 5 u. 15c, XIII, Fig. 13b). Den Maxillen des zweiten Paares dagegen, so wesentliche Verschiedenheiten sie auch bei den einzelnen Familien darbieten, geht die charakteristische Zweitheiligkeit des ersten Paares stets ab, so wie sie auch stark chitinisirter Kauzähue durchweg ent- behren. Durchgehends von mehr weichhäutiger oder lederartiger Con- sistenz, im Verhältniss zu ihrer Länge auch breiter und gedrungener, zeigen sie in ihrer vollkommensten Ausbildung {Idotluu: Taf. IV, Fig. 8, Äsellm: Taf. II, Fig. 7 u. A.) vier einem gemeinsamen Stamm nach vorn und innen sich anschliessende breite und mit laugen Wimperhaaren gesäumte Laden, von welchen bald {Idothca) drei, bald (Asellns) nur zwei terminal gestellt siud. Von diesen Laden bleiben bei den Äcfiidcn (Clro- lana, Eurydke, Taf. VII, Fig. 9) und den Splmcromkhn (MonoUstra: Taf. VI, Fig. 6) nur drei ül)rig, deren eine ihrem Ansätze nach völlig oder wenig- stens annähernd dem Innenrande entspricht. Bei den OnlsckU'u. erleiden dagegen diese Maxillen des zweiten Paares eine eigenthümliche Rück- bildung, welche in dem Mangel frei beweglicher (wenigstens deutlich gegen einander verschiebbarer) Laden besteht. Am Endrande des Stammes lassen sich hier nur noch die Andeutungen zweier solcher, sehr kurzer und verwachsener Lappen, welche jedoch des Wimperbesatzes entbehren und von denen nur der eine stumpf abgerundete sich durch eine bürstenartige Befiizung seiner Fläche auszeichnet, erkennen (Ligidium: Taf. XIII, Fig. 13 c, PorcelUo: Taf. XXII, Fig. 14, la). Organisation. 25 Da vierte, die Uuterseite des Kopi'theiles uacli liiuteu abscliliesseade Mundgliedmasscupaar, welches als Kieferfüsse (Fudes maxiUares) be- zeichnet wird, gestaltet sich ebensowohl durch eine mediane Vereinigung an seiner Basis, wie durch einen engen Anschluss seiner Ladentheilc aneinander zu einer Art Unterlippe im Sinne der Insekten, für deren Deutung sie ebenso wichtige morphologische Aufschlüsse giebt, wie sie sich andererseits von derselben durch eigenthümliche accessorische Bil- dungen entfernt. Bis auf ein medianes unpaares Basalstück, welches als eine Art Modum die Eiulenkung des Ganzen am Kehlrande des Kopf- theiles vermittelt, besteht diese Unterlippe der Isopodm aus zwei unter einer geraden Mittellinie zusammenstossenden, durchaus symmetrischen Hälften, an denen sich 1) der nach vorn in einen Taster auslaufende eigentliche Stamm {Sfijw»), 2) die dem vorderen Theil des Stammes nach innen sich anfügende Lade {LcDitinn) und 3) eine an dem Grundgliede des Stammes in der Richtung nach aussen frei artikulirende Platte un- terscheiden lassen. Der Stamm in seiner ursprünglichsten Bildung zeigt sieben aufeinanderfolgende Abschnitte, von denen die beiden basalen, deren zweites viel grösser als das erste ist, den Stipes im engeren Sinne, die fünf terminalen dagegen den Taster (Paljms) bilden. Beispiele für diese Bildung sind Idothea (Taf. IV, Fig. 9), Ärdunts (Taf. V, Fig. 3 a), Jaera, Janim, Blunnapsis (Taf. III, Fig. 11), Conilera, Cirolmia u. A. In anderen Fällen, wie bei den Sphacromiden {Di/namcne, Cymodocea, Sphac- roma : Taf. VI, Fig. 14 b, Campccopea), bei Mumm, Ascllus (Taf. II, Fig. 8) u. A. wird dann durch Verschmelzung des ersten kurzen Tastergliedes mit dem grossen zweiten Gliede des Stipes die Zahl der freien Tasterglieder auf vier reducirt, ohne dass hierdurch jedoch der Grössenentwicklung des Tasters irgend welcher Abbruch geschähe. Letzteres ist dagegen in sehr auffallendem Maasse l^ei den Onisciden der Fall, wo dieser Taster beson- ders im Verhältuiss zu dem sehr umfangreichen Sflpcs geradezu verküm- mert erscheint und sich auch über die Lade nach vorn sehr wenig hinaus- erstreckt (LigkUum: Taf. XIII, Fig. 13 d). Bei Oniscus, Porcellio Taf. XXII, Fig. 15,/)«) imd ÄnixtdilUdlnm reducirt sich dieser Taster etwa auf den vier- ten Theil der St qxjs- hänge und besteht nur aus einem breit viereckigen Basal- und einem schmalen, klauenförmigen Endgliede, während bei Lujia (Taf. XXII, Fig. 17, ^*ft), wo er etwa schon dem dritten Theil der ß^(>?.s-Länge gleichkommt und stumpf eiförmig erscheint, noch eine angedeutete Ein- theilung in drei (vierV) freilich nicht von einander abgeschnürte Glieder wahrgenommen werden kann. Auch bei der Gattung Scrolis (Taf. V, Fig. 4 b) ist der Taster beträchtlich verkürzt, doch besteht er hier wenig- stens noch aus zwei sich sehr deutlich absetzenden Gliedern, von denen das erste gross und herzförmig, das zweite schmal und länglich ist. Die dem Sti2>cs sich nach vorn und innen anschliessende Lade stellt einen innerhalb gerade abgeschnittenen, vorn und aussen abgerundeten und am Rande gewimperten häutigen Lappen dar, welcher von dem nor- mal ausgebildeten Taster nach vorn weit überragt wird , dem rudimen- 26 Isopüda. tären der Oiüscklcn dagegen wenig an Lunge naclistclit, obwohl auch sie hier eine etwas geringere Grössenentwicklung zeigt. Eine sich an dieser Lade öfter vorfindende Eigenthümlichkcit ihres gerade abgeschnittenen Inuenrandcs besteht darin, dass aus demselben Klammer -Vorrichtungen zu einer festen Verbindung mit der anderseitigen Lade hervortreten. Bei IdotJwa enfomon (Taf. IV, Fig. 9, la und 9 a) ist jede Lade nur mit einer einzigen, relativ grossen, fingerförmigen Klammer versehen, welche sich mit ihrer eingekrümmten Spitze um eine wulstige Verdickung der gegen- überliegenden herumlegt. Bei Asellus dagegen existiren jederseits mehrere (bis sechs) solche Haftorgane (Taf. II, Fig. 9), welche bei ihrer dichten Aufeinanderfolge in einander eingreifen, während ausserdem noch Haut- säume, von denen derjenige der einen Lade mit langen Wimpern besetzt ist, auf eine innigere Verbindung hinzuwirken bestimmt scheinen. Auch für die Gattung Mmmoims hat M. Sars eine ähnliche Vorrichtung zur Keuntniss gebracht (Taf. III, Fig. 11 u. IIa). Die am Basalgliede des Stipes frei bewegliche Platte endlich, welche sich in rechtem Winkel gegen dasselbe aufrichten und somit sich gegen die .Seiten des Kopftheiles anschlagen kann, geht zuweilen {Idothea cnto- nioH : Taf. IV, Fig. 9, v) eine Gliederung in zwei Abschnitte ein, während sie sich in der Regel als ungetheilt darstellt. Bei Ä^cllns (Taf. II, Fig. 8,v) sich durch starke flügelartige Erweiterung nach aussen hin auszeichnend, ist sie bei Idothea stumpf oval abgerundet, um bei anderen Gatttungen (Ä)-cturus, Mumm, Mimnopsis: Taf. III, Fig. 11, v) schmaler, lanzettlich, bei noch anderen {Oiiiscus, Porcdlto: Taf. XXII, Fig. 15, v) weit nach vorn reichend und zugespitzt zu erscheinen, zugleich aber sieh an ihrer dem Stipes zugewandten b'eite löffelartig auszuhöhlen. Bei Lifiia trennt sie sich durch einen tiefen Schlitz in eine aussen breit abgerundete basale und eine langgestreckte, nach vorn verschmälerte terminale Hälfte, welche als dünne, durchscheinende Platte den Stipes nach aussen säumt. Die vorstehende Schilderung bezieht sich auf die Mundgliedmasseu derjenigen Tsopodcn, deren Nahrungsaufnahme mit einem Kaugeschäft verbunden ist, deren Mundtheile mithin als be issende zu bezeichnen sind. Die in mehreren Gruppen der Isojwden auftretenden saugenden Mundtheile, welche zur Ueberführuug des Nahrungssaftes ihrer Wirths- thiere, deren Parasiten sie sind, dienen, erweisen sich in manchen Fällen nur relativ von den kauenden abweichend, in anderen dagegen so auf- fallend verschieden, dass eine Zurückführung der einen auf die anderen theils unsicher, theils zur Zeit überhaupt nicht durchfuhrbar erscheint. Am meisten nähern sich nach Schioedte's mustergültigen Untersuchungen den kauenden Mundtheileu die saugenden der Cynwthoidoi au. So erinnern z. B. bei Aega die Mandibeln (Taf. VII, Fig. 16) durch das Vorhandensein eines schlanken dreigliederigen Tasters noch ganz an die kauenden, nur dass der Endtheil der Mandibel selbst in eine scharfe, klauenartige Spitze ausläuft und an der Innenseite löifelartig ausgehöhlt erscheint, während bei Anilocra (Taf. VII, Fig. 22) und Cymothoa mit der Veränderung der Orgaiüsation. 27 Maudibel selbst auch eine nierkliche Rctluktioii des Tasters, welcher kurz uud gedrungen erscheint, verbunden ist. Die Maxilleu des ersten Paares (Äqia: Taf. VII, Fig. 17 u. 17a, Anilocm: Taf. VII, Fig. 23, Cymothua) sollen nach Hchioedte's Darstellung zwar die Spaltung in zwei parallele Aeste aufgegeben habeu uud von den beiden ursprünglich vorhandenen soll nur der äussere und dieser in schlankerer, mehr stiletartiger Form übrig geblieben sein; doch hat wenigstens für Aviia eine nochmals hierauf ge- richtete Untersuchung auch die Anwesenheit einer Innenlade von allerdings rudimentärer /Ausbildung — dieselbe fügt sich der äusseren erst weit nach hinten an und stellt ein schmales, lanzettlich zugespitztes, am Ende nur eine einzelne Borste tragendes Blättchen dar — mit Sicherheit ergeben (Taf. VII, Fig. 17 b). Weniger erscheinen die Maxillen des zweiten Paares verändert, indem unter Aufrechterhaltung der terminalen Laden nur der diese säumende Wimperbesatz durch krumme und kräftige Haken ersetzt worden ist {Acga: Taf. VII, Fig. 18, Cymothoa: Taf. VIII, Fig. 18) oder ganz fehlt {Anilocm : Taf. VII, Fig. 24). Indem sich ihre Endtheile neben- einander der Oberlippe dicht anlegen, bilden sie in Gemeinschaft mit dieser den Saugmund im engern Sinne (Taf. VII, Fig. 24). Auch das vierte Gliedmassenpaar kann bei einzelneu hierhergehörigen Gattungen (Acga: Taf. VII, Fig. 10, 19 au. 20) dadurch eine auffallende Umgestaltung ein- gehen, dass unter Verkümmerung der Lade der Tastertheil eine beträcht- liche Grössen- und besonders Breiten-Entwicklung annimmt und dass die Eänder resp. die ganze Oberfläche einzelner Glieder mit scharfen raspel- artigen Zähnen besetzt sind, welche offenbar ein Einbohren in die Haut des Wirthsthieres zum Zweck haben. Ungleich abweichender, wenn auch noch in Vollzähligkeit vorhanden, sind die saugenden Mundtheile der Ame'idcu. Bei der als Pmniza be- schriebenen weiblichen Form haben nach A. D o h r n ' s Darstellung die Mandibeln sowohl wie die beiden Maxillen die Form langgestreckter dünner Stilets. Erstere, welche des Tasters ganz entbehren, sind am Innenraude auf eine längere Strecke hin gezähnt, die Maxillen des ersten Paares einfach säbelförmig, die des zweiten (Taf. XV, Fig. 5, inx) nur dicht vor der Spitze am Innenrande gezähnt. Die gleichfalls verschmälerten und langstreckigen Kieferfüsse (Taf. XV, Fig. 5, ^j»() haben an der Ausseu- seite der linearen Lade nur einen eingliederigen , schmal lanzettlichen Taster zu sitzen und die dem Kopftheil bei seiner Verschmelzung mit dem ersten Mittelleibssegmente zugewiesenen Kieferfüsse des zweiten Paares zeigen das Endglied ihres tasterartigen Abschnittes in einen kräf- tigen, stark gekrümmten Haken, zum Einsehlagen in die Unterlage, um- gewandelt (Taf. XV, Fig. 5, p^). Abermals verschieden und durch den Mangel des einen der beiden Maxilleupaare bemerkenswcrth sind die gleichfalls saugenden Mundtheile der Aidhuridn). Auf die aus einer grossen, nach vorn spitz zulaufenden Platte und einem viergliederigen Taster bestehenden Mandibeln folgt zu- nächst eine lang vierzipflige unpaare „Unterlippe", welche für ein ver- 28 liopoJa. wachsenes Maxillenpaar (mit Do hm) in Anspruch zu nehmen, gewiss iiein Grund vorliegt, sodann ein einzelnes Paar lauger und dünner, griiten- i'ormiger Maxillen. Die den Saugapparat nach hinten und unten ab- schliessenden Kieferfüsse bestehen aus einem grossen, rechtwinklig drei- eckigen Basal- und zwei freien, schmalen tasterartigen Endgliedern. Die rudimentärste Bildung endlich zeigen die saugenden Mundtheile der oft bis zu einer auffallenden Asymmetrie oder gänzlichen Deformation des Körpers herabsinkenden i)'ü^;yi«?c», so dass Rathke ihnen die Mund- werkzeuge sogar bis auf „eine die Muudöffuung verschliessende grosse Unterlippe" ganz absprach. Spätere Untersuchungen haben ergeben, dass auch hier auf die den Mund von vorn her begrenzende Oberlippe ein Paar kleiner, der Taster entbehrender, in eine löffelförmige Spitze aus- laufender Mandibeln, ein Paar kurzer, dreieckiger, in der Mittellinie mit einander verwachsener Maxillen (?) und drittens ein Paar sehr grosser deckelförniiger, vorn zweizackiger Kieferfüsse (eben jene „Unterlippe" Rathke's) folgen. Ob solche rudimentäre Mundtheile nicht auch denjenigen Bojii/riden-Fovmen, welchen sie {Cnjptumscus, Jlcniioniscus u. A.) bisher ab- gesprochen worden sind, zukommen, müssen fernere Untersuchungen lehren. c) G-liedmassen des Mittelleibs. Die den sieben Segmenten des zweiten Körperabschnittes {Porion) entsprechenden Gliedmassen sind, wenn sie sich im Allgemeinen auch ziemlich scharf von den Mundgliedmassen absetzen und sich daher diesen gegenüber leicht als eigene Gruppe zu erkennen geben, doch keineswegs durchweg, ja nicht einmal der Mehrzahl der Fälle nach so übereinstim- mend unter einander gebildet, als der für die gegenwärtige Ordnung gewählte Name Iso^mla es vermuthen lassen könnte. Vielmehr beschränkt sich diese der Hauptsache nach gleiche Bildung einerseits auf die mit Waudelbeiuen versehenen Formen , als welche besonders die Onisclden und Sphueronnden bezeichnet werden können, andererseits auf gewisse Gruppen der sesshaften Isopodm {Cijinotlioiden und Bopyridcn), bei welchen diese sämmtlichen sieben Gliedmassenpaare die Form von Klammerorganen angenommen haben. Alle übrigen Isojwden könnten nach der nicht tibereinstimnienden Bildung ihrer sieben Mittelleibs-Gliedmassenpaare mit grösserem Rechte Anisopoda (in einem von dem Dana 'sehen allerdings ganz verschiedenen Sinne) genannt werden, wobei freilich wieder sehr verschiedene Grade der Ungleichheit unter einer und derselben Bezeich- nung zusammengefasst würden. Zunächst macht sich ein solcher relativ noch geringer Unterschied in Grösse, Form und Richtung zwischen den drei vorderen Paaren einer- und den vier hinteren andererseits bei den Idothcidm (Taf. IV, Fig. 1 u. 2) und Acgidm (Taf VII, Fig. 10, 11, 12) bemerkbar, bei welchen er der verschiedenen Verwendung beider Extre- mitäten-Gruppen, der vorderen zum Fixiren, der hinteren zur Fortbewe- gung, genau entspricht. Schon beträchtlich auffallender ist der Form- Unterschied zwischen dem ersten, resp. den beiden vorderen Glied- massenpaaren allen folgenden gegenüber bei Janira (Taf III, Fig. 1), I h-oanisatioii. 29 Asellus und Scrolis (Taf. V, Fig. 4 a, j)' u. Fig 5 b), wo jene vorderen als Greifarme, die übrigen als Locomotoren fungiren. Endlich in aus- gesprochenster Weise ungleichwerthige Mitteileihsgliedmassen zeigen Formen wie 3lHnna (Taf. III, Fig. 3), Munnopsls (Taf. III, Fig. 4), ArdHru>< (Taf. V, Fig. 1, 2, 3) und Anams (Taf. XV, Fig. 1, 4, 5), bei welchen dieselben auffallender Weise theils von ähnlich gestalteten, theils von sehr verschieden geformten Körpersegmenten ihren Ursprung nehmen, während sie selbst bald zwei, bald sogar drei, auch ihrer Funktion nach heterogene Gruppen darstellen. Schon bei Älmina Wldteana macheu sich (nach der von Spence Bäte und West wo od gegebenen Abbildung: Taf. III,Fig. 3) und zwar im Gegensatz zu einer zweiten Art derselben Gattung {M.Kroyeri Goodsir), bei welcher wenigstens die sechs hinteren Beinpaare gleich gestaltet sind, drei solche Gruppen bemerkbar, indem das erste kurze Gliedmassenpaar ein Greiforgan darstellt, die drei folgenden sich aber von den drei hintersten durch beträchtliche Kürze ihrer sämmtlichen, sonst gleich gestalteten Glieder unterscheiden. Bei weitem den höchsten Grad von Ungleichwerthigkeit zeigt indessen die merkwürdige Gattung und Art Munnopsis typica Sars (Taf. III, Fig. 4), bei welcher die beiden ersten Gliedmassenpaare als verschieden kurze Greiforgane, die beiden folgenden als dünn fadenförmige und den Rumpf vielfach an Länge über- treffende Kletter('?)beine, die drei hintersten als sehr kurze, lamellöse Ruderorgane auftreten. Auch bei Ardurus (Taf. V, Fig. 2 n. 3) lassen sich drei verschiedene Formen unterscheiden, indem das vorderste Glied- massenpaar, wenn es sich auch in gleicher Weise wie die drei folgenden dem Munde zuwendet und als Hülfsorgan desselben zu fungiren scheint, von diesen durch sehr viel geringere Länge abweicht, während die drei hintersten die ganz verschiedene Form von derben Gangbeinen zeigen. Für die Anceiden ist eine andere Art der Ungleichwerthigkeit der Mittei- leihsgliedmassen bereits durch die Angabe, dass das vorderste Paar zu Kieferfüssen (Taf XV, Fig. 4 u. 5) umgewandelt ist, hervorgehoben worden. Ist hiernach die „gleichartige Bildung" der Mitteileihsgliedmassen bei den Isopodcn recht häufig einer ungleichartigen gewichen, so zeigt da- gegen die Zahl sieben eine fast ausnahmslose Constantheit. Nur bei den Anceiden hat die Verkümmerung des siebenten Mittelleibssegmentes (Taf XV, Fig. 1, vii), wie bereits oben erwähnt, ein völliges Eingehen des letzten Gliedmassenpaares im Gefolge. Ausserdem gehen zwar ge- wissen Bopyriden-¥ ovmen, wie Cryptoniscm, Entonlsms, Ifemioniscus und Verwandten während des durch den Parasitismus in auffallendster Weise deformirten Altersstadiums die sämmtlichen Mittelleibsgliedmassen ab ; dass hier jedoch der Mangel kein in der ursprünglichen Anlage begründeter ist, geht zur Genüge aus den Larvenzustäuden hervor, welchen die sieben Gliedmasseupaare in normaler Ausbildung zukommen (Taf IX, Fig. 3, 4, 5, X, Fig. 4, 6, 7, 15). Für die überwiegende Mehrzahl der hopoärn kann als charakteristisch einerseits der Ursprung der sieben Gliedmassenpaare des Mittelleibes 30 Isojioda. vom Rumpf, andererseits die von denselben eingehaltene Richtung gelten. Den vorwiegend der Quere nach entwickelten Leibesriugen entsprechend, entfernt sich der Ursprung der Gliedmassen weit von der Mittellinie und ist gegen die Seitenräuder der Sternalplatten hin verlegt, ja sogar dem unteren Umschlag der Dorsalplatten {Epimcra) übermittelt. Im Zusammen- hang mit diesem weiten Auseinanderrücken des Gliedmassenansatzes steht der ([uere Verlauf des ersten frei beweglichen, iu der Regel langstrecki- gen Gliedes iu der Richtung von aussen nach innen (Taf. II, Fig. 2, XIII, Fig. la, 3a), und hiermit wieder die entgegengesetzte Richtung, welche die darauffolgenden Glieder einschlagen. Bei dieser allen sieben Gliedmassenpaaren gemeinsamen Einrichtung besteht jedoch zwischen den drei vorderen einer- und den vier hinteren andererseits darin eine Ver- schiedenheit, dass die auf das nach innen gewandte erste folgenden Glieder sich an jenen schräg nach vorn, an diesen dagegen schräg nach hinten wenden, mithin eine Sondernng in zwei Gruppen hervorrufen (Taf. IV, Fig. 1, VI, Fig. 10, 16, VII, Fig. 1, 6, 10, 11, 12). Lässt nun dieses Verhalten unter den Isopodcn gleich eine so weite Verbreitung erkennen, dass man es sogar als einen Unterschied den Amplüpodcn gegenüber — bei welchen die vier vorderen Gliedmassen sich nach vorn, die drei letzten dagegen nach hinten wenden — hingestellt hat, so entbehrt es doch keineswegs der Ausnahmen. Bei Arcinrns (Taf. V, Fig. 3), Miinna und Munnopsis (Taf. III, Fig. 3 u. 4) tritt mit einer Verkürzung des ersten Beingliedes das umgekehrte, mit den Anqihipodcn übereinstimmende Verhalten ein, während dasselbe von der Hchmalheit der entsprechenden Leibesringe offenbar unabhängig ist. Bei den Antlmriden nämlich, welche in der linearen Form ihres Körpers die genannten Gattungen noch über- treffen, ist ebensowohl die Verlängerung des ersten Beingliedes, wie die den normalen Isopoden zukommende Richtung der Gliedmassen (drei nach vorn, vier nach hinten) eingehalten. Der wechselnden Form und Gruppirung der Mittelleibsgliedmassen entsprechen bei den hopoden bestimmte Verwendungen in der Oekonomie dieser Thiere; sie benutzen dieselben je nach ihrem Aufenthalt und ihren Bedürfnissen als Waudelbeine, Schwimm- oder Ruderbeine, Klammerhaken, Greifarme, Kieferfüsse u. s. w. Von allen diesen Formen sind die in ausgesprochenster Form bei den Landasseln (Onlsckku) auftretenden Waudelbeine (Taf. XIII) die am einfachsten gebildeten. An Länge wenig unter einander verschieden oder nur ganz allmählich iu der Richtung von vorn nach hinten zuneh- mend, haben sie im Ausehluss an das verlängerte Basalglied zunächst drei kürzere und breitere, sodann ein mehr lineares Glied aufzuweisen, welches gleich den beiden vorhergehenden unterhalb mit steifen, eine Sohle bildenden Borsten besetzt ist. Das kleine Endglied schärft sich iu eine einfache, spitze Klaue zu. Auch die Beine der Sphaeromidcn (Taf. VI) können im Allgemeinen noch als Wandelbeine bezeichnet werden, obwohl die Uebereinstimmung riru;anisation. 31 der sieben auf einander folgenden Paare nicht mehr l)ei allen hierher gehörigen Gattungen und Arten in gleichem Maasse aufrecht erhalten ist. Am meisten ist dies noch bei den Lint)ioria-, Dynanivnc- und manchen S2>hacro)Na-Avteu der Fall, während bei anderen Arten der letzten Gattung (S^iltacr. Pfideauxianwii), bei Nacsa und Cymodocca die drei vorderen Paare in mehr oder minder ausgesprochener Weise schon mehr die Form von Klammerbeinen annehmen. Auch kommen bei verschiedenen Splmcromhlni' Gattungen neben einlach zugespitzten Endklauen schon wiederholt solche vor, welche am Innenrande einen Zahn zeigen, während zwei selbst- ständige, neben einander entspringende Klauen an dem kurzen Endglied der Wandelbeiue mehrerer ylsf^^mc»- Gattungen {Janira, Jacra, Mnnna) vorhanden sind. Durch besondere Länge ausgezeichnet sind die auch in der Form etwas modificirten Wandelbeine von Scrolis (Taf. V, Fig. 4 a, pi — i'^"), welche wie bei Janira nur zu sechs Paaren auftreten und als solche auf ein einzelnes, zu Greifarmen umgestaltetes Extremitätenpaar folgen. Bei den Aegidvn zeigen nur die vier nach rückwärts gewendeten hintersten Beinpaare die Charaktere von AVandelbeinen. Schwimm- oder Ruderbeine treten in verschiedener Form und Zahl, stets aber in Gesellschaft von anders funktionirenden Mittelleibs- Gliedmassen auf; in allen Fällen bilden sie den Schluss der ganzen Reihe. Bei AscUits (Taf. II, Fig. 1, 2) zeichnen sich die als Ruder fun- girenden letzten Beinpaare durch stärkere Verlängerung und seitliche Compression ihrer drei Basalglieder in zunehmendem Maasse vor den vor- hergehenden aus, während bei Idothm (Taf. IV, Fig. 1, 2, 13) die vier hintersten Paare sich von den drei vorderen nicht nur durch bedeuten- dere Schlankheit unterscheiden, sondern sich auch durch die dichte und weiche Behaarung ihrer Innenseite leicht als Schwinimbeine zu erkennen geben. Als solche erweisen sich in noch ausgesprochenerem Maasse die drei letzten Paare der Gattung iI/H»«o^)s/s Sa rs: durch besondere Kürze (den vorangehenden gegenüber), durch lameUöse Verbreiterung und dichte Bewimperung ihrer einzelnen Glieder charakterisirt, weichen sie von an- deren Schwimmbeiuen besonders durch den Mangel des sechsten (Klauen-) Gliedes ab (Taf. III, Fig. 4 u. 1(3). Von besonders charakteristischer Form sind die in verschiedenen Fa- milien der Isopodcn auftretenden Klammerb eine. Im Verhältniss zu ihrer meist geringen Länge auffallend kräftig und gedrungen, zeichnen sie sich vor Allem durch die Grössenentwicklung und die starke, sichel- artige Krümmung ihres Klauengliedes aus. Treten sie zusammen mit Schreit- oder Schwimmbeinen auf, wie bei den Aetßdcn, Idotheiden (Taf. IV, Fig. 1 u. 2) und manchen Sphaemniden (Taf. VI, Fig. 10), so bilden sie stets den Anfang der ganzen Reihe und zeigen dann in der Regel noch einen geringeren Grad von Gedrungenheit. Letztere macht sich erst in voller Prägnanz bei den durch ihren Parasitismus an anderen Thieren völlig sesshaft gewordenen Jsojjocfcn-Familien der Cymothoidm (Taf. VIII, Fig. 2—6, 8-10, 12, 20, 24) und Bopyridni (Taf. IX, Fig. 1, 3, 7, X, 32 Isopoda. Fig. 2, 4, 7) geltend, bei welchen gleichzeitig alle sieben Paare von Mit- telleibs-Gliedmasseu die Form von Klammerorgaueu angenommen haben und entweder überhaupt keine oder nur relativ geringe Grössen- und Form- verschiedenheit unter einander darbieten. Eine merkwürdige Abweichung von diesem Verhalten zeigt bis jetzt nur die C>j»iot]ioi(kn-(}a,ttimg Artystonc Schioedte, bei welcher auf sechs Paare sehr vollkommen ausgebildeter Klanimerbeine (Taf. VIII, Fig. 15) ein einzelnes (siebentes) von gewöhn- lichen Gangbeinen folgt (Tai'. VIII, Fig. 16). Bei der Umwandlung zu Kieferfüssen, wie sie in vereinzelten Fällen das vorderste {Ancc'idcn) oder auch mehrere Paare (Ardums) der Mittelleibsgliedmassen eingehen, ist zwar stets ein näherer Anschluss an den Mund (der Richtung nach), nicht aber gleichzeitig das Aufgeben der ursprünglichen Beinform unter allen Umständen erforderlich: denn bei Anccus ist letztere mit Einschluss des hakenförmig gekrümmten Klauen- gliedes aufrechterhalten (Taf. XV, Fig. 4 u. 5). Dem gegenüber sind freilich bei Ardurus die vier dem Munde zugewandten vorderen Glied- massenpaare der Endklaue verlustig gegangen; das Endglied des ersten ist lamellen-, das der drei folgenden griffeiförmig geworden und der nach oben gerichtete Rand dieses sowohl wie der vorhergehenden Glieder hat eine Bekleidung mit langen und dichten Wimperhaaren erhalten (Taf. V, Fig. 2 und 3). d) Gliedmassen des Hinterleibs. Die Gliedmassen des hintersten Körperabschnittes CPIcopoilci) sind abgesehen von einigen Boj^yridni , bei welchen sie mitunter die sonder- barsten Gestaltungen annehmen, flächenhaft entwickelt, d. h. dünn, blatt- förmig; höchstens dass das letzte (sechste) Paar, welches zugleich mit seiner abweichenden Stellung überhaupt sehr häufig eine von den vorher- gehenden verschiedene Form annimmt, in manchen Fällen (Asellus, Janira, Munna, ]\Iuiuio];)Ai^, Lliinioria, Ligia, u. A.) griffeiförmig gestaltet erscheint. Mit Ausnahme dieses letzten Paares, welcbes in der Regel beiderseits vom Endsegment frei zu Tage tritt, sind die Ilinterleibsgliedmassen , ihrer ge- ringen Längsentwicklung und ihrer Form entsprechend, bei der Mehrzahl der Isopodvn zugleich vom Hinterleib, dessen unterer Fläche sie platt an- liegen, vollständig oder wenigstens dem grösseren Theile nach bedeckt. Doch kommen auch iu dieser Beziehung bei verschiedenen Bopyriäcn- Gattungen die auffallendsten Abweichungen vor. Die fünf vordersten Paare der Hinterleibsgliedmassen können ebensowohl von fast übereinstimmender Form und Grösse oder in beiden Beziehungen nur relativ wenig und unter allmählichen Uebergängen von einander verschieden sein , wie die auffallendsten Form - und Grössen- Unterschiede darbieten, ohne dass sich hierbei eine direkte Abhängigkeit von dem Verhalten der Hinterleibssegmente nachweisen liesse: denn über- einstimmend gebildete Gliedmassen können eben so wohl an getrennten, wie an verschmolzenen Hiuterleibssegmenten auftreten. Ersteres ist z. B. bei den Aqßden, Cymothoiden und Oniscidm, letzteres bei den Idothcidcn Organisation. 33 uud Sphaeromiilcn der Fall. Auffallend ungleich geformte Hinterleibs- gliedmassen der fünf vorderen Paare fallen allerdings, wie es scheint, stets mit theilweise verschmolzenen Hinterleibssegmenten zusammen (Asd- lini, Scrolis). Die ursprünglichste Form der Pcdcs spmil s. fissi, welche in einem uupaaren ßasalgliede und zwei am Endrande desselben neben einander entspringenden SpaUüstcn zu suchen ist, findet sich unter, den Isopoäen verhilltnissmässig selten und noch seltener an allen fünf vorderen Paaren der Hinterleibsgliedmassen gleichmässig erhalten vor. Letzteres ist z. B. bei der Gattung Amnts der Fall, bei welcher diese fünf Paare zugleich unter einander formell genau übereinstimmen (Taf. XV, Fig. 1) — ein Verhalten, welches um so bemerkenswerther ist, als es mit einer auffal- lend abnormen Disposition der Mittelleibsgliedmassen zusammentrifft. Auf eiue geringere Anzahl von Gliedmassenpaaren ist diese ursprüngliche Bil- dung beschränkt bei den Gattungen Llmnoria, Serolis, Munnopsis und Asdhts. Erstere beide Gattungen lassen dieselbe an den drei, Mnnnn- 2ms an den zwei vordersten Paaren erkennen, während bei der Gattung ÄsellHS nur das zweite Paar und zwar ausschliesslich beim Männchen die typische Form beibehalten hat. Eine um so weitere Ausbreitung zeigt unter den Isopoden diejenige Modification der Fcdes fissi, bei welcher die beiden Spaltäste nicht mehr neben, sondern übereinander liegend von dem Basalgliede entspringen, so dass also der eiue von dem anderen bedeckt wird. Ihre Ableitung aus der ursprünglichen Form wird durch allmähliche Uebergänge ver- mittelt, wie sie sich z. B. aus der Betrachtung der fünf vorderen Paare von Idothca cntomon (Taf. XIV, Fig. 1—5) ergeben. Hier nehmen die Spaltbeine vom ersten bis zum vierten Paare allmählich an Länge zu — das fünfte ist wieder etwas kürzer — während das uupaare Basalglied an Grössen- umfaug immer mehr schwindet, was am vierten und fünften Paare freiUch am meisten in die Augen fällt. An den drei ersten Paaren ist nun der Ursprung der beiden Spaltäste nebeneinander, entsprechend der Breite des Basalgliedes noch durchaus deutlich, wenn sich gleich auch bei ihnen schon der äussere Spaltast eine Strecke weit unter den Aussenrand des luuenastes hinunterschiebt: während dagegen an den beiden letzten Paaren, bei denen der Ursprung beider Spaltäste durch die geringe Grösse und besonders die Schmalheit des Basalgliedes fast in einen Punkt zusammen- fällt, der längere und durchscheinende äussere Spaltast sich ganz uud gar unter den kürzeren und milchig getrübten inneren legt, so dass bei der Betrachtung von der Bauchseite her der innere von dem äusseren gedeckt wird. Ganz ähnlich verhalten sich auch die fünf vorderen Hinter- leibsgliedmassenpaare von Spharroma scrraUiin (Taf. XIV, Fig. 7 — 11), nur dass hier an den drei ersten Paaren der innere Spaltast sich formell von dem äusseren noch weiter entfernt uud von letzterem, welcher kürzer, schmaler und am Eude breit abgestutzt ist, selbst bei ausgiebigster Ver- schiebung nie ganz bedeckt werden könnte: ein Verhältniss, welches sich r'.ionn, Klassen des Thiev-Reichs. V. 2, O 34 Isopoda. in modificirter Weise übrigens auch bei den beiden letzten Paaren wieder- holt. Die sich in diesen beiden (und anderen) Fällen Schritt für Schritt entwickelnde Verschiebung beider Spaltäste tritt nun bei einer grossen Anzahl anderer IsojJOfZcH- Gattungen als eine perfekt gewordene auf und zwar entweder wieder an allen fünf oder nur an einzelnen Gliedmassen- paareu. Ersteres ist der Fall bei den Cymothoiden {Änüocra, Ncrodla, C;p)iofhon: Taf. VIII, Fig. 25, 29, 30) und Aojklcn (Accia), bei welchen alle fünf Paare der Hauptsache nach gleich gestaltet sind und die kleinere innere Endlamelle von der grösseren und resistenteren äusseren von unten her bedeckt zeigen; letzteres an dem dritten bis fünften Paare von Ai^dhis (Taf. XIV, Fig. 15, Ui, 18) und der Oniscklen (Taf. XIV, Fig. 21 — 23), an dem vierten und fünften von Scrolis u. s. w. An einzelnen Paaren der Hiuterleibsgliedniassen kann ausnahmsweise auch der typische Charakter der Spaltl)eine ganz verloren gehen; ja selbst der gänzliche Ausfall eines solchen Paares kann eintreten. Für beide Fälle liefert die einheimische Wasserassel, AscUns aquaticus ein Beispiel. Bei dem Männchen derselben besteht das erste Paar der Pcdcs S2)iirii aus einem quadratischen und an seinem geradlinigen Innenrande mit Kamm- zähnen besetzten Basalgliede, an dessen äusserem Hinterwinkel nur eine einzelne, mit langgewimpertem Endrande versehene Lamelle ihren Ur- sprung nimmt (Taf. XIV, Fig. 13). Beim Weibchen dagegen ist dieses erste Paar überhaupt nur auf einzelnes, kurz ovales und am Hinterrand lang gewimpertes Blatt (Taf. XIV, Fig. 17) beschränkt, während ein zweites, d. h. ein dem zweiten Paare des Männchens entsprechendes überhaupt fehlt. Die Oiüscidcn lassen an ihren fünf vorderen Spaltbeinpaaren dreierlei verschiedene Abstufungen in der Ausbildung erkennen. Nur am dritten bis fünften sind sämmtliche iutegrirende Bestaudtheile des Pcs fissus nach- weisbar: ein kurzes, in der Querrichtung entwickeltes Basalglied und zwei Eudlamellen, von denen die kleine, weichhäutige innere durch die ungleich grössere äussere, welche ihr als solider Deckel dient, in situ verhüllt wird (Taf. XIV, Fig. 21 — 23). Das zweite Paar lässt dagegen bereits die innere Lamelle vermissen, zeigt dagegen neben der sehr ent- wickelten äusseren noch das Basalglied in deutlicher Ausbildung. Das vorderste Paar endlich (Taf. XIV, Fig. 19) reducirt sich — in ähnlicher Weise wie bei dem weiblichen AscUus w^uaticns — auf eine einzelne Platte, von welcher sich übrigens durch den Vergleich mit den folgenden Paaren feststellen lässt, dass sie den äusseren Spaltast repräsentirt; es ist mithin hier ausser der Innenlamelle auch das unpaare Basalglied ge- schwunden oder nur im Rudiment (h) vorhanden. Sehr eigenthümlich scheint auch nach der von M. Sars gegebenen Darstellung das erste Paar der Pcdes spiirii bei Mimnupsis fyinca, welches er offenbar unter der Bezeichnung „Opercidum nMominale" beschreibt und abbildet, gestaltet zu sein. Beim Weibchen stellt dasselbe, vermuthlich durch mediane Verschmelzung, eine unpaare kahnförmige, längs der Organisation. 35 Mittellinie gekielte Platte dar, an welcher keinerlei Gliederung zu erkennen ist und welche den folgenden , zweiästigen Paaren als deckende Hülle dient. Beim Männchen sind es verniuthlicli die als „Scgmcnta lateralia opcrcidl" bezeichneten Theile, welche die (hier getrennt gebliebenen) Pcdrs sjjiirü des ersten Paares repräsentiren und welche an ihrer Innenfläche einen eigenthümlichen, durch Muskelbündel beweglichen Anhang, dessen dem In- uenrande der Platten zugewandter Theil einen langen fadenförmigen Anhang iu der Richtung nach hinten aussendet, entspringen lassen (Taf.III,Fig. 19). Die bisher zur Sprache gebrachten fünf vorderen Spaltbeiupaare des /.so;)0(?f)?- Hinterleibes lassen in ihrer Gesammtanlage eine unverkennbare Aehnlichkeit mit den Pedcs fissi der Copepodcn und zwar ganz beson- ders mit denjenigen der parasitisch lebenden , deren Spaltäste gleichfalls lamellös gebildet sind, erkennen, so dass eine Invergleichstellung beider sich ganz von selbst aufdrängt. Zunächst scheint zwar ein recht augen- fälliger Unterschied zwischen beiden darin zu bestehen, dass die Spaltäste bei den Cojiepoäcn mehrgliedrig, bei den Isopodcn dagegen ungegliedert sind: ein näheres Eingehen auf einzelne, von beiden Seiten ausgehende Annäherungen ergiebt indessen, dass ein solcher Unterschied kaum existirt oder sich nur als ein ganz relativer und unbedeutender herausstellt. Der Häufigkeit nach würde allerdings die Dreigliedrigkeit der Spaltäste bei den Copcpodeu. als das ursprüngliche oder reguläre Verhalten anzusehen sein; doch fehlt es andererseits unter ihnen keineswegs an Gattungen, bei welchen (Bd. I. Taf. VHI, Fig. 14, 15. Taf. IX, Fig. 9 b, c) die Zahl dieser Glieder entweder am Innenast allein oder an beiden Aesten auf zwei redueirt wird, ja sogar nicht an solchen , bei welchen der luuenast die Gliederung ganz aufgiebt, während der äussere noch deutlich zwei- gliedrig verbleibt. Diese letztere Modifikation ist es nun aber gerade, welche, wenn auch in verschiedenen Graden der Prägnanz, an den Spalt- beinen der Isopodm gar nicht selten ist oder wenigstens von denselben deutlich angestrebt wird. Einen "völlig zweigliedrigen Aussenast zeigt das zweite Paar der Fcdcs spiini bei dem männlichen Ascihis aquatkiis (Taf. XIV, Fig. 14, e), welcher sich durch diese Bildung um so mehr aus- zeichnet, als dem Weibchen au entsprechender Stelle Gliedmassen über- haupt fehlen. Dem gegenüber lässt an dem dritten Gliedmassenpaar derselben Gattung bei beiden Geschlechtern in übereinstimmender Weise die in situ nach abwärts gerichtete Aussenlamelle eine schräg ver- laufende Quernaht erkennen, unter welcher die grössere, mehr quadratische Hiuterhälfte an der kleineren, aussen gerundeten vorderen eine Art von Beweglichkeit zeigt (Taf. XIV, Fig. 15 u. 18, r). Am vierten Paare fehlt zwar diese Naht, doch ist an der entsprechenden Stelle des Aussenrandes eine deutliche Einkerbung wahrnehmbar (welche am fünften Paar aller- dings auch ihrerseits versehwunden ist). Bei der Gattung Scfolti^ findet sich eine schräge, durchgehende Naht, ganz entsprechend derjenigen des dritten Gliedmassenpaares von Asellus, an der unterhalb gelegenen Aussen- lamelle des vierten Paares, während an derjenigen des fünften nur 3* 36 läopotla. vom Aussenraud her der Aufaug zu einer solchen sichtbar ist (Taf.XXI,Fig.4,5). Bei der Gattung Acjia zeigt die Aussenlanielle der beiden ersten Pcdcs sjmrii keine merliliche Eiuiierbung, eine um so deutlichere dagegen diejenige des dritten bis iünlteu Paares; dieselbe entspricht etwa der Mitte der Länge und setzt sich nach innen in eine dem dritten Theil der Breite gleich- kommende feine, aber tiefe Furche fort. Bei Sphaeroma serratum fehlt der Aussenlamelle des ersten bis dritten öpaltbeinpaares (Taf. XIV, Fig. 7, 8, 9, c) jede Andeutung einer Theiluug ; dagegen ist dieselbe durch eine die ganze Breite durchsetzende Furche, welche von einer tiefen Ein- kerbung des Aussenraudes ausgeht und ein kleineres Apicalfeld von einem sehr viel grosseren basalen abgrenzt, au dem vierten und fünften Paare (Taf. XIV, Fig. 10, 11, e) sehr deutlich zum Ausdruck gelangt. Bei An- tJmra (jracllis fehlt der grossen Aussenlanielle des ersten Spaltbeinpaares (Taf. XIV, Fig. 29, c) jede Andeutung einer Theiluug, während sie an der ungleich kleineren der folgenden Paare theils durch eine Querlinie (Fig. 27, e), theils durch eine Einkerbung des Bandes (Fig. 28, c) ange- deutet ist. Bei Jdofhca riitoniO)i endlich fällt im Gegensatz zu den beiden vordersten Gliedmassenpaaren au der Aussenlamelle des dritten bis fünften eine sehr deutliche Einkerbung des Innen- wie des Aussenraudes auf, welche, durch eine Linie mit einander verbunden gedacht, gleichfalls eine Zweitheilung des äusseren Spaltastes ergeben würde (Tat. XIV, Fig. 3, 4, 5, e). Unzweifelhaft werden weiter ausgedehnte Untersuchungen die Zahl der hier erwähnten Fälle noch beträchtlich vermehren. Unter allen Umständen bekunden schon die vorstehend aufgeführten die an den Iso- j90cZe«-Spaltbeineu hervortretende Tendenz, den Aussenast eine Gliederung eingehen zu lassen, während der innere eine solche stets vermissen lässt, zur Genüge. Ob diese Gliederung als eine bei den Isopodcn erst begin- nende oder im Vergleich mit derjenigen der CojjejJOffe» - Spaltbeine als eine in allmählichem Verschwinden begriffene anzusehen ist, mag dahin- gestellt bleiben. Ist somit für eine an dem Aussenast der isopo&w-Spaltbeine wieder- holt auftretende Formeigenthümlichkeit eine befriedigende morphologische Erklärung gewonnen, so findet seine dem Innenast gegenüber modificirte Lage ebenso leicht eine physiologische. In allen Fällen, wo der Inneu- ast über dem Aussenast gelegen ist, also nach unten durch denselben eine Deckung erfährt, fungirt er bei den Isopodcu als Respirations- organ (Kieme) und zeigt dann jenem gegenüber eine ungleich zartere Textur. Dieser Kieme dient dann der ungleich resistentere Aussenast als Schutzdeckel {Ojxrcuhou) und als solcher nimmt er eine um so festere Be- schaffenheit an, wenn er, wie an dem dritten Gliedmassenpaar von Asellus oder an dem vierten von Serolis, nicht durch anderweitige Vorrichtungen geschützt ist, sondern seinerseits frei zu Tage liegt. Ist dagegen, wie bei Mothca und A)xtunts, das sechste Gliedmassenpaar zu einem alle vorher- gehenden nach aussen abschliessendem, festen Deckel umgestaltet, so er- scheint der Aussenast der fünf vorderen Paare kaum von festerem Gefüge, (JrgaiusatioM. 37 wenngleich immer nocli von anderem Auselien als der Iimenast. Bei Sphacrunia, welcher Gattung ein solcher Schlussdeckcl fehlt, ist dies i'reilich au den drei vorderen Gliedmassenpaaren in entsprechender Weise der Fall ; bei der Einkugelungsfähigkeit des Körpers und der muldenförmigen unteren Aushöhlung des Postabdomen mag hier jedoch ein hinreichender Schutz für die Kiemen vorhanden sein. Eine fernere specifiscb physiologische Verwendung findet wenigstens eines der fünf vorderen Spaltbeinpaare der Isopodcn, nämlich das zweite bei der Fortpflanzung. Die Folge davon ist eine eigenthümliche Umge- staltung des Innenastes bei den männlichen Individuen oder bei solchen, welche Ovarien und Hoden zeitweise in sich vereinigen. Bei diesen trennt sich nämlich vom Innenrande des inneren Spaltastes, und zwar gleichviel ob dieser als Kieme fungirt oder nicht, ein mehr oder weniger langer und dünner Griffelfortsatz, welcher wenigstens in manchen Fällen {Spltue- roma) rinnenartig ausgehöhlt erscheint, los, um als Hülfsorgan bei der Be- gattung verwendet zu werden. Während derselbe in der Regel {Scrolis: Taf. V, Fig. 8, sf, Oniscus, Porcdlio: Taf. XIV, Fig. 20, x, Lkjklium: Taf. XIII, Fig. 15, x,'Sphaeroma: Taf. XIV, Fig. 8 x, Idothea: Taf. I, Fig. 13 u. A.) direkt die Richtung nach hinten einschlägt und sich dem- jenigen der anderen Seite in der Mittellinie des Bauches dicht anlegt, wendet er sich bei Asdlus, wo er relativ kurz und kräftig erscheint, unter leichter Krümmung schräg nach innen und vorn (Taf. XIV, Fig. 14, X). Eine gesonderte Betrachtung erfordert das sich den fünf vorher- gehenden Spaltbein-Paaren zwar nicht durchweg formell, stets aber der Funktion und mit wenigen Ausnahmen auch der Lage nach scharf gegen- überstellende sechste. Nur bei den Idofheideii {fdofhru, Ärditnis) und bei der Gattung Tijlos Latr. die ventrale Lage der übrigen beibehaltend, vertauscht es dieselbe sonst mit einer lateralen oder in vereinzelten Fällen {A»:Uiis, Janira, Jaera u. A.) selbst mit einer terminalen, welche letztere allerdings nur eine scheinbare und dadurch hervorgerufen ist, dass ausser den beiden letzten Abdominalringen sich noch mehrere der vorhergehen- den zu einem gemeinsamen Schwanzschilde vereinigen. Bei der in den meisten Fällen vorhandenen Beschränkung des Telson auf das sechste und siebente Abdominalsegment tritt das sechste Paar der Pedcs spurii nahe der Basis desselben beiderseits frei hervor und gewinnt dadurch das Ansehen einer mehr dorsalen Stellung. Auch an diesem letzten Paar ist die typische Bildung der Pcdrs spnrii häufig genug völlig intakt geblieben, d. h. die beiden Spaltäste sind neben einander am Endrande des unpaaren Basalgliedes beweglich ein- gelenkt. Es kann sich dabei das Basalglied dem Tdson dadurch enger anfügen, dass es nicht cpier abgestutzt, sondern an der Innenseite lang ausgezogen ist, wie in den Familien der Serolidcn, Acgiden und Cymo- thoklcii] oder es kann sich auch von demselben frei abheben, wie bei manchen Asellineu {Asdlus, Janim, Jcwm Nordmanni) und Oniscklen gg IsoiJoda. (Ligia, Philoscia ii. A.). Nicht uiiuder hiiulig als dieses uoriiiale Verlialten ist jedoch auch ein nach verschiedeueu Richtuugen hiu abweichendes. So kann zunächst unter Aufiechterhaltuug sämnitlicher integrireuder Be- standtheile eine Verschmelzung des einen der beiden Spaltäste mit dem Basalgliede eintreten. Es ist dies eine in der Familie der Spluicfoiinden viellach wiederkehrende Erscheinung und zwar in der Weise, dass bald (Cymodocea: Taf. VI, Fig. 13, Nmsa: Taf. VI, Fig. 11, Sphae- roma: Taf. VI, Fig. 14, Cassidina: Taf. VI, Fig. 12, Aiiii)horuidt's) der innere, bald (Limnoria: Taf. VI, Fig. 17 u. 17 f) der äussere Spaltast mit dem Basalgliede eine feste Vereinigung eingeht. Die ursprüngliche Trennung, welche u. A. bei Dynwnaic aufrecht erhalten ist, erscheint dann häufig noch durch eine Naht oder Einfurchung angedeutet. Die hierauf zunächst folgende Abweichung besteht in dem Verkümmern oder gänzlichen Schwinden des einen der beiden Spaltäste. Eine Verkümme- rung des inneren Spaltastes bis auf ein ganz kleines, lanzettliches, unter dem äusseren verborgen liegendes Blättchen ist bei Jduthm (cnfunion Liu.) mit einer enormen Vergrösseruug des unpaaren Basalgliedes, welches die Form einer gewölbten Flügelthür annimmt, verbunden (Taf. XIV, Fig. 6). Da der äussere Spaltast (c), welcher im Vergleich mit dem Basalglied auch nur eine geringe Grösse (etwa nur ein Viertheil seiner Länge) zeigt, an seiner Basis genau so breit wie der Hinterraud jenes ist, muss der innere (i) hier eine gleiche Verschiebung in eine zweite Ebene erfahren, wie es bei der als Kieme fungirendeu Innenlade der vorhergehenden Spaltbeiu- paare der Fall ist. Unter den durch das völlige Schwinden charakteri- sirtcn Sphaeromidcn-Giattimgen stimmen Munolistra (Taf. VI, Fig. 1) und Canipccopca (Taf. VI, Fig. 10) dadurch überein, dass der übrig gebliebene Spaltast mit dem kurzen Basalgliede in derselben Flucht liegt, so dass sich nicht mit Sicherheit entscheiden lässt, ob der innere oder äussere eingegangen ist, während bei Änciiiiis die Art der Einlenkung deutlich darauf hinweist, dass der allein erhalten gebliebene dem äusseren ent- spricht. Unter den ÄselUncn ist diese Modifikation des sechsten Spaltbein- paares durch die Gattimg Slimiiojisis vertreten, bei welcher nach M. Sars auf ein griffeiförmiges Basalglied ein einzelnes borstenförniiges Endglied folgt (Taf. III, Fig. 5, p''). Aber auch diese Umgestaltung kann noch eine weitere Eeduktion dadurch erfahren, dass der allein übrig gebliebene Spaltast zugleich mit einer auffallenden Verkleinerung eine feste Verbin- dung mit dem Basalglied, von dem er nur noch durch eine Naht getrennt erscheint, eingeht, wie es an dem zu einem zweiklappigen Deckel um- gestalteten sechsten Spaltbeinpaar von Tylos der Fall ist. Endlich kann eine Gliederung völlig fehlen und das sechste Paar der Pedes spurü in Folge dessen in Form sehr unscheinbarer kleiner Stummel (wie bei Lr2d- aspidia und Jacra alhifrons) auftreten. Auf der anderen Seite kann dieses sechste Paar aber auch in ähn- licher Weise, wie es von den fünf vorhergehenden erwähnt worden ist, eine progressive Entwicklung in der Weise zeigen, dass der äussere i.Irguiiisaüüi]. 39 Spaltast eine Tlieiluuj;- iu zwei .selbststäudige Glieder eingeht. Weuigstcus scheint nur diese AuDahme eine Erklärung für die eigenthünüiche Bildung zu geben, welche an den hintersten Spaltbeincn mehrerer Ouiscklcn- Gattungeu {Oniscus, ForcvUlo, FlaUjarthrus, Aniudlillidiuiii u. A.) hervortritt. Die beiden Spaltäste erscheinen hier nicht nur von sehr verschiedener Form, indem der äussere breit, lamellös, der innere dagegen schmal und grififellormig ist, sondern auch zugleich iu einem sehr abweichenden Lageruugsverhältüiss zu den benachbarten Kumpfsegmeuten : Der äussere, beiderseits vom Telson freiliegende, füllt die zwischen diesem und dem fünften Hinterleibssegment verbleibende Lücke aus; der innere dagegen ist von oben her überhaupt nicht sichtbar, sondern legt sich der unteren Fläche des Telson an. Gegen die nach der Analogie sich zunächst dar- bietende Auffassung, dass der äussere Spaltast auch hier nur eingliedrig sei, spricht nun sehr wesentlich der Umstand, dass derselbe dann an der Spitze des Basalgliedes, der griftelförmige Innenast dagegen an der äusser- sten Basis jenes artikuliren würde {ForcclUo: Taf. XIV, Fig. 24). Bei näherer Betrachtung dieses sogenannten Basalgliedes ergiebt sich aber leicht, dass es oifeubar aus der Verschmelzung zweier ursprünglicher Glieder hervorgegangen ist, deren Grenze der Einlenkungsstelle des griffei- förmigen Innenastes genau entspricht. Das reguläre Verhalten der Spalt- äste zu dem unpaaren Basalglied wird für die genannten Oniscidcn- Gattungen also wieder hergestellt, wenn man den Aussenast als zwei- gliedrig mit der Modifikation ansieht, dass sein -erstes Glied eine feste Verbindung mit dem unpaaren Basalglied des Vcs fissas eingegangen ist. — Dass übrigens der Aussenast dieses sechsten Spaltbeinpaares aucli bei freier Einlenkung am Basalgliede eine deutliche Auflösung in zwei be- sondere Glieder eingehen kann, erweist die Gattung Anthura zur Genüge. Bei dieser zeigt sich nämlich (Taf. XIV, Fig. 26) im Anschluss an ein kleines Basalglied {h) ein grosser, fast ovaler Innen- (i) und ein noch längerer, aber beträchtlich schmalerer Aussenast ((■), dessen Euddrittheil ein besonderes, schief abgestutztes und gewimpertes Glied darstellt. Diese beiden Spaltäste legen sich zugleich iu sehr eigenthümlicher Weise dem Endsegmeut des Postabdomen an, indem (Taf. XIV, Fig. 25) der Innen- ast sich der Eückenfläche desselben seitlich autlegt, und zwar so, dass er an der Basis den entsprechenden der anderen Seite zu einem kleinen Theile bedeckt, während dagegen der Aussenast sich jederseits unter die Ventralseite herunterschiebt, um dieselbe nach hinten beträchtlich zu überragen. Mit der nach Familien und Gattungen vielfach wechselnden Grösse, Form und Lage des letzten Spaltbeinpaares geht selbstverständlich auch eine verschiedene Verwendung desselben Hand in Hand. Eine mehr dorsale Einfügung desselben zu beiden Seiten des Tdsun in Verbindung mit einer ansehnlichen Längsentwicklung und einer lamellösen Verbrei- terung seiner Spaltäste, wie sie bei den Anthuriden, Anceiden, Cymothol- den, Aegiden und den meisten Splioeronüden zu Tage tritt, wird mit ^Q IsopoJa. Sicliciheit auf seine Funktiou als Riulerorgau beim Schwimmen schliessen lassen. Indem sieb die beiden Eudlamellen jederseits dem Tclson seitlich anfügen, stellen sie in Gemeinschaft mit diesem eine ganz ähnliche filnf- theilige Schwanzflosse dar, wie sie die Mucrurcn unter den Dccapoclni charakterisirt. Bei dem Schwinden der einen Endlamelle (Andniis, Mo- nolistra, Campecopea) dürfte diese Funktiou kaum wesentlich beeinträch- tigt sein, da sich bei den genannten Gattungen die übriggebliebene als besonders lang und schaufelformig darstellt, auch eines engen Anschlusses an das Telson keineswegs entbehrt. Ungleich schwieriger ist die Verwendung des je nach den einzelnen Gattungen in grösster Formverschiedeuheit auftretenden letzten Spaltbeiu- paares bei den Onisciden und Asdlinen zu beurtheilen. Da dasselbe bei den mit einem vollständigen Einkugeluugsvermögen versehenen Gattungen Armadillo, ArmadiUkl'mm (Taf. XIII, Fig. 3 a, 3 d) Sphatroniacm (Tai'. XIII, Fig. 5 u. 5d) u. A. die zwischen den Epimeren des fünften Hinterleibs- segmentes und dem abgestumpft dreieckigen Tclson bestehende Lücke durch seinen breiten Aussenast ausfüllt, und da ferner das Endglied des letzteren in ganz übereinstimmender Weise mit dem Aussenrand der drei ihm vorangehenden Hinterleibssegmente quer, d. h. rechtwinkelig abge- stutzt erscheint, so liegt die Annahme nahe, dass es hier keinem andern Zweck als die ihm beuach])arten Leibesringe dient, nämlich einen völligen Abschluss des sich einkugelnden Körpers nach Aussen zu bewirken. Eine wesentlich andere Bestimmung rauss es dagegen bei den Gattungen Ouiscus (Taf, XIII, Fig. 2 u. 2 b), J'orcdüo (Taf. XIII, Fig. 1 u. Ic), Flatijarthms und Verwandten haben, da bei ihnen das lanzettlich zugespitzte Endglied des Aussenastes ebensowohl die zahnförniig vorspringenden Epimeren des dritten bis fünften lliuterleibsringes wie die Spitze des scharf dreieckig oder selbst dolchförmig ausgezogenen Telson beträchtlich überragt, in dem zwischen beiden freibleibenden Ausschnitt aber gleichzeitig einen deut- lichen Spielraum besitzt. Ob es diesen Gattungen als Stemmapparat beim Klettern oder zum Umwenden des Körpers aus der Kücken- in die Bauch- lage dient, mag dahin gestellt bleiben; zum Mindesten dürfte es sich nach seiner Form und der Art seiner Einlenkung hierzu noch am meisten eignen. Auch bei den Gattungen Philoscia und Philotigria, deren Hinter- leibsspitze es noch in viel stärkerem Maasse überragt und wo es noch eine beträchtlich freiere Einlenkung erkennen lässt, könnte es sehr wohl diesem Zweck dienen, während dies für Ligidium und Ligia mindestens zweifelbaft ist. Bei ersterer Gattung (Taf. XIII, Fig. 16) zeichnet sich das länglich viereckige Basalgiied durch eine fingerförmige Verlängerung seines Innenrandes aus, während an der Spitze seines Aussenrandes ein beweglicher Dorn entspringt. Von den beiden griffeiförmigen Spaltästen ist der äussere länger, kräftiger und an den Rändern gedörnelt, der kürzere und dünnere innere dagegen mit zwei langen Endborsten besetzt. Sehr beträchtlichen Form- und Längsverschiedenheiten ist dieses letzte Spaltbeinpaar bei den einzelnen Ligla-Arten unterworfen : bei Ligia occanica I l]'i;aiiis;itiuM. ^]^ z. B. kaum der Hiiiterlcibslänge gleicbkouinieud und aus eineui breiten Basalglied, an weiclicni zwei griftelfürmigc Spaltäste entspringen, bestehend (Taf. XIII, Fig. 10), zeigt es bei Li(jiii Italica ein sehr langgestrecktes, lineares und leicht nach aussen gekrümmtes Basalglied und als Repräsen- tanten der Spaltäste zwei äusserst lange Borsten, von denen die innere gegen die Basis hin stärker verdickt erscheint und etwa -75 der gesammten Körperlänge gleichkommt (Taf. XIII, Fig. 11). Unter den AscUhmi zeigen die Gattungen Janim (Tat'. III, Fig. 1) und ÄscUus (Taf. II, Fig. 1 u. 2) durch die schlanke Griflfelform des letzten Spaltbeinpaares die meiste Aehnlichkeit mit Ligki oceanica. Die eigentbümlichste Form und Verwendung erhält das sechste Bein- paar des Hinterleibs bei den Lhthcklai. Die fünf vorhergehenden Paare an Länge sowohl wie an Breite sehr bedeutend übertreffend, erstreckt es sich in der Richtung nach vorn weit über die Basis des ersten, nach hinten ebenso weit über den Eudrand des fünften hinaus, während es dem gesammten Hinterleib an Länge gleichkommt. Vorn im stumpfen Bogen abgerundet, nach hinten in entsprechender Weise wie das Tchon verjüngt und zugespitzt, hier abgeflacht, dort ansehnlich gewölbt, in der Mittellinie mit dem der anderen Seite unter einer geraden Naht zusam- meustossend, stellen diese Spaltbeine des sechsten Paares zwei mächtige Laden dar, welche die Unterseite des Hinterleibes wie die Flügelthüren eines Schrankes verschlicssen und, am Aussenrand jenes beweglich ein- gelenkt, sich öffnen können (hlothm: Taf. IV, Fig. 12, ^j«, Ardurus: Taf. V, Fig. 3 b u. 3c, p"). Als Schutzdeckel für die an ihrer Oberseite gelegenen Kiemenfüsse dienend, mögen sie bei ihrem abwechselnden Auf- und Zuschlagen gleichzeitig die Schwimmbewegung fördern. C. Struktnr der Körperhaut. Die Chitinhaut der Jsopodcn er- scheint nur in seltenen Fällen von zarter, viel häufiger von derber, mehr lederartiger Consistenz , während sie endlich in einzelnen Familien und Gattungen einen ansehnlichen Grad von Härte und Brüchigkeit annimmt. Letzteres ist besonders bei den Oniscidcn, bei manchen SpliKiromtdm und Äsellinm, ferner auch bei der Gattung Serolis der Fall. Die Starrheit, welche der Hautpanzer der erstgenannten Formen angenommen hat, beruht auf einer grösseren oder geringeren Menge von Kalksalzen, welche sich in die Chitinsubstanz eingelagert haben und deren Anwesenheit bei der Behandlung mit Essigsäure leicht erkannt wird. Den bei weitem grössten Procentsatz an solchen anorganischen Substanzen besitzen die Onisciden, bei welchen die Anwendung von Essigsäure eine ebenso inten- sive wie andauernde Zersetzung des Kalks hervorruft; einen ungleich geringeren fand Leydig in der Haut von Asellus aqiudicus und Sj^hnc- roma serratum, bei welcher letzteren Form sie dünn, hell und glasartig brüchig erscheint. Dass eine auf die Gattung Serolis ausgedehnte Prüfung für das Hautskelet derselben gleichfalls Kalkeinlagerungen ergeben wird, kann bei der Sprödigkeit derselben, welche diejenige des Owisci&w-Pan- zers fast noch übertrifft, kaum zweifelhaft sein. Färbungen der Haut, 42 IsopoJa. wie sie theils ciutöuig und matt, theils (viele OnixidcH) lebiialter und gescheckt oder fleckig auitreteu, beruhen auf körnigeu Pigmenten, welche sich unterhalb der kalkl'ührenden Schicht oder — beim Mangel anorga- nischer Einlagerungen ■— unter der starreu Chitinlage in der als Matrix fungirenden, weichen Zellschicht vortiuden. Die als Cuticula zu bezeichnende .Schicht der Chitinhaut lässt theils {Asdlus) eine polygonale Felderung, welche bei manchen Oniscidoi das Ansehen von schuppenähulichen Wülsten {PorccUio: Taf. XXI, Fig. 12) an- nimmt, erkennen, theils (S^^liacronia) erscheint sie durchaus homogen. Ihre Durchsetzung von senkrechteuCanälen, welche sich nach ihrer verschiedenen Weite scharf in zwei Kategorien sondern, scheint bei den Isojwdcn ebenso allgemein, wie in der Haut der Insekten vorzukommen. Während die Flächen- ausmtiudung der feineren sich in Form dunkler Pünktchen darstellt, machen sich die weiteren, deren Querdurchmesser bei den Onisciden etwa 0,002 Lin. beträgt, durch ihr helles Ansehen und durch ihre ampuUeuartige Erweite- rung ander Basis eines ihnen entsprechenden Haargebildes leicht bemerkbar. Bei Sj'haeroma fand Leydig in der unter dieser Cuticula liegenden dünnen, verkalkten Schicht eigenthümliche Bildungen, welche den Knochenkörper- chen der Wirbelthiere auf ein Haar ähnelten. Eine nähere Untersuchung ergab, dass sie ihren Ursprung aus einer verkalkten epithelialen Zellenlage genommen hatten und sich nur als die übrig gebliebenen Lücken der in grösserer oder geringerer Ausdehnung verkalkten Zellen darstellten. Zu- gleich mit diesen Bildungen traf derselbe Forscher seltsame, nach der Fläche verästelte Hohlräume mit zahlreichen, blind endigenden Ausläufern, durch weite Abstände von einander getrennt, an. Die bei der Mehrzahl der hopodai wahrnehmbare Glätte der Haut- überfläche weicht in anderen Fällen einer mehr oder minder ausgeprägten Skulptur, welche seltener (die grösseren Idothcu-kxiQn) in Form grösserer, symmetrisch geordneter Wülste, häufiger {Onisciden, Cymodocea cnumjinata, Sphao'ODia najicanda, Arcturus longicornis , mehrere Scrolis-ÄxitTH. u. A.) in weitläufiger oder gedrängter stehenden, zuweilen in regelmässige Reihen geordneten Höckern auftritt. Unter den einheimischen Onisciden sind es besonders PoirelUo scahcr, dilatafus (Taf. XIII, Fig. 1) und xnctus, welche diese Höcker in grosser Anzahl und scharfer Ausprägung zeigen, während sie bei Onisciis )niirayiiis, PorevUio lacvis, spinifroits u. A. flacher und mehr zu Längsschwielen zusammenfliessend erscheinen. Diese schon in der Matrix des Hautpanzers deutlich hervortretenden Buckel werden in gleicher Weise wie die zwischen ihnen liegenden Vertiefungen von der schuppig gefelderten und von Porencanälen durchsetzten Cuticula überzogen, welche bei Porcellio scaher nach Leydig hier und da an Stelle einer solchen „Schuppe" eine ihr in Form und Grösse entsprechende Aushöhlung (Taf.XXI, Fig. 12, a) erkennen lässt. Bemerkenswerth ist auch, dass den zwischen den Schuppenfeldern hin und wieder hervortretenden Börstchen je zwei gegen einander convergirende Porencanäle entsprechen (Taf. XXI, Fig. 12, b). I irgauisatioii. 43 Eine UDgenieiue Maiiuii;faltigkeit in Anordnung- und Form lassen die Anliangsgebilde der Haut am Kuiupl'e sowolil wie besonders au den ver- schiedenen Kategorieen von Gliedmassen der Isopoden erkennen. Tlieil- weise und zwar in geringerer Anzahl treten dieselben in nähere Beziehungen mit specifischen Nerven -Endigungen und vermitteln dann aller Wahr- scheinlichkeit nach besondere Sinneswahrnehmungen (vgl. Sinnesorgane). Der überwiegenden Mehrzahl nach stehen sie otlenbar in engem Zu- sammenhang mit den allgemeineren Lebensbedingungen der betretKenden Thiere und besonders mit der speziellen Verwendung der Gliedmasseu zur Ortsbewegung, zum Anklammern, zur Nahrungsaufnahme, zur Respi- ration u. s. w. So sind z. B. besonders häufig an den Maxillen des zweiten Paares (Tat". II, Fig. 7, IV, Fig. 8, VI, Fig. 6 u. 14 a) die einzelneu Laden oder an den Mundgliedmassen überhaupt (Taf. XV, Fig. 6, 7, 8) die tasterartig gegliederten Theile mit dicht kammzahnartig aneinander ge- reihten und oft gefiederten Borsten besetzt, welche für die Zuführung fein zertheilter Nahruugsstofle zum Munde besonders geeignet sind. An Beinen, welche die Scbwimmbeweguug zu vermitteln bestimmt siud [Muii- Hopsis: Taf. III, Fig. 16) oder welche neben der Schwimmbewegung zu- gleich die Athmung vermitteln {SeroUs: Taf. V, Fig. 4c u. 8, Cijinodocea: Taf. VI, Fig. 13a, Linuioriu: Taf. VI, Fig. 17 e, hhthm: Taf. XIV, Fig. 1-3, Sphucronia: Taf. XIV, Fig. 7—9, Änthura: Taf. XIV, Fig. 29) werden diese gleichfalls sehr langen und dicht stehenden Borsten sich offenbar als sehr geeignet erweisen, die das Wasser peitschende Fläche zu vergrösseru. Die als Fang- oder Greifapparate verwendeten Extremi- täten {SeroUs: Tafel V, Fig. 5 b, c, 7 u. 9) werden diese Bestimmung um so vollkommener erfüllen, wenn ihr vorletztes Glied, gegen welches die Endklaue eingeschlagen wird, mit knopfartigen Vorsprüngen (Fig. 5b) oder mit langen Kammzähnen (Fig. 7 a u. 9 a) reihenweise besetzt ist u.s.w. Zu den bekanntesten Asseln, welche im Besitz solcher, einer spe- ciellen Verwendung dienenden Hautanhänge sind, gehören auch die Land- asseln, von denen besonders die Gattungen Oiüscus und Forcdlio mit Leichtigkeit und Sicherheit an senkrechten Wänden (Mauern, Flanken u.s.w.) hinaufklettern. Diejenigen Glieder ihrer Mittelleibsbeine, auf welchen diese Fähigkeit beruht, sind mit bUrstenartig aneinandergereihten Haut- gebilden von eigenthümlicher Form und mit besonderen, die einzelnen Arten charakterisirenden Unterschieden versehen. Die gemeinsame Bildung dieser sich senkrecht aus der Sohleufläche erhebenden Hautanhänge besteht darin, dass, während sie im Uebrigen die Form eines bald kürzeren, bald längeren Cylinders darbieten, ihre Spitze eine fingerartige Zerschlitzung ein- geht, zwischen den fingerartigen Zipfeln aber noch eine feine Borste hervor- treten lässt (Taf. XXII,Fig.8 — 10). Bei OwiscMS murarius sind diese Anhänge alle von gleicher Form und Länge, am Ende mit vier spitzen Zipfeln ver- sehen, bei Forcdlio pidus und armadilloides von ungleicher Länge, die kürzeren zwei- die längeren vierzipflig; bei einer anderen PorceWio-Art ist der basale cyliudrische Theil kurz, der terminale sehr gross, ange- 44 Isopoila. schwollen, fast tulpeut'önnig. L ey d i g hebt von diesen Gebilden hervor, dass sie nicht au allen Beinpaaren gleich entwickelt sind. Am dichtesten stehen sie am dritten nnd vierten Gliede der beiden vorderen Paare, sehr viel dünner an den folgenden; auch zeigen sie sich bei den männlichen Individuen stärker entwickelt als bei den Weibchen, so dass sie mög- licher Weise auch für die Fixirung bei der Begattung in Betracht kommen. 2. Nervensystem. A. Der centrale Nervenstrang der Jsopoden zeigt in der Zahl und Anordnung der Ganglien eine sehr genaue Anpassung au die Seg- mentirung des Mautskelets und sj)iegelt die Grössenverhältnisse der Körper- ringe der Hauptsache nach wieder. Bei normaler Ausbildung von sieben deutlich geschiedenen Mittelleibssegmenten, wie sie sich als die Kegel ergeben hat, finden sich sieben ihnen entsprechende Ganglienpaare von ansehnlicher und annähernd gleicher Grösse, welche durch fast gleich lange Comniissuren mit einander verbunden sind, während bei auffallenden Grösseuunterschieden und tlieilweiser Verschmelzung dieser Segmente unter sich oder mit dem Kopftheile {Anccidcn, Scrolis) entsprechende Ver- schmelzungen, Ungleichheiten und Dislokationen auch an diesen Ganglien hervortreten. In dem einen wie in dem anderen Falle gehen diesen Mittel- leibsganglien die beiden au der Bildung des Schlundringes betheiligten Gehirnganglien, von denen das hintere in den Darstellungen früherer Autoren zuweilen übersehen worden ist, voran, während der Schluss der ganzen Kette theiis durch kleinere, von einander deutlich getrennte Gang- lien , theiis durch eine aus der Verschmelzung solcher hervorgegangene ungegliederte Nervenmasse gebildet wird. Im Gegensatz zu den Mittel- leibsganglien steht dieser hinterste, dem Postabdomen entsprechende Abschnitt des Bauchmarkes nicht immer in nachweisbarer Abhängigkeit von der Zahl und dem Grössenverhältniss der ausgebildeten Hinterleibs- segmente. Unter den bis jetzt auf ihr Nervensystem untersuchten, mit einer normalen Körpersegnientirung versehenen Isopodcn lässt die Gattung Tdothca {cntomon Lin.) nach Rathke's Darstellung die gestreckteste Form und die regulärste Ausbildung (Taf. XX, Fig. 6) erkennen. Die in weitem Längenabstand von einander liegenden beiden Gehirnganglien, von denen das kleine (iaixjUon Inf mocsopluKjvunt der Aufmerksamkeit Rathke's entgangen ist, sind durch einen Schlundring («) mit einander verbunden, welcher die zwischen den beiden vordersten Mittelleibsganglien befindliche Commissur mindestens um die Hälfte an Länge üliertrifft. Vom zweiten Mittelleibsganglion an nehmen die Comniissuren an Längsausdehnuug be- trächtlich zn, vom sechsten an dagegen wieder merklich ab, doch zeigen auch die zwischen dem siebenten Mittelleibs- (;/ ') und dem ersten Hinter- leibsganglion (1) liegenden so wie diejenigen, welche die vier freien Hinter- leibsganglien (1 — 4) mit einander verbinden, noch immer eine «ehr an- Organisation. 45 sehnlicbe Längsontwicklung, welche selbst im hintersten Theil der ganzen Kette diejenige der Gcauglieu selbst etwa um das Dreifache iibertreft'eu. Im nächsten Anschluss hieran würde nach der Darstellung von Milne Edwards der Nervenstrang von Cymothoa (Taf. XX, Fig. 8) stehen. Die zwischen den gleich grossen Mittelleibsgauglieu liegenden Commissuren nehmen bis zum vierten etwas an Länge zu, während die folgenden bis zum siebenten sich fast gleich bleiben. Dagegen tritt im Gegensatz zu JdofJica an den Conunissuren der in der Sechszahl vorhandenen Hinter- leibsganglien plötzlich eine sehr auffallende Verkürzung ein, so dass letz- tere, wenn gleich noch scharf von einander geschieden, doch ganz dicht auf einander folgen. Auch die das letzte Mittelleibs- (g ') und das erste Hinterleibsganglien (1) verbindende Commissur kommt schon nur dem dritten Theil der Länge der vorangehenden gleich. Bei Ligidiwii Pi'rsooiil (Taf. XX, Fig. 7) verkürzen sich nach Lerc- boullet die Commissuren der Mittelleibsgauglien im Vergleich mit den beiden vorgenannten Gattungen schon merklich, während am Hiuterleibs- abschnitt des Nervenstranges noch fünf auf einander folgende Ganglien (1^5) getrennt bleiben. Eine solche Trennung der Hinterleibsganglien geht nun aber bei den Gattungen Aega, Äsdlus, PorccUio u. Onisms immer mehr verloren. Bei Aega fand Ratbke ,, nicht mehr besondere, neben ein- ander liegende Stränge und von einander geschiedene Ganglienpaare", sondern eine einzige, längliche und ziemlich dicke Nervenmasse, welche sich zwar nur durch die drei vorderen Ringel des Hinterleibs erstreckte, aber „deutlich fünf längliche, in einer Reihe aufeinander folgende An- schwellungen erkennen liess". In Form einer länglich dreieckigen, mit der abgestutzten Spitze nach hinten gewendeten Nervenmasse, welche sich dem siebenten Mittelleibsganglion direkt, d. h. ohne zwischenliegende Commissuren anschliesst und durch leichte seitliche Einkerbungen in drei sich allmählich verjüngende Abschnitte zerfällt, fand 0. Sars den Hinter- leibsabschnitt des Nervenstranges bei Asdlas uqnaticus (Taf. XX, Fig. l,ga). Bei PorccUio scaher (nach Leydig) und Oniscus murarms (nach Brandt und Lereboullet) endlich reducirt sich die gesammte dem Hinterleib zukommende centrale Nervenmasse auf einen sich vom siebenten Mittel- leibsganglion absetzenden, kurz ovalen Vorsprung {PorccUio: Taf. XX, Fig. 2, r/«), an welchem seitliche Einkerbungen oder sonstige Andeutungen einer Verschmelzung aus einzelnen Ganglien vollständig wegfallen. Das specielle Lagerungsverhältniss der einzelnen Theile des centralen Nervenstranges zu den Abschnitten des Hautskeletes ist bis jetzt nur von Brandt für Oniscus, von Leydig für PorccUio und von 0. Sars für AscUns durch Einzeichnung des erstereu in den Contour des letzteren in's Auge gefasst worden. Ein Vergleich der von letzteren beiden Autoren gegebenen exakteren Figuren lässt in dieser Beziehung nun nicht un- wesentliche Verschiedenheiten wahrnehmen. Während bei PorccUio das Ganglion infraocsophageum (Taf. XX, Fig. 2, gi) fast in die Mitte des ersten Mittelleibsringes fällt, entspricht es bei AsrUus (Taf. XX, Fig. 1, gi) 46 Isoporla. seiner Lage nach fast genau dem Hinterrande des Kopftheiles : und wäh- rend bei l'orccUio die sechs vorderen Mittelleibsganglien (Taf. XX, Fig. 2, g^ — (/') mit ihrem Ilinterrand auf denjenigen der entsprechenden Leibes- segmente treffen oder letzteren sogar noch ein wenig nach hinten über- ragen, sind sie bei Asvllns (Taf. XX, Fig. 1, ^w*;i-Gattungen in Betreff der Deutung seiner einzelnen Abschnitte verschiedene Meinungen hervorgerufen hat, liegt sehr nahe. Lereboullet, welcher alle vier Ganglien als dem Ge- hirn selbst angehörend betrachtet, redet demgemäss von „GamjUons su- perieurs et inferienrs". Leydig dagegen glaubt nur die beiden kleineren unteren Ganglien als eigentliche Gehirn-Hemisphären, die oberen und vor- deren dagegen als aussergewöhnlieh entwickelte und selbstständig gewor- dene Sehgauglien ansprechen zu müssen. Da Sehganglien an dem Gehirn der Arihropodni indessen stets als integrirende Tbeile des Ganglion stqyra- ovRophmjfum auftreten, so kann letzterer Ansicht kaum eine grössere ob- jective Berechtigung zuerkannt werden, zumal nach Leydig's eigener Angabe aus seinen „primären Hirnanschwellungen" seitlich gleichfalls Sinnesnerven, wenn auch in weniger direkter AVeise hervorgehen. Uebrigens lässt sich zur Zeit durchaus nicht übersehen, eine wie weite Verbreitung diese Auflösung des Ganglion suxiraoesophagnm in vier Einzelganglien unter den Isopoäm besitzt. Bei Asdlus aquaticas scheint sie nach O. Sars' Darstellung gleichfalls noch deutlich zum Ausdruck gelangt zu sein, doch hat es nach seiner Zeichnung (Taf. XX, Fig. 1, gs) fast den Anschein, als hätte dasjenige Paar, welches den Augennerven zum Ausgang dient, gerade die entgegengesetzte Lage als bei ForccUio, da die Fühlernerven aus zwei kleineren Anschwellungen hervorgehen, welche im vorderen Anschluss an die mit den Augen communicirenden zu liegen kommen. Das von Rathke bildlich dargestellte Nervensystem der Idotliea entomon ist gerade für das Ganglion supraoesophageum (Taf. XX, Fig. 6, gs) so unvollkommen ausgefallen, dass aus der Abbildung für Ent- Bvouii, Klassen ili:s Thiei-Hoichs. V. '. ^ 50 Tsopoda. Scheidung dieses Punktes absolut nichts zu entnehmen ist, während die anscheinend correkter ausgeführte Abbildung des Gehirnes von Aega (Taf. XX, Fig. 9) zwar ein ähnliches grosses, seitlich in die dicken Seh- nerven auslaufendes Ganglienpaar wie bei Porcellio, nicht aber ein klei- neres, dahinter und darunter liegendes erkennen lässt. Noch viel weniger lässt sich ein klares Bild aus der Beschreibung und Abbildung gewinnen, welche A. Dohrn von dem Gehirn der Änce'iden (Praniza) gegeben hat. Ausser den in der Mitte mit einander verbundenen „grossen Hemisphären" und den sich seitlich anschliessenden .Seliganglieu sollen zwischen beiden noch „mannigfache Lappen" an demselben vorhanden sein. B. Peripherisches Nervensj'Stem. Aus dem Gehirnganglion nehmen ausser den Augennerven (Taf. XX, Fig. 1,2, 3, 9, no), welche eine seitliche Eichtung einschlagen, jeder- seits zwei , nach vorn verlaufende Antennen - Nerven (tia) ihren Ur- sprung. Die bei den verschiedenen Untersuchern über dieselben herr- schenden Widersprüche scheinen mehr auf die Schwierigkeiten, diese FUhlernerven frei zu legen und in ihrem Verlaufe zu verfolgen, als auf wirklich vorhandene wesentliche Unterschiede in ihrem Ursprung hinzu- deuten. Bei Äscllus MjHaticus fand 0. Sars aus der vor den Sehgang- lien liegenden Gehirnmasse jederseits zwei, von Anfang an getrennte Fühlernerven (Taf. XX, Fig. 1, na) von ungleicher Länge und Dicke, der Verschiedenheit beider Fühlerpaare entsprechend, hervorgehen. Dagegen giebt Rathke für fdoflim sowohl wie für Acfia (Fig. 9, na) jederseits zunächst nur einen aus der betreffenden Gehirnhemisphäre hervorgehenden Nervenstamm an, welcher sich erst seinerseits zu einem dünnen inneren und stärkeren äusseren Ast für die kleinen oberen und grossen unteren Fühlhörner gabelt. (Lässt sich für Äcga dieses Verhalten nicht von vorn herein zurückweisen, so ist für Idothca zum mindesten die Angabe falsch, dass ein und derselbe vom Gehirn ausgehende Nerv sich erst nach län- gerem Verlauf in fünf divergirende Aeste für innere und äussere Fühler, Augen und Mundtheile spalten soll.) In ganz auffallender Weise ausein- andergehend sind die Angaben über den Urs])rung der Fühlernerven bei den Oniscidcn. Nach der gegenseitigen Lage des grossen Fühlerpaares zu den Augen sollte man es eigentlich für selbstverständlich halten, dass die für jenes bestimmten Nerven vor und zwischen den Augennerveu vom Gehirngauglion abgingen, gerade wie es von Brandt für Oiiiscus {Fig.3, na) beschrieben und abgebildet worden ist. Trotzdem wird dies durch Le re- boullet sowohl wie von Leydig in Abrede gestellt, nur dass beide unter einander wieder darin von einander abweichen, dass ersterer die von den beiden kleineren hinteren Gehirnganglien seitlich abgehenden grossen Nervenstämme als Fühlernerven, Leydig dagegen als eigenthümliche Sinnesnerven in Anspruch nimmt. Bei Serolis würde nach der von Stu- der gegebenen Skizze das Lagerungsverhältniss der Fühler- zu den Augennerven ein gleiches sein, wie nach Brandt bei Onlsais. Organisation. 51 Sehr viel zuverlässigere und für die darauf uutersucbteu Gattungen im Wesentlicheu übereiustiuimeude Angaben liegen über diejenigen paa- rigen Nervenstänime vor, welcbe einerseits vom Scblundringe, andererseits von dem bereits ventral gelegenen kleinen Ganißioii iiifmoesuplimjcuni ihren Ursprung nehmen. Bei Oniscus und ForceUio geht aus dem unpaareu Nervenstrang, welcher aus der Vereinigung der beiden Schenkel des Schlundriuges hergestellt wird, etwa auf der Grenze vom Kopftheil zum ersten Mittelleibsringe jederseits ein einzelner, für die Mundtheile bestimmter Nerveustamra hervor, ein zweiter stärkerer und sich in mehrere Zweige theilender aus der vorderen Hälfte des unteren Schluudganglions selbst (Taf. XX, Fig. 2). Für läothca zeichnet Kathke (Taf. XX, Fig. 6) zwei aus den sich von einander entfernenden Schenkeln des Schlund- ringes hinter einander entspringende und sich verzweigende Nervenstämm- chen, welche er gleichfalls als für die Mundtheile bestimmt ansieht, (dem von ihm übersehenen unteren Schlundganglion werden solche vermuthlich gleichfalls nicht fehlen); für Aega wird die Anzahl der gleichfalls aus dem Schlundringe entspringenden, sich an die Fresswerkzeuge begebenden Nerven nicht näher bezeichnet. Bei Asellus aquaticus fallen nach 0. Sars (Taf. XX, Fig. 1) auf diese Partie des Bauchmarkes sogar fünf aufeinander folgende, an die Mundtheile verlaufende Nervenpaare, nämlich drei, welche aus dem hinteren Theile der Schlundringsschenkel und zwei, welche aus den Seiten des unteren Schlundganglions ihren Ursprung nehmen. Der vorderste dieser fünf Nervenstämme jeder Seite, welcher der längste ist, giebt in der Richtung nach aussen zwei Seitenzweige ab. Eine noch grössere ßegelmässigkeit lassen in Zahl und Anordnung die von den Mittelleibsganglien und von den sie verbindenden Commis- suren entspringenden Nervenstämme erkennen. Dieselben gehen nämlich — bei Ausbildung sämmtlicher sieben Ganglienpaare — zu sieben stär- keren Paaren aus den Seiten der Ganglien selbst und in gleicher Zahl, aber von ungleich schwächerem Caliber von den ihnen vorangehenden Commissuren aus. Dieses Verhalten erweist sich bei Oniscus, Porcellio, A'irUiis, Idüthm und Aega als durchaus übereinstimmend, höchstens mit der Modification, dass die Commissuralnerven bald {0)i:iscas) fast in der Mitte zwischen zwei' Ganglien, bald {Asdlus, Jdotheu, Aega) in näherem Anschluss an diese, sei es vor, sei es hinter denselben ihren Ab- gang nehmen. AVas zunächst die sehr starken aus den Ganglien hervor- gehenden Nervenstämme betrifft, so können dieselben bei stark in die Quere verlängerten Ganglien {Porcellio) sich als allmähliche seitliche Aus- läufer derselben darstellen (Taf. XX, Fig. 2, ng, ng), bei mehr kuglig abgerundeter Form {AsilUis, Idothea: Taf. XX, Fig. 1 u. 6, ng, ng) sich schärfer von denselben absetzen. In beiden Fällen rechtwinklig gegen das Bauchmark auslaufend, gabeln sie sich bald früher, bald später in zwei Hauptäste, von denen dann jeder eine weitere Verzweigung eingeht. Etwas verschiedener je nach den Gattungen verhalten sich die aus den Commissuren hervorgehenden Nerven. Bei Porcellio (Taf. XX, Fig. 2, 52 Isopoda. iiCf.nc) verlaufen sie schräg nach hinten und aussen, so dass sie auf den vorderen Gabelast der aus den Ganglien entspringenden Nervenstämme treffen, um mit diesem zu verschmelzen; vor dieser Vereinigung senden sie indessen einen wieder nach aussen und vorn gerichteten Ast ab, welcher sich gabelt. Mit dieser Darstellung Leydig's trifft auch die von Brandt i'ür Oniscus mnrarhts gegebene Zeichnung zusammen, wäh- rend an der Lereboullet'schen von dem Bauchstrang derselben Gattung diese Communication und Verästelung nicht ersichtlich ist. Auch bei AseUiis (iißiatleiis (nach 0. Sars) und bei IdotJu-a und Avga (nach Rathke) fehlt eine Vereinigung der mit den sieben Hauptnervenstämmen mehr pa- rallel laufenden Commissuralnerven (Taf. XX, Fig. 1 u. 6 nc, nc) durch einen schräg gegen jene hin verlaufenden Ast, während ihre Endver- zweigungen noch reichlicher als bei Porccllio erscheinen. Bei den Anceiden iTwnisa) wird die Zahl der aus den Ganglien hervorgehenden dicken Nervenstämme auf fünf reducirt; die hier verhältnissmässig noch feineren Commissural-Nerven, welche aus den verschmolzenen Commissuren zwi- schen dem dritten und vierten und zwischen dem vierten und fünften Mittelleibsganglion jederseits entspringen, gehen zwar gleichfalls mehr- fache Verzweigungen ein, scheinen aber nach A. Dohrn's Zeichnung keinen Ast direkt an die Gauglien-Nervenstämme zu senden. Die physiologische Bedeutung dieser aus der Mittelleibspartie des Bauchmarkes entspringenden Nervenstämme betreifend, so sind die nahen Beziehungen der aus den Ganglien hervorgehenden zu den Beinmuskeln schon nach ihrem dem Ursprung der sieben, resp. fünf Beinpaare ent- sprechenden Verlauf von vorn herein klar. In der That hat auch ßathke bei Jdothea entonion den hinteren Gabelast jedes solchen Ganglien-Nerven- stammes in das entsprechende Beinpaar eintreten und sich in demselben verlieren gesehen, während der grössere vordere mit mehreren Zweigen an die Muskeln trat, welche in der Ecke der einzelnen Leibesringe ge- legen und zur Bewegung der Beine bestimmt sind. Die Commissural- nerven konnte er bei derselben Gattung auf der Bauchseite der ent- sprechenden Leibesringe unterhalb der langen Bauchmuskeln sich in geschlängeltem Verlauf, aber ungetheilt nach aussen wenden sehen, wäh- rend die hier aus denselben hervorgehenden Verzweigungen sich theils gleichfalls an die Beinmuskeln, theils und zwar der Mehrzahl nach an die Eingeweide begaben. Rathke glaubt wahrgenommen zu haben, dass einige ihrer Zweige an die Bauchmuskeln und au die denselben auf- liegenden Theile der Fortptlanzungsorgane, andere zuerst an die seitlich liegenden Beinmuskeln, sodann am Kücken entlang nach innen zu den langen Eückenmuskeln und erst von diesen aus zu dem darunter liegenden Darm und dem Herzen verliefen. Jedenfalls erhalten letztere beiden Organe nicht auf direktem Wege ansehnlichere Nerveufäden. Bei Acya verhalten sich die Ganglieu-Nervenstämme ganz ähnlich wie bei Idotliea; doch senden einige derselben ausserdem noch einen kleinen Zweig ab, der für die Mus- keln der Bauchwand bestimmt zu sein scheint. Die Commissuralnerven Organisation. 53 verlaufen hier etwas schräg nach liiuten und aussen, gelangen in den nächstfolgenden Leibesring hinein und versorgen ausser den Muskeln der Bauchwaud wahrscheinlich auch diejenigen der Rückenseite mit Zweigen. Der Ursprung und Verlauf der dem letzten (im Postabdomen ge- legenen Abschnitt des Bauchmarkes) angehörigen peripherischen Nerven verhält sich je nach der Configuration des letzteren mehrfach verschie- den. Bei Idofhca (Taf. XX, Fig. 6), wo die vier Ganglien dieses Ab- schnittes deutlich getrennt bleiben und durch relativ lange Commissuren mit einander in Verbindung gesetzt sind, stimmen die aus ihm hervor- gehenden Nerven ganz mit denjenigen des Mittelleibes überein, d. h. es alterniren regelmässig solche, welche aus den Ganglien, mit solchen, welche von den Commissuren ihren Ursprung nehmen. Nachdem sich dies dreimal beiderseits wiederholt hat, giebt das vierte (End-)Ganglion ausser dem gewöhnlichen, im rechten Winkel abgehenden Nervenstamm noch einen zweiten stärkeren und schräg nach hinten verlaufenden ab, welcher sich am Ende verästelt. Während die Gangliennerven nach Rathke an die Pcdes spitrii und deren Muskulatur verlaufen, sind die Commissuralnerven vorwiegend für das Herz und den Enddarm bestimmt. Mit der Verschmelzung der Hinterleibsganglien zu einem nur noch andeutungsweise gegliederten Nervenstrange oder einer völlig ungeglie- derten kurzen Nervenmasse geht auch der Unterschied von Ganglien- und Commissuralnerven immer mehr verloren. Bei Aega giebt diese noch ziemlich langgestreckte Hinterleibs- Nervenmasse zunächst jederseits fünf zu den Muskeln der Pcdes spKrii verlaufende Nervenstämme ab; sodann gabelt sie sich zu zwei ziemlich stark divergirenden Aesten, welche gegen das Ende des Postabdomen hin verlaufen, um sich hier auch ihrerseits zu theilen. Der schwächere innere Gabelast verfolgt den Enddarm, der stärkere äussere dagegen die Muskeln des letzten Spaltbeinpaares. — Auch aus der kürzeren , gleichschenklig dreieckigen und seitlich dreimal eingekerbten Hinterleibsnervenmasse von Ascllus aqiiaticus (Taf. XX, Fig. 1) gehen nach 0. Sars zunächst jederseits fünf schräg nach hinten und aussen verlaufende Nervenstämme — offenbar für die entsprechenden Paare der Fcdcs spurii — hervor. Zwei sich aus der Spitze des Bauch- stranges entwickelnde, ungleich stärkere Nervenstämme (Fig. 1, nt) ver- laufen divergirend gegen den Hinterrand des grossen Afterschildes, um hier in die griflfelförmigen Fedes sjmrii. des sechsten Paares einzutreten, schliessen ausserdem aber zwischen sich noch einen dünneren, unpaaren Nerven ein, dessen Endverzweigungen augenscheinlich wieder für den Hinterdarm bestimmt sind. — Aus der ganz kurz ovalen Hinterleibs- Nervenmasse von PorcdUo (Taf. XX, Fig. 2) und Oniscus endlich gehen nach Lej^dig und Lereboullet nur sechs radiär nach hinten ausstrahlende Nervenstämme (Brandt zeichnet deren bei Oniscus acht) aus, welche sich jedoch in ihrem ferneren Verlauf sämmtlich gabeln, die beiden vorderen {(ja) jederseits einmal, das letzte, fast gerade nach hinten gerichtete Paar (Fig. 2 nt) dagegen zweimal, so dass dieses also dreiästig 54 Isopoda. erscheint. Nach Le yd ig 's bildlicher Darstellung wäre übrigens der mittlere (zweite) Nervenstanmi jederseits beträchtlich dünner als der erste und dritte. Soviel sich aus der Studer 'sehen Skizze des Nervensystems von Serolis ersehen lässt, würden bei dieser Gattung aus den beiden vor- deren freien Hinterleibsganglien je ein quer verlautender, aus der queren Endnerveumasse fünf radiär ausstrahlende Nervenstämme hervorgehen. Commissuralnerven sind hier weder im Bereich des Mittelleibs- noch des Hinterleibs-Bauchstranges augegeben. C. Sympathisches Nervensystem. Zwischen den Commis- suren, welche die sieben Mittelleibsganglien mit einander verbinden, tindet sich, wie zuerst Rathke im Jahre 1820 für Jdothea entomon hervorge- hoben hat, ein von Ganglion zu Ganglion verlaufender unpaarer Längs- nerv (Taf. XX, Fig. 6, n,s, ns) , welcher etwa nur dem vierten Theil der Dicke der Commissuren gleichkommt und nicht nur aus diesem Grunde, sondern auch , weil er in eine Vertiefung zwischen den beiden Commis- suren eingesenkt und durch Fettmasse verhüllt ist, erst bei eingehenderer Untersuchung zur Wahrnehmung kommt. Wiewohl desselben von Rathke bei der später von ihm untersuchten Gattung Anja keine Erwähnung ge- schieht und Brandt sowohl wie Lereboullet die Existenz eines solchen für Oniscus sogar in Abrede stellen, scheint ihm dennoch eine weitere, wenn nicht allgemeine Verbreitung unter den I^ojwdcn zuzukommen. We- nigstens fand ihn Leydig nicht nur bei Oniscus, PorcelUo (Taf. XX, Fig. 1, ns, ns) und ArinadiUidium , sondern auch bei Asellus aquaficus, wo er von 0. Sars offenbar nur übersehen worden ist. Eine genauere Untersuchung über sein Verhalten zu den Ganglien ergiebt, dass er über diese, d. h. über die mediane Verschmelzungsstelle von je zwei neben einander liegenden Ganglien nie hinweggeht, sondern am vorderen Ende derselben aufhört, um am hinteren von Neuem zu beginnen. Von seinen Endpunkten lassen sich jedesmal Faserzüge in die Längscommissuren hinein und aus diesen in die Commissuralnerven eintretend verfolgen; diese letzteren erweisen sich mithin als gemischte Nerven, welche neben den breiteren, aus den Commissuren stammenden Fasern auch sehr viel feinere, sympathische in sich vereinigen. Für Oniscus wird von Brandt ausserdem ein Eingeweide-Nervensystem beschrieben und abgebildet, welches sich im nahen hinteren Anschluss an das Ganglion supraacsoplicujeum finden soll. Dasselbe besteht nach ihm aus zwei nebeneinanderliegenden kugeligen Ganglien, welche mit divergirenden stielförmigen Verengungen dem Hinterrande des Gehirnganglion ansitzen und aus ihrem hinteren Contour je zwei Nervenfäden, welche an den Darmkanal verlaufen, hervorgehen lassen (Taf. XX, Fig. 3, t'). Leydig ist es nicht gelungen, dieses „Eingeweide-Nervensystem" bei der genann- ten Gattung aufzufinden ; dagegen konnte er an der entsprechenden Stelle einige kleine, dem Kaumagen angehörige Drüsen nachweisen, in welchen er die Brandt'schen „Ganglien" wieder zu erkennen glaubt. Er selbst will dagegen bei PorcelUo ein sympathisches Gamjlion frontale bemerkt ( li'i;anisatiün. 55 haben, welches vor dein (iaiKjlion siiymorsoiilnuinnii und zwar in dem Einschnitte, welcher sich zwischen den beiden vorderen (Seh-)Hemisphären findet, gelegen ist. Derselbe würde nach Leydig's Zeichnung (Taf. XX, Fig. 2, iif) ein sternförmiges Ansehen haben und sich mit zwei nach hinten gerichteten Ausläufern den vorderen Ganglienanschwellungen des Gehirns anlegen. 3. Sinnesorgane. A. Augen. Sie treten bei den Isopoden — wie bei den Malacostraken überhaupt — nur als paarige, seitliche Organe auf, Avährend dagegen das unter den Entomostraken weit verbreitete unpaare Wtirnauge ihnen durch- weg abgeht. So wenig es zweifelhaft sein kann, dass die vieli'achen und oft sehr beträchtlichen Verschiedenheiten, welchen der Grössenumfang dieser seitlichen Augen je nach den einzelnen Familien und Gattungen der hopadcn unterworfen ist, in naher Beziehung zu der Lebensweise, dem Aufenthalt u. s. w. derselben stehen, so hat sich ein exakter Nach- weis hierfür doch bis jetzt in den wenigsten Fällen führen lassen. Nur das scheint keinem Zweifel zu unterliegen, dass ein den Lichtstrahlen unzugänglicher Aufenthaltsort eine Verkümmerung oder selbst ein völliges Eingehen der Augen bei den Isopoden in gleicher Weise zur Folge hat, wie dies von Thieren der verschiedensten Klassen bekannt ist. Der in Höhlenge wässern vorkommende Asellus cavaticus Schioedte (Sieholdi Rougem,.), welcher der Augen völlig entbehrt, ist dem im Freien lebenden AscUus uquaticHS Liu. im Uebrigen so nahe stehend, dass man den ihn charakterisirenden Mangel der Sehorgane sogar als einen allmählich er- worbenen und auf Anpassung beruhenden anzusehen sich sehr wohl ver- anlasst fühlen könnte, während für zwei andere Höhlenbewohner: Tita- .ncfhcs albus Schioedte und MonoUstra coeca Gerst., welche keine gleich nahe, mit Augen versehene Verwandte aufzuweisen haben, wenigstens der Mangel der Augen mit dem ausschliesslichen Vorkommen in völlig dunkelen unterh-dischen Grotten zusammentrifft. Von drei anderen der Augen entbehrenden Gattungen \s,i Leptaspidia brcvqies H]). Bäte marinen Vorkommens und im Schlamme, Mtmnopsis typica Sars (Taf. HI, Fig. 4) in einer Tiefe von 100 bis 120 Faden gefunden worden, Platyarthnis Eoff'mannseggi Brandt (Itea crasskornis Koch = Typhlomscus Steiiii Sc höhl) als unterirdisch lebender Ameisengast gleichfalls der Einwirkung der Lichtstrahlen entzogen. Bei einer anderen, unter ähnlichen Verhält- nissen lebenden Landassel, der durch ihre zierliche Körperskulptur aus- gezeichneten Itca Mrmjcl Zadd. {Haphphthalmns dcgans Schöbl) sind die bei den nächsten Verwandten ansehnlich entwickelten, mit etwa zwanzig Facetten versehenen Augen wenigstens ganz rudimentär geworden, nämlich nur auf ein Einzelauge jederseits reducirt. Handelt es sich in allen diesen Fällen offenbar um ein durch äussere Einflüsse bedingtes Schwinden sonst constant vorhandener Organe, so ist es viel schwerer einzusehen, weshalb bei der dem Lichte in mindestens 56 Isopoda. gleichem Maasse, wie zalilreiche andere W asser- Iso2iodcn exponirten Süss- wasser-Assel : ÄscUiis aquaticus die Augen auf einer sehr niedrigen Ent- wicklungsstufe, nämlich in Form von vier kleinen Punktaugen jederseits, stehen geblieben sind. Es ist dies um so weniger verständlich, als z. B. bei der durch ihre Schädlichkeit bekannten Limnoria licjnorum White {terebrans Leach), welche nach Art holzbohrender Insektenlarven sich tief in das Innere von Nutzholz einfrisst und mithin fast vom Lichte ab- geschlossen lebt, Augen wenn auch von relativ geringer Grösse, so doch aus einer grösseren Anzahl Facetten (etwa zehn?) bestehend, nachweisbar sind. Dieselben nehmen hier einen etwa gleich grossen Raum der Kopf- oberfläche ein, wie bei Idoilwa (Taf. IV, Fig. 1 u. 13), Jacra (Taf. III, Fig. 2) und Faranthurn (Taf. XIX, Fig. 12 oc), bei welchen frei im Meere lebenden Gattungen sie gleichfalls nur geringe Dimensionen erkennen lassen. Schon beträchtlich grössere Augen finden sich bei den Gattungen Ärcturus (Taf. V, Fig. 1 u. 2), Janira (Taf. III, Fig. 1), Mimua (Taf. III, Fig. 3), bei den Onisciden (Taf. XIX, Fig. 1, 2, 3, 5, 12) und Sphaero- midcn (Taf. VI, Fig. 10, 11, 14 u. 16), solche von beträchtlichen Dimen- sionen endlich bei Cijmodocm (Taf. VI, Fig. 13) und bei den meisten Aegiden (Taf. VII, Fig. 10, 11, 12, 13, 14), unter welchen letzteren sogar einige Arten existiren, bei welchen diese Organe sich in der Mittellinie des Kopfes berühren {Artia fridcna) oder selbst den grössten Theil der Kopfoberfläche bedecken (Aepa monopWialma). Durch eine sehr auffal- lende Grössendifferenz der Augen bei Männchen und Weibchen, welche freilich mit einer gleich scharf ausgeprägten Formveischiedenheit des Kopfes und Mittelleibes zusammenfällt, ist die Gattung Anceus (Taf. XV, Fig. 2, 3, 4 oc) ausgezeichnet; dem weiblichen Geschlecht sind hier die sehr viel umfangreicheren und im Verhältniss zum Kopf selbst sehr grossen Augen eigen. Auch die Lage der Augen am Kopftheil erleidet Schwankungen, welche zwar gegen diejenigen in der Grösse zurückstehen, aber immerhin beträchtlich genug sind, um nebenher erwähnt zu werden. Das bei wei- tem häufigste Verhalten besteht darin , dass der Aussenrand der Augen mit demjenigen des Kopfabschnittes zusammenfällt und dass erstere je nach ihrer Grösse sich von hier aus mehr oder weniger weit gegen die Mittellinie der Oberseite hin ausdehnen. Als Repräsentanten dieser Dis- position sind die Spliacroniidcn, Acgidcn, Ci/moflioidcn und Onisciden anzu- führen. Eine Modification nach der einen Richtung tritt nun dahin ein, dass die Augen , indem sie ihre seitliche Lage beibehalten , über den Aussenrand hinaus auf die Unterseite übergreifen, wie es ausser bei Anceus (Taf. XV, Fig. 4, oc) n. A. auch bei 3Imina (Taf. III, Fig. 3) der Fall ist, bei welcher Gattung sie zugleich deutlich aus dem Seitenrand des Kopfes heraustreten oder selbst auf kegelförmigen Vorsprüngen des- selben gelagert sind. Im entgegengesetzten Sinne entfernen sie sich vom Seitenrande, um völlig auf die Oberseite des Kopftheiles zu rücken , wie bei Janira und Jacra (Taf. III, Fig. 1 u. 2), Tdoihea (Taf. IV, Fig. 1 Organisation. 57 u. 13), Lhnnoria (Tat". VI, Fig. 17) und Sirolls (Taf. V, Fig. 4 u. 5), bei welcher letzteren Gattung sie zugleich eine sehr deutliche Nierentbrm zeigen und dicht vor dem Hinterrande auf hohen ovalen Wülsten ge- legen sind. Ungleich wichtiger sind die Unterschiede, welche sich in der Bil- dung der Augen bemerkbar machen. Zunächst treten sie und zwar nur in vereinzelten Fällen als einfache (Punkt-)Augen, theils (HaplojMJinhiius) zu einem einzelnen , theils (Äsellns aquaficHfi : Taf. II , Fig. 1 ) zu vier jederseits auf. Bei letzte: er Gattung erscheinen die Zwischenräume, durch welche diese Ocellen getrennt sind, beträchtlich kleiner als ihr eigener Durchmesser: drei dieser Ocellen liegen in den Winkeln eines gleich- seitigen Dreiecks, der vierte nach vorn und innen von dem vordersten jener (Taf. II, Fig. 12). In den übrigen Fällen handelt es sich zwar stets um zusammengesetzte Augen ; doch sondern sich auch diese wieder in solche, auf deren Oberfläche isolirte Corneen, zwischen welche sich die gewöhnliche Chitinhaut in Form trennender Septen hineindrängt, auftreten und zweitens in solche, welche das Ansehen eines gewöhnlich facettirten Insektenauges, dessen regulär sechsseitige Felder nur durch feine Furchen- linien geschieden werden, darbieten. Die erstere Moditication tritt unter den Oniscinen bei Onisciis, PorcelUo. ArmadilUdium und Verwandten, in etwas undeutlicherer Weise auch bei Idothea {cntomoii), unter starker Er- hebung grosser, kreisförmiger Facetten aus einem flachen Grunde da- gegen bei Anilocra (iiwdifcrranca) auf; vermuthlich sind aber auch die Augen von A^weus {Pmnim), Anthura und Linnioria dieser Kategorie bei- zuzählen. Regulär sechsseitig gefelderte Augen finden sich bei Ligidium (fujUc), Sphaeroma, Ar(ja, Serolis u. A., während dagegen bei Cymoihoa eine Facettiruug der Oberfläche nicht wahrzunehmen ist. Bei dem Auftreten selbstständiger, isolirter Corneen ist die Zahl derselben je nach den Gat- tungen eine sehr verschiedene: bei Limnoria nur etwa 10, bei Idothea entomon 16, bei Oniscus, PorcelUo und ArmadiUidkim 20, bei Anilocra un- gefähr 80, nämlich je zu 8 bis 10 in neun Längsreihen. Durchschnittlich hoch ist die Zahl der unmittelbar aneinandergrenzenden , sechsseitigen Facetten. Für LujidUim agile lässt sich dieselbe — der Angabe von Leydig (60) und Lereboullet (120) entgegen - bei je acht in zehn schrägen Querreihen auf etwa 80, bei Sphacroma je nach den Arten auf 70 bis 100, bei Aega {spcc?) auf etwa 420 (je 25 in 17 Querreihen), bei Serolis Orbignijana auf fast 450 (je 32 in 14 Querreihen) schätzen. Die vier einfachen Augen jederseits bei Asellus fügen sich nach 0. Sars' Untersuchung dem Sehnerven in der Weise an, dass die drei im Triangel gelegenen gemeinsam einer kegelförmigen Enderweiterung desselben aufsitzen, während zu dem vierten sich ein besonderer kurzer Ast abzweigt (Taf. II, Fig. 12). Jedem Auge entspricht eine kreisrunde, aussen flach gewölbte, innerhalb plane Cornea (Taf II, Fig. 13 a). In- nerhalb der becherförmigen, von einer Pigmentscheide (e) umgebenen Betiimla sind in beträchtlicher Entfernung von der Innenwand der Cornea 58 Isopoda. neben einander zwei nierenförmige, stark licbtbrechende Krystallkörper (Fig. 13, c) gelagert, von denen sieb der eine au dem seitwärts gelegenen Ocellus wieder in zwei theilt; in dem vor diesen Krystallkörpern ge- legeneu Raum sind Semper'scbe Kerne (Fig. 13, h) zu erkennen, wäb- reud sich ibrem hinteren Ende der von Sars nicht näher untersuchte, nach seiuer Angabe querrietig erscheinende Nervenstab (Fig. 13, d) auscbliesst. Derselbe doppelte Krystallkörper kommt auch den einzelnen Augen- systenien innerhalb der zusammengesetzten lao^wchn-Augeü zu, und zwar gleichviel ob dieselben das Ansehen von facettirten lusekteuaugen {Llgi- (lium, Cymothoa) oder von zusammengesetzten Augeu (Ontsciis, Porcellio) darbieten. Für das Auge von Cymotlioa ist er bereits von Job. Müller hervorgehoben worden, während er bei Ligidiuni von Leydig, für Oniseus (Taf. XX, Fig. 4, /, 1) und Pom-Ilio von Lereboullet, Leydig und Grenacher genauer beschrieben und dargestellt wird. Die beiden Hälften desselben werden von Leydig bei Ligidiuni als zwei „gegen einander gekehrte, von der Seite betrachtet birnförmige Körper, bei Oniseus als „zwei in der Quere liegende Kugeln" bezeichnet, welche nach der Art, das Licht zu brechen und weil sie nach einem Druck Sprünge bekommen, vermuthlich kalkhaltig seien und, mit Essigsäure be- handelt, zu zwei hellen dicht zusammenliegenden Blasen aufquellen. Grenacher dagegen weist diesen supponirten Kalkgehalt für den dop- pelten Krystallkörper wenigstens von Porcellio seaher zurück und stellt auch die Bildung desselben wesentlich verschieden dar. Xach seiner Unter- suchung ist derselbe kugelförmig, von vorn nach hinten etwas abgeplattet und besteht aus zwei deutlich zu erkennenden Halbkugeln, deren Berührungs- fläche senkrecht auf der Ebene der Corneafacette steht (Taf. XXII, Fig. 1, er); er ist in frischem Zustande sowohl wie auch nach Conservirung in Alkohol vollkommen durchsichtig und von starkem Lichtbrechungsvermögen. Die ausserhalb stark gewölbten Corneen an den scheinbar „zusam- mengehäuften" Augen der Gattungen Porcellio, Oniseus und Arnutdillidium, welche bei ihrer vöüigeu Isolirung von den benachbarten, von der Fläche gesehen sich als regulär kreisförmig ergeben, sind nicht, wie Leydig wahrgenommen zu haben glaubt, auf der Innenseite concav, sondern stellen bieonvexe Brechungslinsen dar; ihre gewölbte Innenseite entspricht genau den vorn concaven Weichtheilen des inneren Auges, welche hier durch zwei grosse halbkreisförmige und mit einem deutlichen Nucleus versebene, im Bereich ihrer Peripherie pigmentirte Zellen — gewissermassen einen inneren Ueberzug der Cornea, welcher diese von dem Krystall- körper scheidet — dargestellt werden. Die zwischen den einzelnen Cor- neen befindlichen Einsenkungen der Kopfhaut lassen auf der Aussenfläche borstentragende Grübchen erkennen und diesen entsprechen an der Innen- fläche ])igraeutiite und mit einem Nuelcus versebene Hypodermiszellen, welche sich in mehreren Reihen zwischen die oben erwähnte innere Aus- kleidung der Cornealinsen einlagern. Organisation. 59 In Betreff der den Krystallkörper becliertovniig umschliessenden und auch hier vou einer dichten Pigmenthtille umgebenen Rdiniila ist für die Onisckien nach den neuesten Untersuchungen Grenacher's als Er- gänzung zu den Sars'schen Angaben noch hervorzuheben, dass der im hinteren AuscMuss au den Krystallkörper liegende compakteTheil derselben (Nervenstab) sich in sieben longitndinale und nach vorn sich verbreiternde Stäbchen (Taf. XXII, Fig. 1, rin) auflöst, denen ebenso viele Retinula-Zellen (n) entsprechen. Ein Querdurchschnitt dieses von Grenacber als Ehahdom bezeichneten Gebildes ergiebt das Bild einer siebentheiligen Rosette (Taf. XXII, Fig. 2). Von Leydig ist diese Bildung an den Augen von Oniscus (Taf. XX, Fig. 4, h, k) gleichfalls schon dargestellt, aber nicht in ihrem Zusammenhang mit der becherförmigen Retinula-Kapsel erkannt VForden. B. Geruchsorgane. In gleicher Weise, wie an den Fühlhörnern der Copcpodm (Bd. I, S. 654) und der Branclüopoäcn (Bd. I, S. 915) treten auch an denjenigen der Jsojjodcu vielfach eigenthümliche, zart und blass contourirte Anhänge von Cylinder-, Kegel- oder Flaschenform auf, in deren Inneres besondere, Ganglien bildende Nervenausläufer hineinragen und für vFclche daher die Annahme einer specifischen Sinneswahrnehmung kaum zweifelhaft sein kann. Indem auch wir sie als „Geruchszapfen" bezeichnen, schliessen wir uns der allgemein acceptirten Deutung an, für welche allerdings nur Wahrscheinlichkeitsgründe beigebracht werden können. Am genauesten sind dieselben durch die Untersuchungen Ley- dig's an Ascilns uquatkus und den Landasseln bekannt, fehlen aber den marinen Isopodm keineswegs. Bei ersterer Gattung finden sie sich an den vier vorletzten Gliedern der kürzeren oberen Fühler (Taf. II, Fig. 1, ct>) je zu einem, und zwar am Endrande jedes dieser Fühler- glieder nach innen von einem gewöhnlichen Borstenhaar (Taf. II, Fig. 10, x, x) ; so ist es wenigstens bei ausgebildeten Individuen, während sie bei ganz jungen nur zu einem (am vorletzten Gliede) existiren, um erst bei weiterem Wachsthum auch an den vorhergehenden allmählich hervorzu- sprossen. An ihrer dünneren griffelförmigeu Basis sind sie (Fig. 10 a) gleich gewöhnlichen Haaren scharf (dunkel) contourirt, von ihrer darauf folgenden, leicht fiaschenförmigen Erweiterung an bis zum Ende dagegen sehr blass. Aus ihrer abgestutzten Spitze ragen meist sehr kurze und zarte Fädchen hervor. Der Fühlernerv giebt an jeden dieser Zapfen einen besonderen Zweig ab, um welchen sich, bevor er in das Innere derselben eintritt, sehr kleine Ganglienzellen herumlagern, während das ganz durchsichtige Innere des Zapfens selbst eine feinblasige Struktur erkennen lässt. Liißdlnni agile lässt ähnliche Gebilde an der Spitze beider Fühlerpaare erkennen. Zur Seite des länglich eiförmigen End- gliedes der kurzen oberen Fühler findet sich ein sehr langgestreckter, durch eine mittlere Einkerbung zweigliederig erscheinender und sich all- mählich verjüngender Zapfen mit spitz zweizinkigem Ende, welcher zwischen beiden Zinken noch eine geknöpfte Endborste trägt (Taf. XXII, Fig. 3 u. 3 a). An den unteren längeren Fühlern weicht das abgestutzt kegelförmige End- 60 Isopoda. glied von den vorhergehenden durch sehr viel grössere Zartheit und Durch- sichtigkeit ab und trägt an der Spitze einen Büschel äusserst langerj blasser, am Ende in einen länglichen Kolben auslaufender Haare (Taf. XXII, Fig. 4, a, a), welche an ihrer Basis einen Haufen rundlicher Zellen (m) zwi- schen sich fassen. Das in dieses letzte Glied eintretende Ende des Fiihler- nerven schwillt zuerst zu einem kleinen kugeligen, dann nochmals zu einem grösseren, mehr quadratischen Ganglion (Fig. 4, r/a) an. Bei den Gattungen Oniscus und PorccJlio lässt gleichfalls das Endglied (8. bei Oniscus, 7. bei PorccWio) der langstreckigen äusseren (unteren) Fühlhörner einen seiner Spitze aufsitzenden, zart contourirten Zapfen er- kennen, welcher je nach den einzelnen Arten von verschiedener Länge und Form — bei Oniscus murarius z. B. langgestreckt und im Bereich der Spitzenhälfte nur halb so breit als an der Basis, von deren Endrand eine lange, zarte Borste zur Seite abbiegt, bei PorccUio scaher beträchtlich kürzer und mehr cylindiisch — doch darin eine Uebereinstimmung zeigt, dass sich das abgestutzte Ende in feine dicht aneinanderliegende Fila- mente (Taf. XXII, Fig. 5 u. 7, a) auflöst und dass in die hohle Basis derselben ein Ganglion hineinragt, welches sich als eine Endanschwellung des FUhlernerven zu erkennen giebt und sich zuweilen selbst in zwei von einander abgeschnürte Ganglienzellen-Haufen (Fig. 5 u. 6, (/«) zerlegt. Die marinen Isopoden sind auf derartige Bildungen bis jetzt wenig untersucht, dürften derselben jedoch gleichfalls in ausgedehnterem Maasse theilbaftig sein. Durch zwei solche Riechkolben von ganz aussergewöhn- licher Grösse sind die oberen Fühler der Ilunna Whifcana Sp. Bäte (Taf. III, Fig. 3, an} u. Fig. 3a, x, x) ausgezeichnet; sie sitzen hier dem Endrande des sehr langstreckigen fünften Giedes auf, welches an seinem Aussenwinkel noch drei sehr kleine, in Form eines Tasteranhanges auftretende Endglieder eingelenkt zeigt und überragen letztere sehr weit in der Richtung nach vorn als direkte Ausläufer des fünften Gliedes. Dieselben sind um so bemerkenswerther, als sie ebensowohl an den oberen Fühlern der Mimna Kroijcri Goods. , wie an denjenigen der nahe ver- wandten Gattung Munnopsis (Taf. III, Fig. 4, 5, 6) fehlen. Ob die von Schioedte an den oberen Fühlern von Barijhrotus Indus (mas) abge- bildeten blassen Stäbchen, welche in grösserer Anzahl der Aussenseite der kurzen Endglieder ansitzen, gleichfalls in diese Kategorie zu ver- weisen sind, mag dahin gestellt bleiben. Noch fraglicher seiner Natur nach muss schon in Betreff des abweichenden Sitzes ein langgestreckter blasser Fortsatz sein, welcher von A. Dohrn an dem Kieferfusspaar von Pranim (Taf. XV, Fig. 5, jwh) aufgefunden worden ist. Da indessen bei dieser Gattung die beiden Fühlerpaare der Riechkolben ganz zu entbehren scheinen, der betreffende Anhang der Kieferiüsse seinem ganzen Ansehn nach aber unzweifelhaft nervöser Natur ist, so wäre eine L'ebertragung jener Organe auf ein für ihre Verwendung sehr wohl geeignetes Mund- gliedmasseupaar immerhin denkbar. C. Tastorgaue in Form zart contourirter und mit Nervenendi- Organisation. 61 gungen in Verbindung stehender Borsten von sclir mannigfachem An- sehen scheinen unter den hopodcn gleichfalls eine ziemlich weite Ver- breitung zu haben und sich ausser an den Fühlhörnern auch an ander- weitigen Gliedmassen vorzufinden. Bei Ar^ellus uquaticus treten sie an den beiden Fühlerpaaren neben einander in zweifacher Bildung auf: erstens als langgestreckte, sich allmählich verjüngende, an Basis und Spitze gegliederte und an letzterer sich in einen Büschel feiner divergi- render Haare auflö.seude Gritfei (Taf. II, Fig. lU b), wie sie sich zu einem einzelnen am Endglied der oberen Fühler (Taf. II, Fig. 10, g), in Mehr- zahl dagegen an der Spitze des letzten Scbaftgliedes der unteren Fühler zeigen, zweitens aber in Form dünner nadelartiger Gebilde mit deutlich abgesetzter, fein zugeschärfter Spitze, je zu vieren nebeneinander an den vorletzten Geisseigliedern desselben (unteren) Fühlerpaares (Taf. II, Fig. 11 u. 11 a). Die OiiiscKt;- und Forcdliu-Arten besitzen eine oder zwei solcher zarten ganz einfachen Borsten an dem oben erwähnten Geruchszapfen der langen unteren Fühler (Taf. XXII, Fig. 5 u. 7), dagegen mehrere kurze und stumpfe, mehr fingerförmig gestaltete (Fig. 6, a, c) an der Spitze des Endgliedes der kurzen oberen(inneren). Etwas längere und am Ende leicht geknöpfte finden sich auch am Endgliede der kurzen Fühler von Ligidinin mjilc (Fig. 3, «), während der Geruehszapfen an der Spitze der äusseren Fühler ähnliche, aber noch länger gezogene (Fig. 4, h, h) von seiner Oberfläche entspringen lässt. Sehr zarte und im Bereich ihrer Spitzenhälfte doppelt gefiederte Tastborsten finden sich nach Schioedte's Darstellung zu fünfen an dem Scheukelglied der hinteren Mittelleibsbeine von Bocinela Dammonicnsis Leacb, zahlreiche an der Spitze gegabelte oder dreizackige an den vorletzten Gliedern der hinteren Mittelleibsbeine von Cofullana hasalis, einfach zugespitzte und gefiederte an gleicher Stelle bei Tachaea crassipes. Der in den unterirdischen Höhlen Krains lebende und der Augen entbehrende Tifancfhus albus besitzt nach Schioedte's Zeichnungen zwar keine Tastborsten an der vielgliedrigen Endgeissel der langen äusseren Antennen, dagegen aber eine sehr aus- gezeichnete derartige Bildung am letzten, die Endklaue tragenden Gliede der Mittelleibsbeine. Es entspringt nämlich von der Oberfläche desselben zwischen gewöhnlichen starren Borsten ein blasser fadenförmiger Anbang, dessen dünne Spaltäste sich an ihrem freien Ende verflachen, bandförmig ausbreiten und sich in eine grosse Anzahl fingerförmig ausgespreizter Stäbchen auflösen. Dieses verhältnissmässig grosse Tastorgan tritt rück- wärts von der Endklaue sehr frei aus der Oberfläche des Beines heraus und kann dadurch seiner Bestimmung offenbar um so besser genügen. Unzweifelhaft werden weiter ausgedehnte Untersuchungen derartige Tast- borsten noch für viele andere Gattungen zur Kenntniss bringen. Wenn dieselben übrigens von 0. Sars abweichend von Leydig als Gehörorgane in Anspruch genommen werden, so ist darüber zu bemerken, dass hierfür weder ihre Form, noch nach Rabl-Rückhardt's Beobachtungen ihr Verbalten beim lebenden Thier irgend welchen Anhalt bietet. Bei ihrer 62 Isopoda. sehr frei beweglichen Einlenkung zeigen sie nämlich auf Anlass der ge- ringsten Erschütterung des Wassers sehr ausgiebige passive Bewegungen, was mit den Anforderungen an ein Gehörorgan schwer vereinbar ist. D. Ein Sinnesorgan unbekannter Natur ist von Leydig noch bei Oniscus mtoririus im Anscbluss au den aus der hinteren Gehirnau- schwellung seitlich hervortretenden Nerven (Taf. XX , Fig. 4, g^) aufge- funden und bildlich dargestellt worden. Der betreifende Nerv (Fig. 5, n) löst sich nämlich in mehrere Fasern auf, dereu jede an eine zarte , durch- sichtige kugelrunde Kapsel (Fig. 5, a, b, c) herantritt. Den Inhalt dieser Kapseln bilden vier bis sechs grosse, mit einem Kern versehene Zellen, welche rosettenförmig um den Mittelpunkt gelagert sind und sich zum Theil einander decken. Ueber die Lagerungsbeziehung dieses Organes zum Kopf-Integument hat Leydig keine Angaben gemacht. 4. Verdauungsorgane. A. Der Darmkanal der Iso-poden verläuft, wie bei der überwiegenden Mehrzahl der Crmfucccn, ohne Windungen zu beschreiben, auf direktem Wege vom Munde zum After und kommt somit der Körperlänge etwa gleich. Demjenigen der meisten Entomostraken gegenüber erweist er sich als auf einer höheren Stufe der Ausbildung stehend dadurch, dass — wie bei den Amphipodcn und I), Ligidium: Taf. XIX, Fig. 1, /( und Lajia) sind sie regelmässig zu zwei*) Paaren vor- handen, w'ährend sich bei Paranthiira, Pranisa, Gyge, Hemioniscus, Orypto- niscus u. A. ihre Zahl auf ein einzelnes Paar reducirt. Die Angabe Rathke's von sieben Paaren traubenförmiger Leberorgane bei Boinjrus und Phryxus, beruht, wie aus Cornalia's Darstellung hervorgeht, auf einer Verwechselung der Ovarien mit denselben. Auch dürfte es angesichts ihrer Form und ihrer Einmündungssteile in den Darnikanal noch fraglich sein, ob die drei Paar drüsiger Organe, welche Rathke bei Aegu hi- caiinafa (Taf. XVIII, Fig. 4, rß) als „Fettkörper oder Lebern" bezeichnet, in der That diesen Namen verdienen oder wenigstens als homologe Or- gane der eigentlichen Leberschläuche angesehen werden können. Zwar zeigen dieselben ganz ähnliche quere Einschnürungen, wie sie den Leber- schläuchen der Oniscinm eigen sind, erreichen aber einerseits nur das Ende des ersten Vierttheils der Körperläuge, wie sie andererseits mit einem *) Milne Edwards bildet zwar (Hist. nat. d. Crust. pl. 4, Fig. 3) von Ligia oceanica drei Paare dunner Leberschläuche ab, von denen zwei bis nahe zum hinteren Ende des Darmes, das dritte nur etwas über die Mitte seiner Länge reichen; doch steht dem die bestimmte Aufabe von Lereboullet entgegen, wonach bei Lüjia ebenso wie yi&i Ligidium, Porcellio und Oniscus niemals mehr als zwei Paare von ihm aufgefunden worden sind. 74 Isopoda. kurzen gemeinschaftlichen Ansfiihrungsgangjederseits schon auf der Grenze von Oesophagus und Magen sich einsenlien. Die gewöhnliche Eiumündungsstelle der Leberschläuche in den Darm- kanal ist diejenige, wo das Intestinum sich gegen den Magen abschnürt (Taf. XV^III, Fig. 5, 6, 8 u. 10, hc). Sie schlagen von hier aus die Richtung nach hinten ein und laufen mitbin — bei der Ausbildung von zwei Paaren — entweder zu den Seiten des Intestinum entlang oder legen sich, das eine Paar der oberen, das andere der unteren Darrawand auf: letzteres Verhalten zeigt z. B. die Gattung Ligidiuni, bei welcher jedoch das hin- terste Ende aller vier Schläuche sich oberhalb des Darmes zu einem Knäuel vereinigt (Taf. XIX, Fig. 1, h). Bald dem Darmkanal selbst an Länge gleichkommend {Äsdlus: Taf. XVII, Fig. 1, AnnadiUidiwn: Taf. XVIII, Fig. 6), bald hinter derselben beträchtlich zurückstehend {Idothea, PorcrUio: Taf. XVIII, Fig. 5), lassen sie auch ihrem Volumen wie der Beschaffenheit ihrer Oberfläche nach mehrfache Verscliiedenheiten wahrnehmen. Es kann nämlich ihr Contour entweder {Asellus: Taf. XVII, Fig. 1) nur sehr kleine wellige Einkerbungen, der Grösse der ihre Wan- dungen besetzenden secernirenden Drüsen entsprechend, darbieten, oder derselbe kann tief und auf beiden Seiten alternirend eingeschnitten {Ar- madiUidium: Taf. XVIII, Fig. 6) erscheinen. Im letzteren Falle bieten diese Schläuche, was in besonders ausgesprochenem Maasse bei Oniscus und Porcellio der Fall ist, das Bild dar, als seien sie in Windungen um ihre Axe gedreht. Während die Leberschläuche bei der Sechs- und Vierzahl dem Darm- kanal im Allgemeinen an Volumen nachstehen, nehmen sie, auf ein ein- zelnes Paar reducirt, an Weite oft sehr beträchtlich zu. Schon bei Pa- ranthura erreichen sie bald nach ihrer Einmündung in das hintere Ende des Magens, bei welcher sie sich retorteuiörmig abschnüren, völlig die Weite des Intestinum, während sie bei den parasitisch lebenden Formen diese, wie es scheint, durchweg selbst sehr beträchtlich übertreffen. Bei Gyge finden sie sich als zwei sehr voluminöse und unregelmässig gewun- dene, cylindrische, parallel neben einander herlaufende Schläuche ventral- seits von dem Darmkanal, den sie wohl fünf- bis sechsmal im Quer- durchmesser übertreffen, vor, indem sie vielleicht auch hier schon ihre ursprüngliche Funktion als galle-absondernde Drüsen aufgegeben haben und die in den Magen gelangende flüssige Nahrung in sich aufzunehmen bestimmt sind. Mit Sicherheit beobachtet ist diese ihre Betheiligung an der Aufnahme der Nahrung bei den parasitisch lebenden Weibchen von Anceiis (Pranim), Hcmioniscus, Cruptoniscus und Verwandten, bei welchen, wie bereits oben bemerkt, auf ihre Kosten der eigentliche Darm verküm- mert oder selbst ganz schwindet, während sie selbst die Form von sehr voluminösen, ja sogar den grössten Theil der Leibeshöhle einnehmenden Säcken {Hcmioniscus: Taf. X, Fig. 13 u. 14, in) annehmen. Die Struktur der Leberschläuche anlangend, so bestehen dieselben aus einer zarten, strukturlosen Aussenmembran, welcher sich eine Schicht Or^nnisation, 75 dicht aneinander gedrängter, einzelliger, gegen das Lumen halbkiiglig hervorspringender Drüsen (Asilhts: Taf. XVII, Fig. 1, 2, ArmadilMium : Taf. XIX, Fig. 3) in der Richtung nach innen anschliesst. Dass diese Drüsenschicht an ihrer Oberfläche wieder von einer zarten Cuticula beklei- det wird, ist, obwohl es von Lereboullet für die Oniscinen direkt in Ab- rede gestellt wird, nach der Analogie zu vermutben. Das im Lumen der Leberschläucbe enthaltene braungelbe Secret dieser Drüsen lässt zahlreiche zellenförmige Körperchen in sich suspendirt wahrnehmen, welche Lere- boullet zu der Ansicht veranlassten, es handele sich bei denselben um Drüsenzellen, welche sich von der Schicht abgelöst hätten und welche ununterbrochen durch neu gebildete ersetzt würden. Dieses als Galle zu betrachtende flüssige Contentum wird durch einen kurzen Ausführungsgang, unter welchem sich die beiden Leberschläuche derselben Seite vereinigen, in den Darmkanal entleert; in diesen münden die beiden Ausführungs- gänge dicht bei einander auf der Mitte seiner oberen Wand. Mit der Um- wandlung der nur zu einem Paar vorhandenen Leberschläuche in weite Verdauungssäcke, wie sie den parasitischen Isopodcn zukommen, scheinen die secernirenden Drüsen zu schwinden; wenigstens geschieht ihrer in solchen Fällen keine Erwähnung. Im Gegensatz zu den, wie es scheint constant vorhandenen Leber- schläuchen treten anderweitige, mit dem Darmkanal in näherer Beziehung stehende Drüsen nur bei einzelnen /soj^odm-Gattungen auf. Als solche sind z. B. zwei sehr umfangreiche Drüsengruppen zu erwähnen , welche sich seitlich dem erweiterten vorderen Darmabschnitt der Gattung Gygv. (Taf. XVIII, Fig. 1, 2, (ß) anlegen und sich auch noch auf eine kleine Strecke des darauf folgenden cylindrischen Theiles fortsetzen. Dieselben bestehen ans einer grossen Anzahl niaulbeerförmig aneinander gelagerter kugliger Acini mit granulirter Oberfläche und werden von Cornalia als „Speicheldrüsen" in Anspruch genommen. Ob ihnen indessen eine der- artige Bedeutung zugesprochen werden kann, muss schon mit Rücksicht auf ihre Lage sehr fraglich erscheinen, welche fast eher auf einen Zu- sammenbang mit den Zellen des erweiterten Darmabschnittes hindeuten möchte. Eher könnten vielleicht auf den Namen von Speicheldrüsen An- spruch machen kleinere Drüsen, welche von Dohrn zu den Seiten des Oesophagus von Franim (Taf. XV, Fig. 11 u. 12) zu drei und von Paranfhnm zu zwei Paaren aufgefunden worden sind und deren Aus- führungsgänge ihm in den Oesophagus auszumünden schienen. 5. Excretionsorgane. Für Asellus aquaticiis ist zuerst von Zenker auf ein eigenthümliches Organ hingewiesen worden, welches sich in beiden Geschlechtern und in besonderer Auffälligkeit bei jugendlichen Individuen zu beiden Seiten des Darmkanales vorfindet und sich vom drittletzten Mittelleibssegment bis gegen das Ende des Postabdomen hin erstreckt (Taf. XVII, Fig. 7, gl). Junge Individuen lassen, in zwei Parallelreihen angeordnet, je sechs grosse 76 Isopoila, weissg'länzeude Flecke erkenueD, von denen die drei vorderen je einem der drei letzten Mittelleibsringe zukommen, die drei hinteren dagegen auf den grossen Schwanzscliild fallen. Bei anderen Individuen können sich diese grossen Flecke, wie es unsere von 0. Sars entlehnte Figur zeigt, auch je in drei bis vier kleinere, hinter einander liegende auflösen, wäh- rend sie sich bei volhvüchsigen Thieren mit einander zu einer fortlaufen- den Röhre vereinigen, welche zu beträchtlicher Stärke anschwillt und auf ihrer Wandung verästelte dunkele Streifen erkennen lässt. Von diesen mithin zuletzt schlauchförmigen und eine weisse Masse beherbergenden Organen lässt sich eine aus ihrer Mitte entspringende kurze Röhre gegen die Geschlechtsöffnungen hin verfolgen ; doch blieb es zweifelhaft , ob letztere daselbst ausmündet. Der weisse Inhalt besteht aus äusserst kleinen, durchsichtigen, farblosen und stark lichtbrechenden Körnchen, welche sich jedoch bei Anwendung der bekannten Reagentien (Salpeter- säure, Ammoniak u. s. w.) nicht als Harnsäure erweisen. Es scheint demnach die Deutung als Harnorgane ausgeschlossen , während anderer- seits eine Beziehung zu den Fortpflanzungsorganen gleichfalls nicht nach- weisbar ist. Während das seiner Natur nach zur Zeit zweifelhafte Organ bei anderen Isojmdcn bis jetzt nicht aufgefunden worden ist, tritt es nach 0. Sars in wesentlich übereinstimmender Form und Lage bei den Cuma- ceen auf, vielleicht aber auch, wie aus einer " Andeutung von Mi Ine Edwards geschlossen werden kann, bei verschiedenen höheren Drccqwdin- Formen. Leydig, welcher die aus der Bruttasche entnommenen Em- brj'onen des AsrU.us darauf untersuchte, fand dieselben weissen Körnchen, welche sich bei weiter vorgeschrittenen Individuen zu grösseren Massen vereinigen, hier noch in den Zellen des den Darmkanal umgebenden Fett- körpers abgelagert, woraus für die Bedeutung der dieselben später ein- schliessenden Behälter allerdings kaum mehr gewonnen wird, als dass sie nicht als Drüsen angesprochen werden können. An einer fast entsprechenden Stelle der Leibeshöhle kommen übri- gens bei den Oniscincn wirkliche Drüsen, welche von N. Wagner mit den kreideweisseu Organen des Ascihis aqiiaficus — offenbar aber mit Unrecht — verglichen worden sind, vor. Dieselben werden von dem genannten Beobachter nur nebenher bei Beschreibung des Herzens und der aus dem hinteren Theil desselben hervorgehenden Gefässe erwähnt und liegen nach seiner von uns reproducirten Figur (Taf. XIX, Fig. 5, (ß) in grosser Anzahl beiderseits am hinteren Ende des Darmkanals im ganzen Bereich des Postabdomen. Ueber ihre Struktur und Bedeutung müssen detaillirtere Untersuchungen Aufschluss geben. Dass sie mit den im Folgenden zu erwähnenden Spinndrüsen^der Oniseinen identisch sind, kann nach den von Lereboullet über letztere gemachten Angaben kaum angenommen werden. Es ist bekannt, dass die Porcellio- Arten beim Ergriffen werden aus der Spitze ihres letzten als Appimliccs candnlcs bezeichneten Spaltbein- paares eine klebrige Masse hervortreten lassen , welche die Form eines Organisation. 7 7 oft 2 bis 3 cm langen Fadens nach Art des Spinnenfadens auniuinit. Nach Lereboullet's Untersuchungen ist dieselbe das Produkt von Drüsen, welche ihren Sitz beim Ursprung des Basalgliedes jenes Glied- raassenpaares im allerbintersten Theile des Postabdoraeus beiderseits vom Mastdarm haben. Diese Drüsen, welche man aus der Höhlung des Basal- gliedes mit einer Nadel leicht herausziehen kann, sind zu vier bis sechs jederseits vorhanden, halten im Durchmesser ungefähr 0,30 mm und be- stehen je aus etwa zwanzig durchsichtigen Bläschen von uuregelmässig konischer Form, deren Spitzen sich zur Herstellung einer Rosette in einem gemeinsamen Centrum vereinigen. In ihrer Grösse schwankend, messen sie an ihrer Basis bis zu 0,075 mm. Aus einem solchen Knäuel Hess sich verschiedene Male ein feiner cylindrischer Kanal hervortretend wahr- nehmen, der weitere Verlauf desselben im Innern der Gliedmassen jedoch nicht feststellen. Ausser bei Forccilio fanden sich diese Drüsen auch bei Oniscus und ArmadUlkUuni, welche Gattungen dadurch in eine gewisse Analogie mit den Arancinni treten; ihre Falfs spurii des letzten Paares würden die Rolle der Spinnwarzen jener, wenngleich in viel unvollkom- menerer Weise, übernommen haben. 6. Cirkulationsapparat. Mehr oder weniger eingebende Untersuchungen über den Cirkiüations- apparat der Jsopoden sind bisher von Rathke an Idoflica und Äcga, von Brandt, Lereboullet und N.Wagner an PorcdUo, von Lereboul- let an Ligidium, von Kowalevsky an Idothea, von 0. Sars an ÄscUus und Jdcm, von van Beneden und A. Dohrn an Anccits (Praniza) und von Dohrn an Paranthnm angestellt worden. Die von diesen Autoren gemachten Angaben, unter denen die von Kowalevsky herrührenden für die folgende Darstellung nicht verwertbet werden konnten, weichen indessen so vielfach und in so wesentlichen Punkten von einander ab, dass es zur Zeit schwer hält, sich nur ein einigermassen einheitliches Bild von diesem Organsystem zu construiren. Als allen bisher unter- suchten Gattungen gemeinsam ergiebt sich im Grunde nur ein in der hin- teren Körperhälfte liegender länglicher Herzschlauch, aus dessen vorderem Ende ein die Richtung gegen den Kopftheil einschlagendes Gefäss (Aorta) hervorgeht. A. Das Herz hat die Form eines bald schlankeren, bald gedrunge- neren spindelförmigen Schlauches {Ligidium : Taf. XIX, Fig. 4, c), welcher hinterwärts blind endigt und dessen deutlich muskulöse Wandungen so- wohl Längs- wie Ringfasern erkennen lassen. Während es sich durchweg auf den Hinterleib und die letzten Ringe des Mittelleibs, in deren Mittel- linie es dicht unter den Rückenschienen gelagert ist, beschränkt, bietet es in Betreff seiner Längserstreckung doch je nach den einzelnen Gat- tungen nicht unwesentliche Differenzen dar. Bei den Oniscinen (Ligidium, PorccUlo: Taf. XIX, Fig. 5, c) reicht es vom vorletzten Segment des Hinterleibs bis in das vierte des Mittelleibes hinein und kommt somit 78 liopoda. last der Laiben Körperlänge gleich. Kürzer wird es schon bei Jdothea, wo es nach Rathke mir den Hinterrand des fünften Mittelleibsringes erreicht und noch kürzer bei Aeya, wo es nur wenig in den Mittelleib nach vorn hineinragt. Bei Asellus beginnt es nach 0. Sars' bildlicher Darstellung (Taf. XVII, Fig. 7, co) erst im vordersten Theil des grossen Endsegmentes des Hinterleibs, während seine vordere Grenze — bei der ganz allmählichen Entwicklung der Aorta aus demselben — nicht genau festzustellen ist. Sollte es bei Jacra, wie 0. Sars mit Sicherheit be- obachtet haben will, sich wirklich bis zum Vorderrand des zweiten Mittel- leibsringes erstrecken, so würde es hier eine ganz ausnahmsweise, bei keinem anderen Isojmlen bis jetzt beobachtete Längsausdehnung besitzen und dadurch in einen besonders auffallenden Gegensatz zu demjenigen von Praniza und Pdmntlmra treten. Bei der ersteren dieser Gattungen (Taf XIX, Fig. 11, c) reicht das in seiner vorderen Hälfte ziemlich stark erweiterte Herz nämlich nur von der Mitte des drittletzten Hinterleibs- ringes bis in die Basis des vorletzten (letzten grossen) Mittelleibsabschnittes hinein, so dass es noch bei weitem nicht dem vierten Theil der Körper- länge gleichkommt, während es bei Paranthura (Taf. XIX, Fig. 12, c), wo es im drittletzten Hinterleibssegment breit beginnt und, schmaler wer- dend, in der Mitte des sechsten Mittelleibsringes schon wieder endigt, nicht mehr als den sechsten Theil der Gesammtlänge erreicht. In ganz auffallendem Maasse verkürzt erscheint das Herz endlich nach F. Müller- bei Cassidina, wo es, von zugespitzt ovalem Umris-s, sich auf die beiden letzten Mittelleibs- und den ersten Hinterleibsring beschränkt, ferner bei Entoniscus Porcdlauac und Cancronim , wo es, von kugliger Form, beim Weibchen im ersten, beim Männchen im dritten Hinterleibsringe ge- legen ist. Die Umhüllung des Herzens durch zartes, grossmaschiges Binde- gewebe, durch welches dasselbe zugleich an die benachbarten Theile an- geheftet ist, wird für verschiedene der genannten Gattungen hervorgehoben. Die gleichzeitig gemachte Beobachtung, dass in den Hohlräumen dieser Bindegewebshülle Blut circulirt, legt die Annahme nahe, dass dieselbe zu dem Herzen selbst in dem Verhältniss eines Pericardialsinus stehe. Neben den später zu erwähnenden, aus den Wandungen des Herzeus entspringenden paarigen Gefässen sind au demselben bei verschiedenen Gattungen Spaltöffnungen nachgewiesen worden, durch welche vermuthlich das in den Kiemen arteriell gewordene Blut wieder in das Herz zurück- tritt. Die Angaben über diese Spaltöffnungen lauten indessen zum Theil sehr unbestimmt und verschieden. Bei Paranthura soll der innerhalb des Hinterleibs gelegene Theil des Herzens deren zwei, „eine tiefer gelegene rechts, die andere etwas höher links" besitzen und zwei andere vtnöse Spalten sollen dem in den Mittelleib hineinragenden Abschnitt zukommen. Dem Herzen von Praniza (Taf. XIX, Fig. 11, ov), werden „vier seitliche Spalten, in jedem Hinterleibssegment eine" zugeschrieben. Bei Porcdlio spricht N. Wagner das eine Mal in höchst unbestimmter AVeise davon. Organisation. 79 dass drei der sechs vorhandenen „Herzkammern" von „den mit Klappen versehenen halbmondförmigen Oeffuungen" durchbohrt seien und erwähnt derselben später noch einmal als „seitliche Oeffnungen", durch welche das im Hinterleib cirkulirendc Blut in das Herz zurücktrete. Bei Asclhis (Taf. XVII, Fig. 7, os) vermuthet 0. Sars paarige seitliche Spalt- öffnungen in jedem der vom Herzschlauch durchlaufenen Körpersegmente, wenngleich er solche nur zu drei Paaren, und zwar den drei hinteren Mittelleibssegmenten entsprechend, direkt wahrzunehmen vermocht hat. Das sich durch die ganze Länge des Hinterleibes erstreckende Herz von Anilocm besitzt nach F. Jlüller vier (oder fünf?), abwechselnd rechts und links liegende Spaltöffnungen, dasjenige von Cassidina deren zwei Paare, von Entoniscus sogar nur ein einziges Spaltcnpaar. Bei Crijpto- niscus hat Fraisse dagegen wieder zwei Paare beobachtet. B. Die Aorta ist ein feines, cylindrisches Gefäss, welches ungleich zartere Wandungen als das Herz besitzt und aus dem vorderen Ende dieses entweder unter ganz allmählicher Verjüngung (PorcelUo, Ligidium, Asellus : Taf. XVII, Fig. 7, ao, XIX, Fig. 4, 5, ao) oder in scharfer Ab- schnürung (Praniza, Pamnfhum: Taf. XIX, Fig. 11, 12, ao) hervorgeht. Bei Jaera, Paranthum und Praniza kann sich das Herz durch eine dop- pelte innere Klappe gegen die Aorta hin abscliliessen. Abweichend von allen vorstehend erwälinten Gattungen, bei welchen die Aorta als einzel- ner Gefässstamm die gerade Richtung gegen den Kopftheil hin einschlägt, soll dieselbe bei Tdofhca nach Rathke's Angabe sich schon nach kurzem Verlauf gabeln und es sollen die beiden aus ihr hervorgehenden Aeste, nur wenig divergirend, auch ihrerseits in den Kopftheil eindringen. Bei Acga würden nach demselben Beobachter zwei solche neben einander her laufende Gefässstämme sogar gleich von vorn herein getrennt (?) aus dem Herzen entspringen, um denselben Weg gegen den Kopftheil hin einzuschlagen. Das Verhalten der unpaaren Aorta hat sich bei den darauf näher untersuchten Gattungen als ein sehr verschiedenes herausgestellt. Bei Praniza (Taf. XIX, Fig. 11, ao) giebt sie wäbrend ihres langen Verlaufes vom Herzen bis zum oberen Gehirngauglion keinerlei Zweige ab und ver- liert, bei der Oberlippe angelangt, ihre Wandungen, um das aus ihrer vorderen Oeffnung hervortretende Blut von nun an zwei divergirenden Strömungen mitzutheilen. Bei Paranihura (Taf. XIX, Fig. 12, ao) zeichnet sie sich dagegen schon im Bereich der Mittelleibssegmente durch wieder- holte Abgabe von Seitenästen aus, welche sich jedoch eigenthUmlicher Weise auf die vier vordersten concentriren ; im ersten und vierten Mittel- leibssegment ist es je ein, im zweiten und dritten dagegen sind es je zwei Paare von Arterien (Fig. 12, p), welche in rechtem Winkel von der Aorta abgehen, um sich nach kurzem Verlauf in mehrere Zweige aufzulösen. In welcher Weise sich das in den Kopftheil eintretende vorderste Ende der Aorta verhält, ist bis jetzt nicht näher festgestellt worden. 80 Isopoda. Das bei weitem complicirteste Verhalten bietet nach der Darstellung N. Wagner' s die Aorta bei der Gattung PorcelUo dar. Schon während ihres Verlaufs durch die vorderen Mittelleibsringe sich verzweigend, giebt sie beioi Eintritt in den Kopftheil jederseits einen kleinen Ast zum Magen ab. Sodann gegen das Kopfdach hin aufsteigend, sendet sie zwei starke Arterien an das Ganglion supraoesopliageum , welche sich auf diesem ver- zweigen, bis sie, am Vorderrand angelangt, sich gabelt und den Oesopha- gus mit ihren Endästen umfasst. Letztere verbinden sich an der Unter- seite des Kopftheiles wieder zu einer Schlinge, aus welcher mehrei-e Paare von Arterien zu den Fühlern, Augen, Mundtheilen und zum Gang- lion infraocso/iJiageuni hervorgehen; ausserdem und zwar aus dem untersten und hintersten Theil der Schlinge auch eine unpaare Arterie, welche, in den Mittelleib eintretend, ihre Zweige an die Leberorgane abgiebt. In der Vierzahl vorhanden, laufen diese Zweige an der Innenseite der vier Leberschläuche der ganzen Lauge nach herab (Taf. XIX, Fig. 6). C. Gefässsystem. Im nächsten Auschluss an die Aorta gehen aus dem vorderen Theil des Herzens bei verschiedenen /so/)0(?cy«-Gattungen zwei oder {Fnniiza} selbst vier Arterienstänime hervor, welche der Aorta an Stärke nur wenig nachgeben. Bei Pranim entspringen diese vier Ar- terien mit der Aorta fast gemeinsam aus einer und derselben Stelle, schlagen indessen sofort eine verschiedene Richtung ein, indem die beiden vorderen (Taf XIX, Fig. 11, la) sich der Aorta dicht anlegen und sie auf mehr als die Hälfte ihrer Länge nach vorn hin begleiten, während die hinteren (Fig. 11, n^j) sich im spitzen Winkel schräg nach aussen und vorn wenden. Erstere beide biegen bald hinter der vorderen Grenze des erweiterten Körperabschnittes von Fmniza nach aussen und vorn ab, um sich in zwei Gabeläste zu spalten; letztere bleiben überhaupt unver- ästelt und ergiessen aus ihrem freien Ende — in gleicher Weise wie jene aus ihren Spaltästeu — ihr Blut frei in die Leibeshöhle. Da das gesammte Gefässsystem von Praniza sich auf diese beiden Arterienpaare beschränkt, so erscheint es in höchst einfacher Weise angelegt und stellt sich hier- durch in einen auffallenden Gegensatz zu demjenigen von PamnfliHra, welches mit ihm den mit der Aorta gemeinsamen Ursprung von Arterien- Stämmen aus dem vorderen Theil des Herzens theilt. Hier sind jedoch diese sich der Aorta dicht anlegenden und sie in ihrem Verlauf nach vorn bis zum Vorderrande des zweiten Mittelleibssegmentes begleitenden Haupt- Arterienstämme nur zu einem Paare (Taf. XIX, Fig. 12, la, la) vorhan- den, während zwei andere, den beiden letzten Mittelleibsringen entspre- chende Paare hinter ihnen aus den Seitenwandungen des Herzens hervor- gehen und sich, die Richtung nach rechts imd links einschlagend, im Bereich der betreffenden Leibesabschnitte mehrfach verästeln. Die aus den beiden Haupt-Längsarterienstämmen entspringenden Seitenäste (Taf XIX, Fig. 12, r, r) sind zu vier Paaren vorhanden und stehen gewissermassen in einem vikariirenden Verhältniss zu den sich von der Aorta abzweigen- den: im fünften Mittelleibssegment nämlich, wo letztere fehlen, sind sie Urganisatioii. g]^ stärker und verästeln sie sich mehrfach, im zweiten, dritten und vierten dagegen, wo jene vorhanden sind, erscheinen sie schwächer und unverästelt. Erst nahe dem Vorderi-ande des zweiten Mittelleibssegmeutes, unmittelbar nach Abgabe ihrer vordersten Seitenäste, enti'eruen sich die beiden Längs- Arterienstämme von der Aorta, um schräg nach aussen und vorn gegen die Seitenränder des ersten Mittelleibssegnientes zu verlaufen. In geringer Entfernung hinter der Aorta nehmen ferner nach Rathke auch bei Idothea jederseits nahe bei einander zwei Gefässe ihren Ursprung, welche nach vorn und aussen verlaufen und bis in die Seiteneckeu des zweiten Mittelleibssegments verfolgt werden konnten; hier sollen sie seiilingenförmig in einander übergehen (?) und Gefässe für die naheliegenden Muskeln und Eingeweide abgeben. Dass bei den Oniscinen {Porcellio, LujkUam) ein einzelnes Paar grösserer Gefässe (Taf. XIX, Fig. 5, ir) dicht hinter dem Ursprung der Aorta aus der Herzwaudung hervorgeht, um die Richtung nach vorn und aussen einzuschlagen, ist bereits von Brandt und LerebouUet fest- gestellt worden; doch war es erst den auf Injektionen fussenden Unter- suchungen N. Wagner 's vorbehalten, das Verhalten derselben im Ein- zelnen genauer zu ermitteln. Dieselben geben zunächst während ihres Verlaufes nach vorn im rechten Winkel vier starke Seiteuäste zu den vier vordersten Beinpaaren ab, sodann in der Richtung nach innen, und zwar an derselben Stelle, wo die Arterie des ersten Beinpaares sich nach aussen abzweigt, einen starken Ast an die Fortpflanzungsorgane, welcher sich beim Weibchen gabelt und beide Zweige längs der Aussenseite der Ovarien herablaufen lässt. Das vorderste Ende dieser beiden Längsstämme löst sich endlich innerhalb der Seitentheile des vordersten Mittelleibsringes in mehrere Arterienzweige für die dort liegenden Muskelpartien auf, scheint aber ausserdem feine Verzweigungen an die untere Hautschicht (Hj'podermis) abzugeben (?). Dass sich, wie Brandt beobachtet haben will, von der Innenseite der Längsstämme auch Arterienzweige an den Vorder- und Hinterdarm begeben, wird von N. Wagner nicht erwähnt. Ueber den Ursprung paariger Arterien aus den Wandungen der hin- teren Herzpartie hat zuerst Rathke für Idothea und Aega,, später Brandt und LerebouUet für die Oniscinen {Porcellio, Ligidinin) Nachricht ge- geben. Bei Idothea konnte Rathke die Zahl derselben nicht genau ermitteln, doch glaubt er deren mindestens fünf Paare erkannt zu haben, welche er an die Muskeln der hinteren Beinpaare und der ,, Kiemen" gehen sah. Bei Aega spricht derselbe nur von „mehreren", gleichfalls zu den Kiemen verlaufenden Gelassen. LerebouUet fand solcher paa- rigen Gefässe bei Ligidinin fünf, bei Porcellio vier, während Brandt bei letzterer Gattung deren nur drei darstellt; dieselben sind auch nach diesen beiden Beobachtern für die „Kiemen" bestimmt, obwohl wenigstens in der LerebouUet 'sehen Zeichnung von Porcellio ihr Verlauf innerhalb der drei letzten Mittelleibsringe einer solchen Annahme direkt widerspricht Nach den neueren Untersuchungen N. Wagner' s über den Circulations- Bronn, Klassen des Tliiev-Keirlis. \'. 2. (3 82 Isopoda. apparat von PorceJlio stellt sich nun auch in der That, wie zu erwarten war, heraus, dass drei vordere starke, in anniihernd gleichen Abständen von einander aus den Seitenwandungen des Herzeus abgehende Arterien- paare sich direkt in die drei hinteren Beinpaare hineinbegeben, während erst sehr viel weiter nach hinten im Bereich des Postabdomen zwei Paar kleinere Gelasse entspringen, welche für die dort liegenden Muskeln und eigenthiimlichen Drüsengruppen bestimmt sind. Diesen folgt sodann nach N. Wagner am hintersten Ende des Herzschlauches noch ein drittes Paar, welches um den Mastdarm herum auf die Bauchseite gelangt, um an dieser in paralleler Richtung nach vorn bis an die Basis des ersten Paares der Pedcs S2>nrn zu verlaufen und sich hier schlingenförmig zu vereinigen. In diese als „Kiemenarterien" bezeichneten Gefässe münden die in den Respirationsorganen circulirenden Blutströme ein. So verschieden nun die Angaben über den Ursprung der Arterien bei den vorgenannten Gattungen lauten und so wenig daran zu zweifeln ist, dass erneuete Untersuchungen noch manche in denselben hervortretende Lücken und Widersprüche beseitigen werden, so stimmen sie, von Paran- thtim abgesehen, wenigstens darin mit einander überein, dass alle grösseren Stämme nur direkt aus dem Herzen hervorgehen und sich mithin auf die hin- tere Körperhälfte concentriren. Dem gegenüber muss es Bedenken erregen, wenn 0. Sars sich für Aselbis der Ansicht zuneigt, dass bei dieser Gat- tung innerhalb jedes der sieben Mittelleibssegmente ein Arterienpaar aus dem Centralorgan des Gefässsystems seinen Ursprung nehme, um sich auf direktem Wege in das ihm entsprechende Beinpaar hineinzubegeben ; denn es könnte dies nur in der Weise gedacht werden, dass die vorder- sten dieser Arterienstämme nicht mehr aus dem Herzen sondern ans der Aorta hervorgingen. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden genauere Untersuchungen auch für Äsellus ergeben, dass nur die drei hinteren Beinpaare ihre Gefässe direkt aus dem Herzen, die vorderen dagegen aus zwei grösseren Arterienstämmeu empfangen, welche wie bei Porcdlio u. A. in der Nähe des Aorten-Ursprunges sich abzweigen. Auch das könnte u. A. zweifelhaft erscheinen, dass, da bei den Oiüscinen geschlos- sene Arterien in die Fühlhörner eintreten, dieselben bei Äsdlns nur durch lacunäre Blutströme ersetzt sein sollen. Andererseits dürfte es freilich immerhin gerechtfertigt erscheinen, die Frage aufzuwerfen, ob die von N. Wagner durch Injektionen von Carminlösung gewonnenen Bilder von dem Gefässsystem der Gattung Porccil'to in der That zu dem Schhiss berechtigen, dass überall da, wohin jener Farbstoff eingedrungen, es sich um mit Wandungen versehene Gefässverzweigungen handele. Unter allen Umständen ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass gleichwie die Blutflüssigkeit zuletzt aus geschlossenen Gelassen sich in Hohlräume er- giesst, so auch die Carminlösung aus der terminalen Oeflfnung jener aus- getreten sein könne. Wenn es nun aber auch einerseits nicht gerade wahrscheinlich ist, dass so ähnlich gestaltete und nach den verschiedensten Richtungen hin I Organisation. g3 gleich vollkommen organisirte Jsojwden-Formen , wie die jhcUinen und üiiisclncn, so aiit'falleude Verscliiedeulieiteu iu deu Kreislanfsorgauen, wie die eben angedeuteten, besitzen sollten, so können doch andererseits be- trächtliche Abstufungen in der Ausbildung eines Gefässsystems ebenso wenig bei systematisch sich ferner stehenden Gruppen, wie je nach dem Altersstadium der Individuen irgendwie in Frage kommen. Bei dem zweiten Entwickhingsstadium von Crypfontscm pwßiri, an welchem schon ein beträchtlicher Grad der ritckschreitenden Metamorphose in die Augen fällt, konnte Fraisse im Anschluss an den mit zwei Spaltpaaren ver- sehenen und schnell pulsirenden Herzschlauch arterielle Gefässe überhaupt nicht wahrnehmen, und ebenso wenig werden solche von F. Mililer für das kurze, kuglige Herz der Gattung Entonisciis erwähnt. Ob solche in einem früheren Entwicklungsstadium vorhanden sind , ist bis jetzt nicht festgestellt, während dagegen an dem noch weiter degradirten dritten Stadium nicht einmal das Herz selbst noch zu erkennen war — ein Um- stand, dessen auch von Buchholz für das spätere Entwicklungsstadium der Gattung Henüoniscus Erwähnung geschieht. Während bei diesen schmarotzenden Asseln also otFenbar das Gefässsystem in gleicher Weise wie die Körpersegmentirung und die Gliedmassen mit zunehmendem Alter in der Rückbildung begriffen ist, wird es durch andere Beobachtungen ausser Zweifel gestellt, dass bei jugendlichen Individuen verschiedener freileben- der Isopoden die Ausbildung arterieller, aus den Herzwandungen hervor- gehender Gefässe noch nicht vor sich gegangen ist. Lereboullet, welcher dies zuerst für die Landasseln festgestellt hat, giebt an, dass au dem Herzschlauch eines jung ausgeschlüpften Porcellio (Taf. XIX, Fig. 8, c) sich nur eine nach den Individuen schwankende Zahl von Spaltöffnungen {ov), welche durch Klappen verschliessbar und meist nicht einmal sym- metrisch angeordnet waren, dagegen keine Andeutung von Arterien er- kennen Hess und dass an der vorderen Grenze des Herzens, von welcher später zu den Seiten der Aorta die grossen Längsgefässe abgehen, sich auch nicht einmal Spaltöffnungen vorfanden. Ebenso wenig erwähnt auch F. Müller an dem von ihm dargestellten Herzschlauch einer jungen Cassi(li)ia und gleichfalls jungen Aiülocm irgend welcher Gefässstämuie, sondern nur der auch hier sehr deutlichen Spaltöffnungen. D. Kreislauf. Der an seinem hinteren Ende geschlossene Herz- schlauch in Verbindung mit den seine Wandungen durchsetzenden venösen Ostien und mit den aus denselben weiter nach vorn abgehenden arteriellen Gefässen lässt den Kreislauf der Isopoden nur in der Weise denkbar er- scheinen, dass das Blut durch die Contraktion der Herzwandungeu in der Richtung nach vorn und peripherisch in den Körper getrieben wird und dass es, auf denselben Wegen nach hinten zurückkehrend und nachdem es im Be- reich des Hinterleibes durch Contakt mit den Athmungsorganen chemisch ver- ändert worden ist, durch die venösen Ostien wieder in das Herz zurücktritt. Sind ausser der Aorta geschlossene Gefässe überhaupt nicht vorhanden oder fehlt, wie es nach den bisherigen Angaben über verschiedene Bopyriden G* g4 IsopoJa. scheint, selbst diese, so bleibt nur die Annahme übrig, dass von den allein vorhandenen, durch Klappen verschliessbaren Spaltötfnungen die einen dem Ausstossen, die anderen dem Wiedereintritt der Blutflüssigkeit dienen. Dass direkte Beobachtungen über den Blutlauf in sehr geringer Anzahl und in keineswegs erschöpfender Weise vorliegen, erklilrt sich aus der meist sehr undurchsichtigen Beschatfenheit des Integunients wenigstens bei der Mehrzahl der ausgewachsenen Tsopoden zur Genüge. Bei Asdhis aqiiaficus würde nach der Darstellung von 0. Sars die Hauptmenge des in die Aorta getriebenen Blutes, nachdem Läufe desselben in die Fühlhörner eingetreten sind, sich bauchwärts wenden, um in zwei Strömen beiderseits von der Mittellinie des Körpers die Richtung nach hinten einzuschlagen. Diese, durch die aus den Beinen zurückkehrenden Blutläufe beträchtlich verstärkt, würden sodanu durch Oefifnungen(?), welche in die KiemenfUsse führen, in letztere eintreten, nachdem sie zuvor noch einen Lauf an das Endsegment des Hinterleibs und an die Endgritfel ab- gegeben haben. Nachdem das Blut im Innern der lamellösen Kiemen einen sehr lebhaften Rundlauf durch das ganze sehr reiche Kanalnetz derselben ausgeführt hat, tritt es aus denselben fast an derselben Stelle in die Leibeshöhle zurück, um aus dieser durch die venösen Osticn wie- der aufgenommen zu werden. Am deutlichsten ist die Circulation der Blutzellen wahrzunehmen in den Fühlern, Beinen, dem grossen End- segment des Hinterleibs und in der äusseren Lamelle des ersten Paares der Kiemenfüsse. An der Basis der beiden crsteren häufen sich die grossen ßlutzellen an, um längs der RUckenseite bis zur äussersten Spitze einzudringen und von da längs der entgegengesetzten Seite wieder zurück- zukehren. Linerhalb der Ausseulanielle des ersten Kiemenfusspaares be- schreiben sie regelmässig grössere und kleinere Bögen. An den Oniscincn lässt sich der Blutlauf, wenigstens bei erwachsenen Individuen, wegen der Undurchsichtigkeit des Integuments in seiner To- talität nicht beobachten; höchstens dass er bei Individuen, welche man in der Rückenlage unter Wasser fixirt (Lereboullet), im Bereich der Pedes spurü verfolgt werden kann. Für den übrigen Körper wird er also nur aus der Vertheilung der vom Herzen abgehenden Gefässe geschlossen werden können und aus dieser auch nur dann, wenn es festgestellt ist, ob dieselben sämmtlich als arterielle, oder theilweise als venöse zu be- trachten sind. Letzteres ist wahrscheinlich für die hinter den Beinarterien in das Herz einmündenden Gefässe, welche das Blut aus den Respirations- organen dem Herzen wieder zuzuführen scheinen und in diesem Fall nicht (nach N. Wagner) als ^4rfc>-('«e brandiiales, sondern, wie es Lere- boullet thut, als Vcmie hranehialcs {Taissecmx hmncltio-cayilinqucs) zu bezeichnen wären. Für die Bedeutung dieser letzteren kommt aber wieder der Umstand in Betracht, ob neben ihnen noch Spaltöffnungen im hinteren Theil des Herzens vorhanden sind, wie es von N. Wagner angegeben wird, oder ob solche den ausgewachsenen Individuen — im Gegensatz zu den ganz jugendlichen — nach Lereboullet fehlen. Beide Autoren Organisation. 85 nehmen im Hinterleib zwei seitlieh vom Herzen liegende wauduugslose Blutläute au, welche das aus dem Vorderkörper zurückkehrende Blut in sich ansammeln ; doch gehen ihre Ansichten darüber auseinander, wie sieh dieses Blut zu den Athmungsorganen verhält. Nach Lereboullet würde nämlich die gesammte sich hier ansammelnde Blutmenge durch die Re- spirationsorgane hiudurchgetrieben, um aus diesen durch die allein mit dem Herzen commuuicirenden Venae limncJiicdcs arteriell wieder in das- selbe zurückzutreten. N^. Wagner dagegen glaubt, dass von den beiden grossen abdominalen Blutläuf'eu sich nur Abzweigungen in die lamellösen Pedrs siiKrii — und zwar zunächst in die zur Luftrespiration dienenden Kiemendeckel , dann erst in die darunter liegenden Kiemen — begeben, dass dagegen die Hauptmasse des Blutes nicht oxydirt, also direkt durch die seitlichen Spaltöffnungen in das Herz wieder eintritt. Es würde nach ihm also eine Vermischung des durch die Vcnac hmncliiaJcs zurück- geführten Kiemenblutes mit dem — ofltenbar quantitativ überwiegenden — Körperblut vor sich gehen ('?). Leichter ist es, sich eine Einsicht iu die Blutcirculation an den zart- häutigen, aus der Bruttasche des Weibchens entnommenen Jungen der Forceümwn oder an den noch in der Eihülle steckenden Embryonen zu verschaffen. Bei letzteren ist nach Lereboullet's Beobachtungen noch keine deutliche Scheidung von Aorta und Herzschlauch wahrzunehmen und das zu dieser Zeit noch einfach spindelförmige Gefäss hinten ge- öffnet. Mit dem bei den ausgeschlüpften Jungen erfolgenden Schluss des hinteren Endes bilden sich die bereits oben erwähnten seitlichen Spaltöffnungen (Taf. XIX, Fig. 8, or), deren lippenförmige Ränder an- geschwollen und mit einem an der .\ussenwand liegenden kugligen Vor- sprung (Taf. XIX, Fig. 9, v) versehen sind, ausserdem eine doppelte innere Klappe (Taf. XIX, Fig. 8, v) auf der Grenze von Herzschlauch und Aorta; von Gelassen ist zu dieser Zeit noch keine Spur wahrzunehmen. Zu beiden Seiten des Herzschlauches lässt sich nun deutlich eine lakunäre Blutbahn erkennen, in welcher die Blutkörperchen die Richtung von vorn nach hinten einschlagen. Beim Embryo treten dieselben durch die Oeff- nuug am hinteren Ende des Herzens oder zugleich durch die schon im Entstehen begriffenen seitlichen Spaltöffnungen in den Herzschlauch ein; beim ausgeschlüpften Jungen dagegen sind es die jetzt schon in grösserer Anzahl ausgebildeten letzteren allein, welche ihnen den Durchtritt gestatten. Bei der Systole scbliessen sich die beiden Lippen der Spaltöffnungen fest aneinander und sperren das Herz gegen den Blutraum ab ; bei der Diastole öffnen sie sich und lassen Blut eintreten. Die Aortenklappe öffnet sich in der Richtung von hinten nach vorn, um Blut aus dem Herzschlauch in die Aorta eintreten zu lassen; ihr darauf folgender Schluss verhindert seinen Rücktritt. Die Pulsationen des Herzschlauches und der Aorta, an welcher sie bis zum Kopftheil verfolgt werden können, sind isochronisch und er- folgen in der Minute zu mehr als zweihundert; durch dieselben werden die Blutkörperchen in der Richtung nach vorn geschleudert. Nur bei Ver- gg, Isopoda. langsamung der Herzthätigkeit werden sie abwechselnd nach vorn und hinten geschoben, während andere beim Eintritt in die Spaltöffnungen einige Zeit lang zwischen den Klappen sitzen bleiben. — Die Blutkörper- chen sind an Form und Grösse verschieden. Bei erwachsenen Keller- asseln (Taf. XIX, Fig. 10) messen die grössten 0,03 mm im Durchmes- ser; sie sind kuglig und besitzen theilweise ein gleichmässig granulirtes Ansehn, theils eine hellere Peripherie oder ein dieser anliegendes licht- brechendes Bläschen. Neben ihnen finden sich sehr kleine, welche oft nur den Körnchen jener grossen gleichkommen, ein durchsichtiges An- sebn und eine unregelmässige Form besitzen ; bei jungen Individuen und Embryonen ist letztere Form die allein vorkommende. In Betreif der Frequenz der Herzpulsationen ist noch die Angabe von Fraisse erwähnenswerth , nach welcher bei Cryptoniscus dieselbe auf 160 in der Minute festgestellt worden ist. Sehr auffallend muss rücksichtlich der Circulation die Angabe A. Dohrn's erscheinen, dass bei ParantJmra die aus dem Herzen und der Aorta seitlich hervorgehenden und sich mehrfach verästelnden Arterien einen Zweig abgeben, welcher sich in das Innere je eines von den Gang- lien zu den Beinen verlaufenden Nervenstammes hineinsenken und inner- halb dieses parallel mit den Fasern des Nerven verlaufen soll. Jeder solcher Arterienzweig soll sich ferner, bei dem Ganglion selbst anlangend, in zwei bis drei Aeste spalten und diese sollen dann ihrerseits sich in dem Ganglion nach verschiedenen Richtungen hin biegen, dasselbe durch- setzen und ihre Blutflüssigkeit in lakunäre Räume, welche sich in dem zwischen Gauglienkette und Bauchwand liegenden Binde- und Fettgewebe vorfinden, ergiessen. 7. Respirationsorgane. Um das durch Zufuhr von Sauerstoff erneuerte Blut dem Herzen auf direktestem Wege wieder zuzuführen, sind die bei allen Isopoden in Form von Kiemen (Braneliiai), bei den Landasseln aber nebenher auch als eine Art von „Lungen" auftretenden Respirationsorgane in seiner unmittelbaren Nähe, nämlich an der Bauchseite des Postabdomen gelegen und werden durch die vorderen Paare der Pedcs ^pnrii oder (in manchen Fällen) we- nigstens durch einige derselben gebildet. Der Mangel solcher respiriren- der Spaltbeine des Postabdomen, mit welchem dann auch stets eine ver- änderte Lage des Herzens verbunden ist, spricht gegen die Zugehörigkeit zu den Isopoden, von welchen z. B. die Scheerenasseln {Tanaidae) trotz mancher anderweitiger Analogien ausgeschlossen werden müssen. Von den sechs am Postabdomen entspringenden Paaren der Fedes spurii betheiligt sich das letzte wenigstens niemals aktiv am Respirations- process, während es in vereinzelten Fällen (Idothm, Archirus, Anfhura) durch abwechselnde Zu- und Abfuhr von Wasser wenigstens passiv dabei mitwirken kann. Wiewohl an den vorhergehenden Paaren die für die I irgauisiitiuM. 87 Ordnung cbarakteristische lamellöse Form der Öpaltäste sowohl wie des unpaaren Basalgliedes die Extremität in ihrem ganzen Umfang für die Athmuug geeignet erscheinen lassen könnte, vollzieht sich der Umtausch der Gase in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle doch nur im Bereich eines bestimmten Theiles, nämlich innerhalb des inneren der beiden Spalt- äste, welcher sich durch seine sehr zarthäutige Beschaffenheit als beson- ders hierzu geeignet erweist. In diesem Fall dient der äussere Spaltast, welcher stärker chitinisirt und dadurch resistenter erscheint, dem äusseren oder in situ: oberen (BrancMa) als ein sich ihm von unten her auflegen- der Schutzdeckel {Opcmdiim). Dieses bei ausschliesslicher AVasserathmung als normal anzusehende Verhalten erweist sich nur danu einigermassen modificirt, wenn durch das in ein Operculum umgestaltete sechste Paar der l'cdcs sjnirii (hJofhea, Ärcturus) ein hinreichender Schutz für die vorangehenden respirirenden Spaltbeinpaare bewerkstelligt wird: unter diesen Umständen scheint der Aussenast der vorderen Pcdes spurii bei seiner gleichfalls zarthäutigen Beschaffenheit nicht immer ganz von der Athmung ausgeschlossen zu sein. In ganz eigenthümlicher Weise findet eine solche Betheiligung des inneren Spaltastes {Operculum) dann statt, wenn neben der Wasserathmung gleichzeitig eine Luftathmuug existirt: bei den als „Landasseln" bezeichneten Onisdnm fungiren nämlich die Aussenäste {Operciäa) als Lungen, die Innenäste dagegen als Kiemen. A. Wasser-Athmuugsorgane. Die normale Fünfzahl der respi- rirenden Spaltbeiupaare, wie sie bei den Idothekkn, Sphucrowidm, Aegidcn, Üymotiioiden , Ancckkn u. A. repräsentirt ist, kann sich ausnahmsweise durch Ausfall oder anderweitige Verwendung einzelner Paare vermindern. Als die bekanntesten Repräsentanten eines derartigen Verhaltens sind besonders die Gattungen Äsdlus und Serolis zu erwähnen, von denen erstere nur drei respirirende Pedes spurii (3. 4. 5.) jederseits , letztere sogar deren nur zwei (4. u. 5.) aufzuweisen hat. Bei Asdlus treten auch die beiden vorhergehenden Paare (Taf. XIV, Fig. 13 u. 14. vom Männchen), von denen beim Weibchen das eine überdies ganz wegfällt, bei ihrer Kleinheit und Umgestaltung, selbst als Hülfsorgane offenbar ausser aller Beziehung zur Athmung, während man von den drei ersten Paaren der Gattung Serolis (Taf. V, Fig. 4a, p^ und Fig. 8) bei der freien Einlenkung ihres verlängerten Basalgliedes und der sehr langen und dichten, kammartigen Randbefiederung der Spaltäste wenigstens mit gutem Grunde vermuthen könnte, dass sie durch ihre Schwingungen für die ununterbrochene Zufuhr neuen Wassers Sorge tragen. Uebrigens zeigen die mit der Athmung betrauten Beinpaare beider Gattungen neben man- chen Uebereinstimmungen auch wesentliche Verschiedenheiten. Zu erste- ren würde ihre sehr ansehnliche Flächenentwicklung, die Theilung des Opjcrc'uhim am vordersten freiliegenden Paar durch eine schrägverlaufende Naht und die vollständige Ueberdachung der hinteren Paare durch dieses Operculum zu rechnen sein. Als Abweichungen dagegen würden sich ergeben, dass bei Serolis die innere (obere) respirirende Lamelle des vorderen 88 Isopoda. Paares dem Opirciäuni an Grösse wenig nachsteht, am hinteren (5.) Paar aber beide Lamellen gleich gross, gleich gestaltet und gleich zarthäutig erscheinen, so dass sie vermuthlich beide ftir die Athmung verwandt wer- den: während bei ÄscUiis die respirirende Inneulamelle des vordersten (3.) Paares beträchtlich kleiner als das Operculum (Taf. XIV, Fig. 15: Männchen, Fig. 18: Weibchen) ist, au den beiden hinteren Paaren (Taf. XIV, Fig. 16) die als Kiemen fungirende lunenlanielle aber uicht nur beträcht- lich kleiner als das Opcrculwn, sondern auch in ihrer Textur wesentlich verschieden von diesem (Fig. 16, i) erscheint. Wird die Respiration von allen fünf vorderen Spaltbeinpaaren in Ge- meinschaft bewirkt, so verhält sich die Ausbildung der Kiemen ungleich seltener au den einzelnen nahezu oder völlig gleich, als dass die Kiemen der vorderen und der hinteren erheblich von einander in Grösse, Form und Struktur abweichen. Ersteres scheint bei den Ance'iden der Fall zu sein, wo das Freiliegen der beiden Spaltäste nebeneinander (Taf. XV, Fig. 1, j)') zugleich eine Betheiligung beider an der Athmung nahe legt. Letzteres — die Ungleichheit — tritt in verschiedenen Abstufungen auf. Bei den Idotheiden ist es neben relativen Formverschiedenheiten ganz beson- ders die Grösse der Kieme, welche in der Richtung vom 1. bis zum 5. Spalt- beinpaare progressiv zunimmt, wenn auch, wenigstens bei Idothea (Taf XIV, Fig. 1 — 5,i)der Grössenunterschied zwischen derjenigen des 5. und 4. Paares ein relativ geringerer ist, als an den vorhergehenden. Ausserdem zeigt sich eine deutliche Differenz darin, dass die Kiemen der drei hinteren Paare der Randwimpern, welche den beiden ersten zukommen, vollständig entbehren: während dagegen die Aussenlade an den drei vorderen Paaren (Fig. 1 — 3, e) bewimpert, an den beiden hinteren wimperlos erscheint. Ein viel auffälligerer Unterschied tritt aber zwischen der Innen- und Aussenlamelle der einzelnen Beinpaare bei Idothea darin hervor, dass letztere am 3. bis 5. Paare (Fig. 3 — 5, e) im scharfen Gegensatz zu der milchartig getrübten inneren (/) glashell und durchscheinend, am 1. und 2. Paare dagegen fast ebenso undurchsichtig (Fig. 1 u. 2, e) wie die innere ist. Es scheinen demnach an den beiden vorderen Spaltbeinpaaren beide Lamellen, an den drei hinteren nur die innere als Kiemen zu fungiren, so dass nur letzteren eine Art Opercidum zukommt. Es erscheint dieses Verhalten, welches demjenigen von Scrolis gerade entgegengesetzt ist, um so eigenthümlicher, als abgesehen von dem Schutz, welcher sämmt- lichen kiementragenden Spaltbeinen durch die grossen flügelthürartigen Klappen (Taf. IV, Fig. 12, j/') verliehen wird, die hinteren Kiemen schon durch die ihnen dachziegelartig aufliegenden vorderen gedeckt sind, der 0])ercida also um so eher entbehren könnten. Wesentlich anders als bei Idothea gestaltet sich das Verhältniss der Aussen- zur Innenlamelle an den fünf Spaltbeinpaaren von Sphacroma (Taf. XIV, Fig. 7 — 11). Während dort eine allmähliche Umformung in der Richtung von vorn nach hinten stattfand, setzen sich hier die beiden letzten Spaltbeiupaare (4. u. 5.) in einen scharfen Gegensatz zu den drei Organisation. g9 vorderen. Bei diesen erscheint die Aussenlade .schmal dreiecliig, lang gewimpert, weniger umfangreich als die Innenlade und diese daher nur zu einem geringen Theile deckend. Am vierten und fünften Paar da- gegen ist die Aussenlade (Fig. 10 u. 11, e) mehr oval, durch eine Quer- naht zweifeldrig, kurz gewimpert und die kleinere Innenlade verhüllend. Diese, an den drei vorderen Paaren sich in ihrer Textur nicht besonders auffallend von der Aussenlade unterscheidend, zeigt am vierten und fünften ein weiches, schwammiges Ansehn und lässt auf ihrer Oberfläche eine grössere Anzahl schräg und parallel verlaufender Wülste, welche durch Furchen von einander getrennt sind, erkennen; sie gleicht mithin einer zarthäutigeu, collabirten Blase, deren Wandungen sich abwechselnd be- rühren und von einander entfernen. — Auch bei Anthura macht sich eine auffallende Ungleichheit wenigstens des ersten den folgenden Paaren der Spaltbeine gegenüber geltend. Am ersten Paar fällt die Grösse des Operciilum (Taf. XIV, Fig. 29, e) nicht nur im Vergleich mit der ihm angehörigen Kieme (?) , sondern auch mit den darauf folgenden Paaren (Fig. 27, 28), welche darunter verborgen liegen, auf; auch ist es durch •eine sehr lange Wimperung des Hinterrandes ausgezeichnet. Während nun die schmale Kieme des ersten Paares einfach laraellös und gleich- massig milchig getrübt ist, erscheinen die relativ grösseren und besonders auch breiteren der folgenden Paare (Fig. 27 u. 28, i) längs ihres Innen- randes durch stärkere Chitinisirung resistenter, im Uebrigen aber von weichem, mehr schwammigen Ansehen und mit zahlreichen, leicht erha- benen Querfalten versehen. Ein sehr viel geringerer formeller Unterschied zwischen den vorderen und hinteren Spaltbeinpaaren macht sich bei den Aciiidcii und Cymothoiden bemerkbar und zwar tritt er am wenigsten an den OpcrciiJis hervor, während die Kiemen auch hier in der Richtung nach hinten sich oft voll- kommener gestalten. Jedoch auch letztere können sich in manchen Fällen an allen fünf Paaren noch ganz gleich, in Form von einfachen, zarthäuti- gen Platten verhalten. So ist es z. B. hei Rocinela Deshaysiana M. Edw., bei welcher die Spaltbeiue in der Richtung von vorn nach hinten allmäh- lich an Breite und Länge zunehmen, während dagegen die Opcrcula, deren Aussenrand einwärts gekrümmt und durch eine leistenartige Ver- dickung verstärkt ist, nach hinten hin an Resistenz verlieren; die Kiemen sind hier den Opcradis an Form und Grösse vollkommen gleich und werden durch sie ganz bedeckt. Aefja hicarinata unterscheidet sich hier- von nur dadurch, dass an den beiden vorderen Paaren die Kieme sehr schmal ist und fast frei liegt, während an den drei hinteren Paaren das- selbe Verhalten wie bei Rocinda wiederkehrt. Die Kiemen der letzten Paare, welche keine Randwimperu besitzen, zeigen sich zuweilen etwas blasig aufgeschwollen. Bei Anilocra mcdltcrranca erscheint das bisherige Verhalten zunächst darin moditicirt, dass das vorderste ßeinpaar sich be- trächtlich vergrössert und dadurch die vier folgenden nur in geringer Ausdehnung hinter sich hervortreten lässt. Die Opcmdu sind oval, nicht 90 Isopoda. gewiuipert, beträchtlich resisteuter als die vou ihnen bedeckten Kiemen, die hinteren jedoch bereits blasenartig anschwellbar. Die Kiemen haben fast denselben Umfang wie die Opcrcida ; die erste derselben ist durchaus platt, die folgenden dagegen in zunehmendem Maasse blasig aufgetrieben. Besonders lässt die fünfte starke Höhlungen in Form von Längsfalten über ihre ganze Ausdehnung hin erkennen und verlängert sich an ihrer Basis zu einem gleichfalls gefalteten Zipfel, welcher nach innen und vorn aus dem Opercuhim hervortritt. An den beiden vorhergehenden Kiemen sind diese Eigenthümlichkeiten ungleich schwächer ausgeprägt, resp. nur angedeutet. Abermals um einen .Schritt weiter geht die Entwicklung dieser Organe hei Ncrocila Uvitfafa M. Edw. (Taf. VIII, Fig. 2G, 29, 30, 31). Das Operculum des ersten Spaltbeinpaares hat eine derartige Grössen- entwicklung erreicht, dass es alle folgenden Paare von unten her bedeckt ; dasselbe ist von ovaler Form, entbehrt der Randwimpern und ist resisten- ter als die folgenden, welche blasenartig aufschwellen können und die unter ihnen liegenden kleineren Kiemen vollständig bedecken. Von den fünf Kiemen jederseits erscheint die erste (Taf. VIII, Fig. 29, i) ganz einfach, lamellös, während die zweite bereits einige sehr feine und un- regelmässige Falten erkennen lässt. Die drei letzten dagegen sind in zunehmendem Maasse (die fünfte: Taf. VIII, Fig. 31, i) in Form unregel- mässiger, schräg verlaufender und theils neben-, theils aufeinanderliegen- der, blasiger Wülste aufgetrieben, jedoch in der Weise, dass diese Auf- treibungen besonders stark an der Basis der Kieme erscheinen, während der freie Rand sich wieder mehr blattartig dünn gestaltet. Auch an diesen Kiemen tritt ein nach vorn und innen gerichteter, auf seiner Fläche gefalteter Appendix frei über den Rand des Opcmduni hervor. — Im Vergleich hiermit gestalten sich die Kiemen von (Jymothoa (ovstnmi Lin.) wieder sehr viel einfacher. Die Spaltbeine drängen sich hier auf einen kleinen Raum zusammen und sind von dem erhärteten Ojiercidum des ersten Paares jederseits ganz bedeckt. Die Opcrcida der folgenden Paare sind zarthäutig und vou den Kiemen, welche sich freilich durch geringere Breite (Taf. VIII, Fig. 25, /) unterscheiden, in ihrer Consistenz wenig unterschieden. Letztere scheinen durchweg blasenartig anschwellen zu können, innerlich jedoch von einem Netz feiner Kanäle durchsetzt zu sein. In ebenso mannigfachen wie zum Theil höchst auffallenden Formen treten die Kiemen bei den einzelnen Gattungen der Bopyrinen, deren schmarotzende Lebensweise zu ihrer Umgestaltung offenbar wesentlich beiträgt, auf Bei den ausgewachsenen Weibchen von Bopi/rns und (j^z/qc (Taf. X, Fig. b) finden sie sich als einfache, quere, von dem Aussen- rand her gegen die Bauchseite eingeschlagene Lamellen, welchen eine Gliederung ganz abgeht vor, so dass auf ihre morphologische Aequivalenz mit dem Innenast der normalen Spaltbeiue nur nach der Funktion ge- schlossen werden kann. Bei jüngeren Weibchen dagegen, welche erst auf dem Wege der Rückbildung begriffen sind (Taf. X, Fig. 3 u. 4), haben sie noch mehr die Form von schmaleren nach hinten zugespitzten Org'aiiisation. 91 Blättcheu, an welchen auch eine Zweitheihing noeli andeutungsweise zu eAennen ist und welche, wie die normalen Pcdcs s^mrii, die Richtung von vorn nach hinte« einschlagen. Setzt sich, wie bei den Gattungen Phrijxus, Ci'pon, Jone u. A. das Postabdomen durch seine Schmalheit deutlich gegen den Mittelleib ab, so erscheinen die als Kiemen fungiren- den Teäes spurii als frei aus dem seitlichen Contour hervortretende An- hänge, welche in diesem Fall jedoch eine sehr verschiedene Form an- nehmen können. Bei Ccpon stellen sie lange und schmale, lanzettlich zugespitzte Blättchen dar, bei Phryxus Uppolytes (Taf. IX, Fig. 1, 2) läng- liche, pralle Blasen, mit eingeschnürter Basis. Phri/.ms pnfjHri (Taf. IX, Fig. 7, 8) zeigt an diesen Anhängen darin eine Rückkehr zu den ur- sprünglichen Spaltbeinen, dass auf einem dünnen Stiel, welcher aus jeder Seite eines Hinterleibssegmentes hervorgeht, neben- oder vor einander zwei beerenförmige Blasen folgen, während bei Jone ein jeder dieser stielartigeu Ausläufer durch Spaltung in zahlreiche sich wieder verästelnde Nebenzweige ein wurzelartiges Ansehen erhält. Von dem hierdurch höchst sonderbar gestalteten Weibchen weicht allerdings das sehr viel kleinere Männchen durch ganz einfache, lang und schmal geisseiförmige Anhänge der Hinterleibssegmente ab. Während so bei den Bopijrinen die Kiemen ihr ursprüngliches mor- phologisches Verhalten als integrirenden Theil der Pedes spurii immer mehr einbüssen und zu direkten strangförmigen Ausläufern der Segmente des Abdomen herabsinken, gehen sie endlich bei den am tiefsten degra- dirten schmarotzenden IsopocJen-Fonaen Cnjptoniscus, Enfoniscus, Hemio- niscus u. A. zugleich mit der verschwindenden Körpersegmentirung völlig verloren. Dass auch den mit Luftathmungsorganen versehenen und daher als „Landasseln" bezeichneten Oniscincn nebenher noch Kiemen zukommen, ist bereits oben erwähnt worden. Auch hier werden sie durch den inneren Spaltast der Pedes sj)iirii hergestellt, sind jedoch nur am dritten bis fünften Paare derselben zur Ausbildung gelaugt; an den beiden vorderen fehlen sie in der Regel ganz oder (Ligia) sind nur noch als geringe Rudimente nachweisbar. Diese Kiemen des dritten bis fünften Paares kommen seltener (Ligidium) den sie bedeckenden Opereidis fast an Grösse gleich, während sie in der Regel beträchtlich kleiner als diese sind; doch machen sich hierin, z. B. je nach den einzelnen Arten der Gattung Porcellio, nicht un- beträchtliche Schwankungen bemerkbar. Sie zeigen auch ihrerseits die Form von zarthäutigen, coUabirten Blasen, deren Wandungen entweder in ihrer ganzen Ausdehnung einander anliegen oder (Ligia, Po)xeUio) sich stellenweise in Form unregelmässiger Längsfalten von einander entfernen. B. Luft-Athmungsorgane. Als solche sind bereits im Jahre 1814 von Latreille die vordersten Paare der Pedes spurii bei den Keller- asseln in Anspruch genommen worden, während sich aus den späteren Untersuchungen von Duvernoy und Lereboullet ergiebt, dass für die 92 Isopoda. Luftathmung der Landasseln im Allgemeinen die Aussenlamellen (Oper- cula) der Hinterleibsbeine überbanpt in Betracht kommen. Was zunächst die Grössen- und Formverhältnisse dieser Opercula be- trifft, so lassen dieselben je nach den einzelnen Gattungen und selbst Arten mehrfache Verschiedenheiten erkennen. Bei Lhjia (oceanica) nehmen dieselben vom ersten bis zum dritten Paare an Grösse allmählich zu, während die beiden hinteren deutlich kleiner sind; das erste Paar ist herzförmig, die folgenden sind rhomboidal mit abgerundetem Aussen- und geradlinigem Innenraude, das letzte erscheint durch den ausgezogenen Hinterwinkel fast dreieckig. Bei Liijhlituii (afiiJc) sind die Opemda des ersten Paares stumpf dreieckig, die des zweiten quer viereckig, mehr denn doppelt so breit als laug, sehr dünn und durchscheinend, die folgen- den mehr rhomboidal. Bei Onlsruf (itnirarhiii) decken sich die aufeinander- folgenden fünf Paare der Opemda dachziegelartig und sind in verschie- denem Maasse der Abstumpfung und Längsstreckung dreieckig (Taf. XIV, Fig. 10—23, r); durch besonders auffallende, messerförmige Verlängerung zeichnet sich das zweite Paar (Fig. 20) der männlichen Individuen aus. Alle erweitern sich an der Aussenseite ihrer Basis in Form eines abge- rundeten Lappens, welcher am ersten Paar (Fig. 19) eine besondere Grösse erreicht und sich hier vor dem stumpf dreieckigen Innentheil, dem er an Umfang wenig nachsteht, durch eine Einfurchung der Fläche scharf absetzt. Eine grosse Zartheit und Durchsichtigkeit zeichnet diese Opcr- cula von Onisens aus, und zwar im besonderen Gegensatz zu denjenigen der Gattungen PorccUio und AnnV(L,L '"w 6 Qrsanisation. der Basis der Kieme, die beiden andern dagegen bcsclireiben zwei pa- rallele Curven im Mittelfelde derselben. E. Athnuing'Sprozcss. Bei der sehr freien Einlcnkung, welche beide Lamellen der respirirenden .Spaltbeine an dem Basalgliede erkennen lassen und bei den Muskeln, welche von diesem in die Basis der beiden Spaltäste sich hineiuerstreckeu, liegen die mit der Wasser-Respiration ver- bundenen Bewegungen auf der Hand. Die hin und her schwingenden, sich abwechselnd hebenden und senkenden Opcrcuhi werden den Kiemen selbst ununterbrochen neues Wasser zuführen und das bereits respirirtc entfernen. Bei einem Verschluss der Kiemenhöhle durch die flügelthür- artigen Pcdcs spurii des sechsten Paares (fdoflicd, ArvfuntA) wird der gleiche Prozess offenbar durch letztere bewirkt werden. In den Kiemen selbst vollzieht sich der respiratorische Prozess auf diosmotischem Wege; die sehr weiche, schwammige Beschaffenheit ihrer beiden Lamellen, zwi- schen welchen das Blut bald (bei glatten Wandungen) in gleichmässiger Vertheilung, bald (bei ialtiger Beschaffenheit) in bestimmten Bahnen cir- culirt, bietet dazu die ausgiebigste Gelegenheit. Die durch ihre doppelte Athmung besonders interessanten Oiüscincn haben nach LerebouUet's Beobachtung zwischen ihren sich daehziegel» artig deckenden Fcd's sjtiirii stets eine Schicht Wasser angesammelt, welche zur Befeuchtung der an den drei hinteren Paaren entwickelten Kiemen (Innenlamelle) und zur Imprägnation derselben mit .Sauerstoff dienen. Wiewohl letztere somit unzweifelhaft die Wasserathnuiug bei diesen Thieren vermitteln, lässt sich nach Lereboullet in ihnen niemals eine Blutcirculation, so lebhaft dieselbe auch in den Opoxidls ist, erken- nen; nur bei ihrer Loslösung stellen sich ihre Hohlräume als mit Blut- zellen gefüllt heraus. Ebenso wenig, ja sogar noch weniger zweifelhait kann die Funktion der Opoxida als Luftathmungsorgane bei sämmtlichen Oniiwn///'o- Exemplaren wurden die vier hinteren Heine (die beiden letzten Paare) nahe bei der Htifte abgeschnitten, drei anderen sogar die acht hinteren (die vier letzten Paare); an noch drei anderen wurdeu gleichzeitig die vier „weissen Körper" entfernt. Während die letzteren nach achtzehn Stunden todt waren, befanden sich die sechs ersteren zu dieser Zeit noch vollkommen kräftig. Achtundzwanzig Stunden nach der Operation starben zwar auch zwei von denjenigen, welchen acht Beine abgetragen worden waren ; da gegen lebten die drei leichter Verstümmelten, welchen nur vier Beine fehlten, noch am vierten Tage, während sie doch mindestens denselben Blutverlust hatten erleiden müssen, wie die der Decklamellen beraubten. In einem anderen Fall wurden drei Porcrff/o-Exemplaren sogar die fünf hinteren Paare von Beinen amputirt, so dass sie von vierzehn nur vier Beine behielten. Drei andere Exemplare wurden wieder gleichzeitig der vier mit Luftkammern versehenen Pedrs spurli beraubt. Letztere waren nach Verlauf von neun Stunden todt, erstere dagegen ganz munter und sogar beweglich; am vierten Tage nach der Operation war noch keine Veränderung an ihnen zu bemerken. Allerdings hätten diese Versuche noch dahin vervollständigt werden müssen, dass unter Belassung der mit Luftkammern versebenen Deck- platten die Kiemen der drei hinteren Paare abgetragen worden wären, um festzustellen, in welcher Weise letztere für die Respiration nöthig oder eutbehrlich seien. Jedenfalls erweisen aber schon die vorliegenden Ver- suche so viel, dass die Kiemen keinen Ersatz für die „weissen Körper" abgeben können und dass letztere mithin, wie dies auch schon aus dem Aufenthalt der Thiere an der Luft hervorgeht, sogar die wichtigeren Ath- mungsorgaue sind. Ein dunkler Punkt liegt freilich noch in dem Um- stände, dass dem Oniscus murariiis, obwohl er sich in seinem Aufenthalt nicht von den gewöhnlichen Kellerasseln (z. B. Porrrllio i^cahn , ilila- fatuü und pictuf<) unterscheidet, die „weissen Körper" ganz fehlen und es ist daher, wie gesagt, zu bedauern, dass sich auf ihn die Versuche mit dem Abtragen der Decklamellen nicht erstreckt haben. 8. Fortpflanzungsorgane. Die im Mittelleib zu den Seiten des Darmkanales gelegenen Fort- pflanzungsorgane setzen sich auch bei den hnpodni aus paarigen abson- dernden Drüsen und gleichfalls paarigen ableitenden Kanälen zusammen. Die Ausniündungsstelle der letzteren fällt bei den männlichen Lidividuen mit der hinteren Grenze des Mittelleibes zusammen, während sie bei den 7* 100 Iso]iorutlamellen aufzufinden ^•ermochte, annehmen zu dürfen. Orjraniäation. 109 dass sie ihre Eier einfach in das Wasser gleiten iiessen. Die neueren Beobachtungen von Hesse (hs73) haben jedoch auch hier das Gegen- theil «rwiesen. Wahrend der nach seinen Angaben in die Monate April bis August fallenden Zeit der Eiablage bilden sich nämlich auch au den Mittelleibsringen der Sy^//acroH(a- Weibchen sehr zarte, in der Mittellinie des Hauches sich deckende Brutlamellen, welche zur Aufnahme der Eier, jedoch nur während der ersten auf ihren Austritt folgenden Zeit, bestimmt sind. Bald nachher entfernen sich dieselben wieder von einander und erscheinen, während die Nachkommenschaft noch in der Entwicklung be- griffen ist, schon aut einen schmalen seitlichen Kand reducirt. Sollten sich diese Angaben Hesse 's bestätigen,*) so würde das abweichende Verhalten vielleicht in dem Kugelungsvermögeu der ISjtlianviiiiiJn), welches eiue Fixirung der Brut in der Höhlung der Bauchseite denkbar erscheinen lassen könnte, eine Erklärung linden. Andererseits ist indessen das Hervorsprossen von Brutlamellen zur Aufnahme der Eier keineswegs ein allen ho^wdin-WcihchcTi zukommendes. Bei Pranizn z. B. gleiten nach A. Dohrn's Angal)en die reifen Eier aus den Ovarien in einen sich zwischen der Cuticula und der darunter liegen- den Jlatrix bildeuden Hohlraum, dehnen denselben auf der Bauchseite stark aus und drängen dadurch die Leibeshöhle mit ihren übrigen Organen zur Seite und au die Rückenwand der Cuticula. Bei fortschreitender Ent- wickeiung der Eier und dem Wachsthum der sich in ihnen bildenden Embryonen wird schliesslich auch die untere Cuticula-Wandung zu eng und spaltet sich in ebenso viele Schuppenpaare, als ursprüngliche Seg- mente in ihrer Bildung eingegangen sind, um der Brut Ausgang zu ver- schaft'eu. Bei den zu unförmlichen Massen degradirten trächtigen Weib- ehen von CryptoniscHS und Hemioniscus kommt es gleichfalls nicht zur Bildung von Brutlamellen. Die sich innerhalb eines weiten, zarthäutigen Schlauches aus den Eiern entwickelnden Larven verlassen den mütterlichen Körper nach Zerreissung seiner Wandungen. Dagegen treten Brutlamellen, und zwar von ganz abenteuerlicher Form und Grösse bei den gleichfalls völlig deformirteu Weibchen der Gattung Enfoiiisciis Müll. (Taf. XI, Fig. 11, hl, la) auf, um auch hier die sich aus den Eiern entwickelnden Larven zwischen sich aufzunehmen. C. Hermaphroditische Bildung der Geschlechtsorgane. Als eine in hohem Grade überraschende und auffallende Thatsache muss die neuerdings (1876) von F. Bullar entdeckte und von P. Mayer be- stätigte hermaphroditische Bildung der Geschlechtsorgane bei den Gat- tungen Ci/mofhoa, Äiiilocni und Ncrocihi angesehen werden, zumal von *) Mit wie grosser Vorsicht die Angaben dieses produktiven Forschers aufgenommen werden müssen, crgiebt der gleichzeitig von demselben versuchte Nachweis, die Gattiing Sphacroma gehöre als weibliche Form zu Cymodoaa , welche nur auf Mannchen begründet sei. Unter allen Umständen muss derselbe für Sphnci-mno scmilum Fab. als verfehlt gelten; denn von dieser Art cxistircn, wie das zweite Paar der Vides npnrii (Taf. XIV, Fig. 8) er- kennen lässt, unzweifelhafte Männchen und zwar in grosser Häufigkeit. 1 10 ~ Isoiioda. deuselbeu auf den ersteu Blick uüimiliche und weibliche Individuen - - nach der Ausmüuduugsstelle am Hinterraude des fünften uud siebeuten Jlittelleibsseg-mentes zu urtheilen — vorhandeu zu sein scheiuen und zu- vor auch stets als solche angesprochen worden sind. Noch um Vieles merkwürdiger gestaltet sich dieses Verhältniss aber dadurch, dass ein und dasselbe Individuum , bei welchem von vornherein nebeneinander Ovarien und Hoden zur Ausbildung gelangen, während einer jüngeren Lebensperiode als Männchen, im ausgewachsenen Zustande dagegen als Weibchen functionirt, während eine Selbstbefruchtung offenbar nicht statt- findet. Bei jüngeren uud wegen ihrer geringeren Grösse bisher als Männchen angesehenen Individuen lassen nändich die am Hinterrand des siebeuten Mittelleibsringes frei ausmündenden ]'am äcferentla das in den. Hoden producirte Sperma durch die beiden Pcncs nach aussen hervor- treten, und die Pcdrs spurü des zweiten Paares sind zu dieser Zeit mit den bekannten griffeiförmigen Copulatiousorganen (Taf. XVI, Fig. 10, sf) versehen; dagegen ist die Ausmündungsstelle der aus den Ovarien her- vorgehenden Ovidukte noch völlig geschlossen. Eine auf dieses Stadium folgende Häutung des Thieres hat sodann auch einen Verschluss der männlichen Geschlechtsöffnungen und ein beginnendes Schwinden der gritfelförmigen Anhänge (Fig. II n.l2, st) im Gefolge, während die weiblichen Vulvae auch jetzt noch undurchgängig erscheinen. Nach einer abermaligen Häutung öffnen sich endlich die Ovidukte und lassen die reifen Eier in die in- zwischen gebildete Bruttasche aus sieh hervortreten, während der männ- liche Geschlechtsapparat in dem unthätigen Zustande des vorangehenden Stadiums verharrt. Ueber die allmähliche Ausbildung dieses hertoaphroditischen Ge- schlechtsapparates hat die an verschiedenaltrigen Individuen der drei genannten Gattungen angestellte Untersuchung Folgendes ergeben: Bei ganz jugendlichen, noch mit sechs Paaren von Mittelleibsbeinen versehenen Individuen von Ci/iitotlioa ocstroides, aus der Bruthöhle eines trächtigen Weibchens entnommen, Hessen die beiden Geschlechtsdrüsen noch keine Differenzirung in Sperma- und Eier-producirende Schläuche erkennen, wiewohl sich die Aulagen der Hoden bereits als drei Aussackungen des Aussenraudes bemerkbar machten. Aus -dem hinteren Ende jeder Drüse gingen dicht nebeneinander zwei Ausführungsgänge hervor, welche jedoch noch nicht nach aussen mündeten. Weitei' entwickelte Individuen mit sieben ausgebildeten Beinpaaren, bereits an Fische angeklammert, Hessen äusserHch schon die beiden Pmcs, an den Geschlechtsdrüsen die drei Hodenschläuche im Verhältniss zum Ovarium sehr gross wahrnehmen ; die in den Hodenblasen enthaltenen Zellen erschienen bereits viel kleiner als die Eizellen, waren aber noch nicht zur Spermabildung vorgeschritten. Seine allseitige Ausbildung erhielt der männliche Genitalapparat erst bei Individuen von 8—14 Mill. Länge (Taf. XVI, Fig. 14). Die Hoden- schläuche (Fig. 14, t, t,) erscheinen jetzt als drei relativ kleine, spindel- förmige vordere Anhängsel der Ovarien (or), um deren Aussenwand sich I ii'o'anisatioii. 111 (las !'">: dvfi n ii>i benimlegt, bis es aus dem hinteren Ende der gesammten Geschlechtsdrüse als selbständiger, von Si)erma strotzender Kanal {vd) hervorgeht. In dem Ovarialtheil (('/), aus dessen Vorderseite nahe dem unteren Ende der Eileiter seitlich abbiegt, finden sich Eier der ver- schiedensten Ausbildungsstadieu, die reifsten der Innenseite zugewandt. Dass bei dieser Couformatiou der Geschlechtsdrüsen das Thier in das Stadium des zeugungsfähigen Männchens getreten ist, ergiebt sich nicht nur aus der völligen Ausbildung der den hinteren Theil der Ynsn drfr- rentia füllenden Spermatozocn, sondern auch aus der Durchgängigkeit der beiden Fmrs (Fig. 14, p. p), aus deren Ocffnung die Sameumasse durch Druck entleert werden kann. Zwar lassen sich jene auch noch bei fort- gesetztem Wachsthum des Thieres an der hinteren Grenze des Mittelleibs wahrnehmen, ohne jedoch noch eine Oeftuung zu besitzen; auch .sind gleichzeitig die Hoden merklich zurückgegangen und die Vasa deferenfia schliessen nur noch geringe Mengen von Sperma ein. Um so stärker sind dagegen die Ovarien durch die sich in immer grösserer Anzahl ausbil- denden und an Umfang zunehmenden Eier geschwollen, bis schliesslich mit eintretender Reife derselben sich die Ovidukte nach aussen öffnen. Mit dieser Umwandlung des Individuums in ein Weibchen ist der männ- liche Gcschlechtsapparat bis auf Rudimente geschwunden; insbesondere lassen sich die Vasa dcfcrentia, wenn sie gleich noch Sperma enthalten können, nur noch liis zur Hautdecke, innerhalb dieser aber blind endi- gend erkennen. Die gleichen Umwandlungen wie bei CymoUioa lassen sich auch an den Geschlechtsdrusen von Anüocra und Ncrocila nach- weisen ; an älteren, mit Brutiamellen versehenen Individuen, also schein- baren Weibehen sind die Ovarien der überwiegende Theil der Fortpfian- zungsorgane (Taf. XVI, Fig. 7 u. 13, ov), die Hoden (te) dagegen in der Rückbildung begriften, die Vasa dcfcrcntia collabirt und hinterwärts ge- schlossen. Dass unter diesen Umständen eine Selbstbefruchtung durch Copulation ausgeschlossen ist, liegt auf der Hand: selbst wenn eine Annäherung der beiderseitigen Geschlechtsringe an einander denkbar wäre, würde die Unzugänglichkeit der Ovidukte während desjenigen Häutungsstadiums, welches mit dem doppelten Penis und freier Ausmündung der sperma- strotzeuden Vasa dcfondia ausgestattet ist, dieselbe verhindern müssen. Es bliebe mithin, da eine partheuogenetische Fortpflanzung nicht wohl angenommen werden kann, nur die Möglichkeit einer Befruchtung der Eier innerhalb der Geschlechtsdrüse oder einer gegenseitigen Begattung durch zwei in verschiedenen Altersstadien befindliche Individuen übrig. Gegen erstere spricht von vorn herein die Ansammlung grosser Sperma- Vorräthe in dem hinter dem Ovarium liegenden Theil der l'asa drfv- rcntlu und das Hervortreten der ersteren aus der Mündung der letzteren, ferner aber jeder Mangel einer inneren Coramunikation zwischen Hoden- und Eierschläueben. Der sich somit als nothwendig ergebenden Begat- tung zweier Individuen stellen sich zwar gleichfalls Schwierigkeiten durch 112 • Iso|jo(la. den Umstand entgegen, dass die weiblichen Vtdnir. sich erst dann ütTneti, wenn die sie bedeckenden Bnitlamellen vollständig entwickelt sind: und aus diesem Grunde sowohl, wie aus der Erfahrung, dass gewöhnlich nu« ein einzelnes Individuum auf der Haut eines Fisches angetrofifen wird, weist Bullar sie sogar von vorn herein zurück. Trotzdem findet sie*" aber unzweifelhaft statt, wie der von P. Mayer geführte Nachweis von . dem Vorkommen von Hperma- Massen im Ovarium älterer Individuen (Taf. XVI, Fig. 8, t^p) und zwar in Ilöhluugen, welche nur mit dem Ei- leiter communiciren, ergiebt. Es werden sich daher vermuthlich jüngere (d. h. zur Zeit männliche) Individuen, welchen noch eine sehr ausgiebige Schwimmfähigkeit zukommt, älteren und bereits sesshaft gewordenen zu- " gesellen, möglicher Weise selbst unter die Brutlamellen dieser hineiu- schlüpfen, um ihnen auf diese Art ihre Spermatophoren zu appliciren, während diese selbigen Individuen in einer späteren Lebeusperiode auch ihrerseits eine Befruchtung an sich vollziehen lassen. III. Entwicklung-. 1. Eibildung. Ueber die Entstehung der Eier innerhalb der Ovarien der Bopodm geben die von Ed. van Beneden an Aftellus aquafkus angestellten Be- obachtungen interessante Aufschlüsse. Im Inneren der zur Ausbildung gelaugten Ovarien lassen sich zwei wesentlich verschiedene Kegionen unterscheiden : ein Keimlager und ein Dotterlager. Die Keime bilden sich auf Kosten einer mit Kernen verseheneu protoplasmatischen Flüssigkeit längs des Ober- und Aussenrandes jedes Ovariums und alle jüngeren Eier finden sich daher in dieser Gegend zu einem Längsstreifen vereinigt. Dieselben stellen zuerst einfache Protoplasma-Zellen ohne Wand dar und . bewegen sich in querer Richtung gegen die Innenwand des Ovariums hin, um sich dort mit Nähr-Elementen zu versehen; diese Innenwand ist mithin das Dotterlager, welches mit einer Lage epithelialer Zellen aus- gekleidet ist. In den Ovarien der in der Begattung befindlichen AsrUiix- Weibchen zeigen siöh daher die im Dotterfach befindlichen jungen Eier von einer Lage epithelialer Zellen, welche sich gegen die Eizelle selbst sehr deutlich abgrenzen, umgeben. Letztere sind sofort durch einen scharf contourirten und mit körnigem Inhalt versehenen Nucleus keuntlich, wäh- rend derjenige der Keime durchsichtig und zart contourirt erscheint. Diese Ovarialeicr sind übrigens so dicht aneinander gelagert, dass sie sich gegenseitig abplatten; während ihr Dotter einen abgestumpft eiförmigen oder unregelmässig viereckigen Umriss erkennen lässt, nimmt der epi- theliale Ueberzug die Form von pflastersteinartig aneinander gefügten Fünf- oder Sechsecken an, in deren Grenzlinien sich die äussere Ovarial- hülle bis zu einer bestimmten Tiefe einstülpt. Ein aus dem Eierstocke isolirtes Ei lässt auf der Grenze von Dotter und Epithel eine sich als feiner Contour zeigende Hülle (Taf. XXHI, Fig. G, ch) erkennen, welche Entwicklang. 113 vermuthlich als Ausscheidung der äusseren epitbelialeu Lage und als Choriou anzusehen ist. Dieselbe liegt dem aus stark liehtbrecheudeu Kugeln von rothgelber oder giiinlich gelber Färbung bestehenden Dotter unmittelbar an und ist von so geringer Resistenz, dass ein isolirtes und in Wasser gebrachtes Ei sich auf seiner Unterlage durch sein eigenes Gewicht sofort abplattet. In wie weit mit dieser für Ascllus festgestellten Eibilduug diejenige der übrigen Isoiwdcn übereinstimmt, muss ferneren Beobachtungen vor- behalten bleiben. Dass von derselben Abweichungen vorkommen, würde wenigstens aus der von Buchholz für Hoiiionlscm gemachten Angabe hervorgehen, wonach bei dieser Gattung die aus den Ovarien hervortreten- den Eier einer Hülle noch vollständig entbehren, eine solche vielmehr erst später in einem zu ihrer Aufnahme bestimmten sackartigen Behälter (Uterus, vielleicht richtiger als Bruttasche zu bezeichnen) erhalten. Ueber den Ort, an welchem die aus den Ovarien hervortretenden Eier der Isopodcn mit dem Sperma in Contakt kommen, ob im Bereich des weiblichen GeschlecBtsapparates oder erst innerhalb der Bruthöhle, ist zur Zeit ebenso wenig etwas mit Sicherheit bekannt, als welches die unmittelbare Einwirkung der Spermatozoen auf die Veränderung der Form und des Inhaltes der Eier ist. Für die in die Bruttasche eintretenden Eier von Asellm kann es indessen nach den Angaben von Ed. van Beneden als gesichert gelten, dass sie abgesehen von dem Mangel des epithelialen Ueberzuges in Nichts von den reifen Ovarial- Eiern ver- schieden sind. Der Anschluss des Chorions an den Dotter ist auch zu dieser Zeit noch ein ganz unmittelbarer und eine zweite innere Hülle (Dotterhaut), welche solchen Eiern von 0. Sars und A. Dohrn zu- geschrieben worden ist, thatsächlich nicht vorhanden. Erst längere Zeit nach dem Eintritt der Eier in den Brutraum hebt sich von dem jetzt eine regelmässige Kugel darstellenden Dotter das Chorion in ungleichen Abständen deutlich ab (Taf. XXIII, Fig. 2) und zwar ist es von demselben durch eine völlig durchsichtige albuminöse Flüssigkeit geschieden. Die auch jetzt noch fortbestehende Zartheit des Chorion drückt sich in seinem sehr wechseln- den Umriss, welcher bald regelmässig oval, bald an einem Ende in ver- schiedenem Grade verbreitert und abgestumpft erscheint, zur Genüge aus. 2. Embryonalentwicklung. Dieselbe zeigt bei den bisjetzt darauf untersuchten /.s^o^wrf''»- Gattungen neben zahlreichen Uebereinstimmungen auch nicht unwesentliche Ver- schiedenheiten und Eigenthttmlichkeiten und muss im Folgenden schon aus dem Grunde für die einzelnen Gattungen besonders geschildert werden, weil von den betreffenden Untersuchern die Vorgänge von verschiedenen Gesichtspunkten aus betrachtet worden sind. a) Ascllus aquaticHs. An den in den Brutraum gelangten Eiern lässt der Dotter längere Zeit hindurch keine sichtbaren Veränderungen erkennen. Erst nach und nach treten an demselben hellere, von einem trüben Hof Rvonu, Ivlasseu tlps Thipr-Kf iolis. V. "J. ^ 114 Isopoda. umgebene Punkte, zuerst zwei, dann vier, zuletzt acht auf jeder Hälfte (Taf. XXIII, Fig. 3) auf, von denen dunkele, furchenartige Linien stern- förmig ausstrahlen. Sind deren im Ganzen sechszehn zur Ausbildung gekommen und haben sie sich au ihren Grenzen wulstartig von ein- ander abgehoben, so lässt sich eine von der Oberfläche des Dotters sich abhebende zarte Membran, welche jedoch vom Chorion durch einen weiten Zwischenraum getrennt ist, wahrnehmen (Taf. XXIII, Fig. 4, l). Dieselbe kann nicht als eine Dotterhaut angesehen werden, sondern ist vielmehr nach Ed. van Beneden als eine, wenngleich vorzeitige embryonale Bildung in Anspruch zu nehmen, welche der Bildung der Keimhaut selbst gewissermasseu vorangeht. In so fern wird sie von van Beneden auch als Keimhaut- Cuticula {cutkulc Wasfoäermiqm) bezeichnet. Die Bildung der Keimhaut folgt dieser Cuticula übrigens unmittelbar auf dem Fuss, und zwar indem mit dem Dotter folgende Veränderungen vorgehen. Die zuerst oberflächliche Klüftung desselben in sechszehn Ballen wird allmählich tiefer, reicht jedoch bei weitem nicht bis zum Centrum; vielmehr bleibt, wie ein dm-ch die Mitte des Dotters geführter Schnitt (Taf. XXIII, Fig. 4) zeigt, ein dem halben Durchmesser desselben fast gleichkommender Kern, dessen Inhalt grossblasig erscheint, von derselben ausgeschlossen. Es hat sich mithin ein sehr ansehnlicher Theil des Nahrungsdotters nach innen zurückgezogen. Bald darauf geht jedoch auch die peripherische Klüftung eine Rückbildung ein: die Trennung der sechszehn Ballen verwischt sich immer mehr, bis die Ober- fläche des Dotters fast wieder das gleichförmige Ansehn des ersten Stadiums angenommen hat. Eine abermals eintretende Klüftung bringt jetzt zwei und dreissig Ballen (Taf. XXIII, Fig. 5) zu Wege, welche jetzt einen noch umfangreicheren centralen Dotter, der sich durch grössere Undurchsichtigkeit und das bedeutendere Volumen seiner Zellen aus- zeichnet, umkleiden. Derselbe abwechselnde Vorgang einer Verwischung der Furchen und einer abermaligen Zerklüftung der Oberfläche wieder- holt sich sodann noch zweimal unter weiterer Zunahme des centralen Ernährungsdotters, zugleich aber mit der Modifikation, dass der licht- brechende Inhalt der peripherischen Klttftungsballen sich immer mehr aus diesen gegen das Centrum hin zurückzieht, so dass von ihnen schliesslich nur noch helle, gekernte Protoplasmazellen, welche dem Nahrungsdotter peripherisch aufliegen, übrig bleiben (Taf. XXIII, Fig. 6). Die Absetzung dieser Zellen ist übrigens keineswegs an allen Theilen der Peripherie eine gleich deutliche ; vielmehr umsäumen sie den Nahrungsdotter an der späteren Bauchseite des Embr3'o in ansehnlicher Breite und grosser Klar- heit, während sie an der Rückenseite, an welcher sie zugleich später auftreten, schmal und spindelförmig erscheinen, so dass sie leicht über- sehen werden können. Die auf diese Art gebildete Keimhaut fehlt mithin der künftigen Rückenseite des Embryos keineswegs. Der die ventrale Hälfte des Dotters umgebende, aus grossen kubischen Zellen (Taf. XXIII, Fig. 6) bestehende Theil des Blastoderms bildet sich Entwicklung. 115 allmüblicli zum Keimstreit'eu um. Vorn in der Gegend, wo sich später die Kopflappen bilden, breiter, versclimälert er sieb allmählich in der Kichtung nach hinten. Die ihn constitnirenden Zellen vermehren sich fortwährend durch Theilung und verkleinern sich dabei. Bevor es an dem vorderen Theil dieses Keimstreifens zur Abgrenzung der Kopflappen kommt, treten die ersten Aulagen zweier, bereits vonRathke als „blatt- förmige Anhänge" bezeichneter embryonaler Bildungen in Form von warzenförmigen Zellenhaufen (Taf. XXIII, Fig. 11, 12, ap) auf, welche den Nahrungsdotter unter sich zurück-, dagegen die Keimhaut- Cuticula vor sieh herdrängen. Den Zellen des Keimstreifens ihren Ursprung ver- dankend, heben sie sich doch mit ihrem angeschwollenen und sich später in drei Lappen theileudeu unteren Ende (Taf. XXIII, Fig. 13—15, (tp) allmählich sehr frei von letzterem ab, so dass dieser zwischen ihnen und dem Nahrungsdotter nur in Form einer einzelnen Zellenreihe sichtbar ist. Bevor sie ihre vollständige Ausbildung erreichen, ist der vor ihnen liegende Theil des Keimstreifens durch Vermehrung seiner Zellen beträcht- lich angeschwollen, um zur Bildung der „Kopflappen" zu sehreiten. Durch zwei leichte Furchen geschieden, machen sich alsbald zwei auf einander folgende Anschwellungen (Fig. 13 und 14, an'^ und aif-) als die ersten Anlagen der beiden Fliblerpaare — nicht der Mandibeln und Maxillen, wie A. Dohrn beobachtet zu haben glaubte — bemerkbar, die vordere schon während dieser Periode beträchtlich kürzer als die hintere. Ihnen folgt zunächst eine quere Furche an der ventralen Seite des Keimstreifens als erste Andeutung der späteren Muudöffnung (Fig. 13 u. 14), mit deren Bildung der Embryo gewissermassen in das NaupVms -iiia.Ah\m getreten ist. Bevor die Anlage weiterer Gliedmassen zu Tage tritt, erzeugt der Embryo auf seiner Oberfläche eine neue, ihm dicht anliegende Hülle (Fig. 15 u. 16, na), die Nauplius -'Rawi, in welcher nicht nur die beiden Fühleranlagen, sondern auch die Anlagen der blattförmigen Anhänge stecken. Zugleich mit ihrer Bildung hebt sich die Keimhaut- Cuticula jetzt in gleicher Weise, wie dies früher mit dem Chorion der Fall war, sehr viel weiter von der Oberfläche des Embryo, der mithin nunmehr in einer dreifachen Hülle steckt, ab (Fig. 15 u. 16, ua, l cl>). Inzwischen sind die beiden seitlichen „blattförmigen Anhänge" sehr wesentliche Veränderungen, zunächst in ihrer Form, eingegangen. An dem sie zuerst einleitenden runden Zellenhaufen (Fig. 11, aji) tritt etwa gleichzeitig mit der Anlage der Kopflappen und der sich von ihnen abgrenzenden Fühlerwülste einerseits eine Verlängerung, andererseits eine Dreitheilung auf. Letztere macht sich zunächst dadurch bemerkbar, dass sich innerhalb des länglich ovalen Zellenhaufens central ein kurzer ovaler abhebt (Fig. 12, ap), bis dann schliesslich bei freierem Hervortreten aus der Körperwand des Embryo eine deutlich dreilappige Bildung (Fig 14, ap) mit kürzerem und stumpferen Mittel- und zwei längeren und spitzeren Seitenzipfeln zu Wege kommt. Bei dem ersten Auftreten dieser drei- lappigen Form lassen diese Organe übrigens noch eine gleichmässig zellige 116 Isopoda. Struktur erkeuueu (Fig. 14, aj)); uacli und uacb bilden sich jedoch in jedem der drei Lappen zuerst kleine und von einander isolirte, allmählich aber grösser werdende und in einander fliessende Hohlräume, bis dann schliesslich die drei den einzelnen Lappen entsprechenden Kammern zu einer gemeinsamen, gleichfalls dreitheiligen Höhlung vereinigt werden (Fig. 18). Letztere steht mit dem centralen Nabrungsdottcr des Eies in direktem Zusammenhang und schliesst tbeils stark Uchtbrechende Kugeln, theils freie spindelförmige Zellen mit deutlichem Nucleus ein. Die ur- sprünglich das ganze Organ ausfüllenden Zellen haben sich auf die Wandungen derselben zurückgezogen und die Form eines regelmässigen Pflasterepitheles, welches im Bereich der Seitenlappen aus einer einfachen, im Mittellappeu dagegen aus einer doppelten Reihe besteht, angenommen. Die unmittelbare Continuität dieser Zellwandung mit der Zellschicht der Seitenwäude des Embryo ist in Fig. 16 ersichtlich. Nach Herstellung dieser ihrer endgültigen Form verändern die „blattförmigen Anhänge" ausserdem aber auch ihr bisheriges Verhältniss zu den Embryohüllen. Indem sie von innen her auf die Keimhaut- Cuticula und durch diese auf das Chorion einen immer stärker werdenden Druck ausüben, s])rengen sie end- lich beide und treten aus denselben bis zu ihrer verengten Basis, an welche sich diese beiden Häute anlegen, heraus (Fig. 16, «j>). Endlich nach Abstreifung des Chorions sowohl wie der Keimhaut- Cuticula durch den frei werdenden Embryo wird dann auch der nur noch von der NaHjdius- Haut überzogene armartige Stiel der blattförmigen Anhänge frei (Fig. 17, o;;). Am Embryo selbst schreitet nach Abhebung der NaiqdMS-Ua.üt von der Oberfläche die Bildung der Bauchwand und der ihr zukommenden Glied massen allmählich in der Kiehtung von vorn nach hinten vor. Zu beiden Seiten der sich im hinteren Anschluss an die Mundspalte aus- bildenden medianen Bauchfurche sprossen die paarigen Wülste, aus denen die Mandibeln, Maxillen, KieferfUsse und Beine hergestellt werden, hervor. Da letztere nur zu sechs Paaren angelegt werden, beträgt die Zahl der zu postoralen Gliedraasseu sich ausbildenden Anlagen zu dieser Zeit im Ganzen zehn jederseits, von denen sich die vier vorderen, welche zu den Mandibeln, den beiden Maxillenpaaren und den Kieferfüssen auswachsen, übrigens schon verhältnissmässig früh von den sechs hinteren formell unterscheiden, indem sie von vorn herein länger (in der Richtung von vorn nach hinten) erscheinen, sich auch bald an ihrem der medianen Bauchfurche zugewandten Rand einkerben (Fig. 16, nid, ))ix,p). Erst wenn alle diese den späteren Kopf- und Mittelleibsgliedmassen entsprechenden Wulstpaare bereits eine sehr deutliche Ausbildung erfahren haben, beginnt sich der noch übrige Theil des Keimstreifens zur Bauchwand des späteren Postabdomen zu formiren. Der bis dahin an jener Stelle noch bis nahe an die Keimhaut- Cuticula herantretende Dotter zieht sich, wie die Betrachtung des Eies im Profil ergiebt, jetzt auch hier weiter in das Innere zurück und lässt dadurch den Rest des Keimstreifens in der noch zwischen dem liinteren P^nde des Mittelleibes und den Kopflappen ver- EntwicUung. 117 bliebenen Lücke immer deutlicher hervortreten. An seinem hintersten, die Kopflappen berührenden Ende zeigt sich dann gleichzeitig mit seiner Freilegung eine zuerst leichte, allmählich aber immer tiefer werdende und schliesslich bis gegen das Centrum des Eies hin reichende Einbuchtung, deren beide einander zugewandte Contoure die Rückeuwand einerseits des Kopftheiles, andererseits des Postabdomen darstellen. Indessen schon lange bevor diese Trennung des vorderen und hinteren Körperendes im Bereich der Rückenseite eine tiefer in den Dotter einschneidende wird, beginnen an der den EihüUen zugewendeten Ventralseite des neu ange- legten Postabdomens wieder paarige Wülste hervorzusprossen. Es zeigen sich deren im hinteren Anschluss an die Beinwülste des Mittelleibes zunächst vier Paare in kurzer, quer viereckiger Form als erste Anlagen der Fcdcs spHi-ii Tritt die spätere zweilappige Form dieser dadurch an ihnen deutlicher hervor, dass sieh ihr breiter gewordener Hinterrand in der Mitte tief einbuchtet, so bildet sich auf der Grenze zwischen dem ersten Paare dieser Wülste und dem letzten der Mittelleibsbeine noch ein fünftes, oder der Reihe nach: erstes Paar aus, welches in seiner kurzen, queren Gestalt mehr den Wülsten der Mittelleibsbeine gleicht, aber mehr nach aussen gedrängt und daher weiter von der Mittellinie entfernt ist. In dieselbe Zeit mit diesem Hervorsprossen der Gliedmassen -Anlagen fällt eine weitere Ausbildung der Mund- und die erste Anlage der After- öffnung. Die erste Andeutung der späteren Mundöffnung zeigt sich, wie oben erwähnt, in einer hinter den Fühlerwülsten auftretenden Querspalte. Während diese den Ort andeutet, an welchem sich bei späterem Verlauf die obere Schlundwandung bildet, tritt später in der Mitte der Bauchfurche zwischen den Mandibularwülsten eine mediane Falte auf, welche zu zwei dicht neben einander liegenden, mit ihrem freien Ende nach vorn gerich- teten, also der Mundspalte gegenüberliegenden Vorsprüngen auswächst. A. Dohrn zählt diese Bildung mit zu den Gliedmassenanlagen, wiewohl er selbst zugiebt, dass sie sich von letzteren „vollständig unterscheidet". In Wirklichkeit hat sie schon ihrem Ursprung nach ebenso wenig mit Gliedmassen etwas zu thun, wie die sich aus ihr hervorbildende, fälschlich so genannte „Unterlippe", welche sich nur als ein nach aussen hervor- tretender Fortsatz der unteren Schlundwandung darstellt und später auf der Grenze von Mandibeln und Maxillen des ersten Paares zu liegen kommt. Es stellt sich mithin die erwähnte Bildung als die erste Anlage der hinteren Mundgrenze oder mit anderen Worten als diejenige der unteren Schlundwandung dar. Während diese bald nach dem Hervorsprossen der Mandibularwülste zur Ansicht kommt, bildet sich die Afteröffnung etwas später, nämlich erst nach vollständiger Ausbildung der fünf Paare von Gliedmassenwülsteu des Postabdomen. Nach A. Dohrn 's Zeichnungen ist von derselben noch nichts zu bemerken, wenn aus der Ventralwand des Postabdomen erst die vier Paare quadratischer AVülste hervorgetreten sind. Erst wenn diese sieh hinterwärts eingekerbt haben und an ihrer vorderen Grenze das fünfte (erste) schmale Paar zum Vorschein gekommen ist, 118 Isopoda. lässt der hiutere abgeruudete Contour des Postabdomen zwei uach ein- wärts verlauteude parallele Längslinieu wahrnehmen. In einem etwas späteren Stadium erscheinen dieselben um das Dreifache verlängert und zugleich näher aneinandergerückt; der von ihnen eingeschlossene Raum . stellt den beginnenden Hinterdarm dar, welcher sich später an der Spitze des Abdomen in den After öffnet, während sein gegen die Leibeshöhle gerichtetes Ende zuerst noch in den Dotter ausmündet. Das fortgesetzte Wachsthum der Gliedmassenwülste, welches bei den vom Kopftheil und Mittelleib entspringenden mit einem immer deutlicheren Gegeneinanderwachsen gegen die MittelHnie der Bauchwand verbunden ist, hat eine stete Verdickung des Keimstreifens und dem entsprechend eine immer mehr zunehmende Zurückdrängung des Dotters auf das Cen- trum des Eies zur Folge. Ist die oben erwähnte Scheidung der Kopfwülste gegen das Postabdomeu durch die bis zum Mittelpunkt des Eies vor- dringende Einstülpung der Leibeswand vor sich gegangen, so erscheint der Dotter bei der Profilansicht des Eies nur noch von der Form eines Hufeisens, dessen einer Schenkel in den Kopftheil und dessen anderer in das Postabdomeu hineinragt. Der sich jetzt mit starker Wölbung über den vorderen Dotterschenkel erhebende Kopftheil, dessen Contour in der Profilansicht bisher bis gegen die Mundspalte hin eine flache Bogeulinie darstellte, beginnt durch einen zuerst flachen, allmählich aber immer tiefer werdenden Einschnitt in zwei Abschnitte zu zerfallen, deren erster (vor- derer) sehr viel grösser ist als der zweite. Jeder derselben wölbt sich nun stärker hervor und zwar wird der vordere grössere zum Kopflappen im engeren Sinne, der hintere dagegen zur Oberlippe; der die letztere repräsenlircnde Hügel entspricht seiner Lage nach dem Ursprung des hinteren Anteunenwulstes und die an seiner hinteren Grenze liegende, die Mundöfifnung bezeichnende Einbuchtung dem Ursprung des Mandibular- wulstes. Ein hinter letzterer sich erhebender zweiter Hügel (gleichfalls in der Profilausicht) ist die bereits früher angelegte sogenannte „Unterlippe" oder, wie bereits bemerkt, richtiger der hinter den Mandibeln nach aussen hervortretende untere Mundrand. Es findet mithin während dieser Periode eine Art Segmentirung an dem vorderen Kopftheil statt, welche indessen später nicht fortschreitet, sondern eher wieder rückgängig wird. Dasselbe ist in gleicher Weise auch mit den drei leichten bogenförmigen Erhebungen, welche sich im hinteren Anschluss an den „Unterlippen "-Hügel, den beiden Maxillen- und den Kieferfusswülsten ihrer Lage nach entsprechend, an dem sich zunächst anschliessenden Theil des Keimstreifens bald darauf wahrnehmen lassen. Im Gegensatz dazu bildet sich eine Segmentirung an dem weiter nach hinten folgenden Theil des Keimstreifens oder der aus demselben hervorgegangenen Leibeswand Schritt für Schritt deutlich aus, und zwar um im Bereich des Mittelleibes, von der Bauchwandung her beginnend, sich gegen die Rückeuwand hin fortzusetzen. Von den am Bauchcontour gleich von vorn herein stark ausgebuchteten sieben durch- gehenden Mittelleibssegmenten entsprechen die sechs vorderen den bereits Eutwicklmis. 119 vorher gebildeten sechs Beinwulst-Paaren; die wieder ungleich schwächeren Ausbuchtungen der postabdominalen Bauchwand bilden sich gleichfalls in der Zahl der Gliedmassenwülste aus. Uebrigens ändert sich diese Segmen- tirung und besonders auch das Grössenverhältniss der einzelnen Körper- abschnitte im weiteren Verlauf der Embryo -Entwicklung nicht unwesentlich. Nach dem Abwerfen der NaiqyUns -Hsint liegen nämlich zwischen dem zu dieser Zeit noch sehr grossen, später aber im Wachsthum merklich zurück- bleibenden Kopfabschnitt einer- und dem Postabdomen andererseits im Ganzen neun Segmente, von denen das zunächst auf den Kopfabschnitt folgende sehr kurz ist, die „blattförmigen Anhänge" trägt und nach deren Rückbildung mit dem Kopftheil verschmilzt. Au jedem der sechs folgenden entspringt je ein Beinpaar, während die beiden kürzeren letzten solcher ent- behren ; an dem vorderen derselben bildet sich indessen während der postem- bryonalen Entwicklung noch das bis dahin fehlende siebente Beinpaar aus. Die dem ausgebildeten Embryo nach der Abstreifung der Nauplms- Haut und auch der im Brutraum lagernden Larve noch längere Zeit verbleibenden „blattförmigen Anhänge" sterben erst nach Herstellung einer resistenteren Körperhaiit in der Weise ab, dass der mit dem Inneren des Körpers communicirende Hohlraum ihres Stieles sich allmählich schliesst. Ihre Bedeutung für die Existenz des Embryo's ist bis jetzt völlig dunkel. Wenn Rathke, der erste Entdecker derselben, sie mit embryonalen Kiemen verglichen hat, wobei er etwa an die ähnlich angebrachten Organe der Amphibienlarven gedacht haben mag, so liegt diesem Vergleich jeden- falls keine Beobachtung über eine entsprechende Verwendung zu Grunde. Ebenso wenig kann eine solche für die morphologische Parallelisirung dieser Organe mit den Segmentalorganen der Annelklcn und mit der grünen Drüse von Astacus, der Schaleudrüse der Bmnclüopodcn etc., wie sie Ley- dig versucht hat, geltend gemacht werden, wenngleich die dagegen erhobenen Einwände von Fr. Müller schon deshalb nicht stichhaltig erscheinen können, weil er diese paarigen und von den Flauken des Körpers ausgehenden Anhänge als ,,ein unpaares, in der Mittellinie des Rückens entspringendes Gebilde" bezeichnet. Am meisten Wahrscheinlich- keit hat offenbar die Annahme für sich, dass diese Organe zum Nutzen der noch längere Zeit im Brutraum verharrenden und sich innerhalb dieses weiter entwickelnden Larve gebildet werden. Dieser auf diosmotischem Wege Nahrungsstoff, welcher als eiweissartige Masse im Brutraum vor- handen ist, zuzuführen, dürften sie am ersten geeignet erscheinen. Es würde damit auch ihr spätes, fast mit der Vollendung des Larvenkörpers zusammenfallendes Absterben in Einklang stehen. Die Darstellung der embryonalen Entwicklung von Asellus aquaUcns auch auf die inneren Organe nach den von A. Dohrn darüber gemachten Mittheiluugen auszudehnen, glauben wir deshalb unterlassen zu können, weil dieselben in den Hauptpunkten zuverlässiger Feststellungen entbehren und jedenfalls durch die im Folgenden dargestellten Beobachtungen Bobretzky's an Oniscus murarius weit überholt sind. 1 20 Iso]]0(la. b) Oitiscus iiimai-iits. Ueber die Eibilduug iuucrhalb der Ovarien und die Beschaffenheit der Eier vor ihrem Eintritt in die Bruthöhle liegen keine Beobachtungen vor. Innerhalb der letzteren zeigen die Eier nach Rathke und Bobretzky durch gegenseitigen Druck verschiedenartige Umrisse. Die jüngsten von letzterem Beobachter aus der Bruthöhle entnommenen Hessen bereits zwei Häute erkennen: eine äussere lose anliegende und mancherlei Falten bildende (Chorion) und eine innere, den Dotter umgebende und sich nur an einzelnen Stellen von demselben abhebende, welche Bobretzky als Dotterhaut ansieht, während sie von Ed. van Beneden oftenbar gleichfalls als Keimhaut-Cuticula in Anspruch genom- men werden würde. Der gelbbraune Dotter der Oniscus-Eier besteht aus grossen, stark lichtbrechenden Kugeln, welche sich nebst kleinen Bläschen in einer geringen Menge Flüssigkeit suspendirt finden. Das erste zur Beobachtung gelangte Stadiuni des bereits in der Ent- wicklung begriffenen Eies war dadurch bemerkenswertb, dass dem einen Pole des ovalen Eies entsprechend ein abgeflacht kugliger Haufen kleiner heller Bläschen der Dottermasse auf- und theilweise zugleich eingelagert war. Es hatte sich hier (Taf. XXIV, Fig. 1,) bereits ein Bildungsdotter (U) von dem Nahrungsdotter (vi) sowohl dem Uniriss wie dem Gehalt nach deutlich gesondert; von der in Form eines abgesetzten Pfropfs dem Dotter aufsitzenden Bildungsscheibe hob sich die Keimhaut-Cuticula (l) beiderseits sehr viel weiter ab, während sie dem Nahrungsdotter wenigstens zu beiden Seiten unmittelbar dicht auflag. Die Eier der zunächst sich anschliessenden Entwicklungsstufe zeigten bereits eine wesentliche Ver- änderung. Die Jetzt sehr viel breiter gewordene, uhrglasförmige Bildungs- scheibe bestand beim Durchschnitt des Eies (Fig. 2) aus einer Lage grosser Furchuugskugeln, welche je mit einem grossen, ein bis zwei Nucleoli führenden Kern versehen und im Uebrigen mit einem Protoplasma gefüllt waren, dessen Ansehn am oberen freien Rande gleichmässig und hell, gegen den Nahrungsdotter bin trübe und körnig war. Letzterer erwies sich beim Durchschnitt als homogen feinblasig, aber von zahl- reichen, verschieden grossen, rundlichen Höhlungen (Fig. 2, va) durchsetzt. Uebrigens ist die Lage der Bildungsscheibe bei den einzelnen Eiern schwankend; dieselbe kann ebenso wohl dem einen Pole auf-, als auch neben ihm oder selbst an der Längsseite sitzen. Indem sie unter Ver- mehrung der sie bildenden Zellen wächst, breitet sie sich allmählich weiter auf der Oberfläche des Dotters aus (Fig. 3); auch jetzt bilden die Zellen nur eine einzelne Schicht und nehmen vom Centrum gegen die Peripherie der Scheibe hin allmählich an Grösse ab. Bald darauf bildet sich jedoch im Centrum dadurch eine Verdickung gegen den Nahrungsdotter hin oder vielmehr in eine Vertiefung dieses hinein, dass sich unterhalb der hier lagernden grossen Zellen ein Häufchen kleinerer, welche oftenbar das Produkt jener sind, bildet; auch lässt sich in der Regel wahrnehmen, dass jene im Centrum liegenden Zellen der Aussenschicht, denen die darunter liegenden kleinen durch Vermehrung entstammen, sich den benachbarten Entwicklung. J21 gegenüber etwas tiefer einsenkeu. Der weitere Verlauf der Eiitwicklung ergiebt, dass jener als Keimhügel zu bezeichnende Haufen kleiner Zellen sieh als die erste Anlage des mittleren und unteren Keimblattes herausstellt, während die peripherische Zellschicht das obere Keimblatt aus sich hervor- gehen lässt. Während sich nämlich die Keimscheibe weiter über die Ober- fläche des Eies ausbreitet, vermehren sich auch die Zellen des Keimhügels zunächst in Form eines sich in den Dotter einsenkenden Haufens, um sich jedoch bald darauf nach allen Seiten unterhalb der Keimscheibe aus- zubreiten. Hierbei ditferenziren sie sich zugleich in der Weise, dass die einen (Fig. 4, m) auf der Oberfläche des Dotters verbleiben und sich der äusseren Schicht dicht anlegen, während dagegen andere (Fig. 4, m) sich in den Nahrungsdotter einsenken und diesen in sich aufsaugen. Letztere erweisen sich als die erste Anlage des Entoderm, während erstere dem Mesoderm als Ursprung dienen. Die Entodermzellen beginnen nun bald nach ihrer Sonderung vom Keimhügel sich im Dotter auszubreiten, so dass zu der Zeit, wo die ganze Oberfläche des Eies von Zellen überwachsen und also eine Keimhaut zu Stande gekommen ist, grosse, mit Dotter- körncheu gefüllte Zellen zuerst peripherisch, allmählich aber auch mehr im Innern des Dotters überall nachzuweisen sind. Gleichzeitig beginnt dann auch der zuvor homogene Dotter in rundliche oder polygonale Felder, die sogenannten Dotterballen zu zerfallen. Mit der fortschreitenden Ausbreitung der Keimscheibe auf der Ober- fläche des Eies werden die den gesammten Nahrnngsdotter umwachsenden peripherischen Zellen platt, während die mittleren an Höhe immer mehr zunehmen; indem letztere zugleich immer schmaler werden und sich in Form hoher Cylinder aneinanderreihen, bilden sie den die Bauchseite des Embryo markirenden Keim streifen (Fig. 5, hl). Bevor dieser aber in voller Entwicklung auftritt, häufen sich auf der Rückenseite, welche sich bis dahin durch sehr platte Zellen auszeichnete, grosse kugelförmige' Embryonalzelleu kugelförmig an (Fig. 5, cp); da dieselben indessen bald wieder spurlos verschwinden, sind sie für die weitere Entwicklung ohne besonderen Belang. Nahe der Oberfläche des in Ballen zerklüfteten Dotters (Fig. 5, vi) zeigen sich jetzt schon überall die grossen Darm- drüsenzellen, welche sich unterhalb des Keimstreifens in grösseren Mengen ansammeln, um von hier aus sieh alsbald in das Innere des Dotters gleichmässig auszubreiten. Zunächst findet sich nach dieser ihrer Ver- theilung noch zwischen ihnen freier Nahrungsdotter und in diesem auch noch eine Anzahl der bereits oben erwähnten Hohlräume vor; nach und nach wird jedoch dieser Nahrnngsdotter ganz von den grossen Drüsenzellen eingesogen, wobei letztere zum Darmdrüsenblatt werden. Das sie um- gebende Mesoderm besteht zu dieser Zeit in Form kleiner ovaler Zellen, welche, durch Zwischenräume von einander getrennt, mit ihrem Längs- durchmesser der Oberfläche des Eies parallel liegeu. Das diesen wieder nach aussen anliegende Ektoderm endlich, aus gekernten, hohen cylin- drischen Zellen in dichtem Anschluss aneinander bestehend, bildet an dem 122 Isopoda. hinteren Ende des Keinistreifens bereits eine ausebnlicli tiefe Einstülpung als erste Anlage des Hinterdarms, während an dem entgegengesetzten Ende eine Mundeinsttiljiuug zur Zeit noch fehlt. Bei der gleichzeitig auf- tretenden ersten Anlage der Gliedmassen bildet sich auch hier — wie bei Asellus — zwischen dem Keimstreifen und der Keimhaut- Cuticula (Dotterhaut nach der Bezeichnung Bobretzky's) eine zarte, den be- ginnenden Embryo einscbliesseude Hülle, die l^uupVms-Yiwii, welche sich auf der Bauchseite deutlich von dem Keimstreifen abhebt, der Rückenseite dagegen fest anliegt. Unter den inneren Organen, welche dem Darmdrüsenblatt ihre Entstehung verdanken, sind als die ersten der Reihenfolge nach die Leberschläuche zu erwähnen. Wenn aus dem Keimstreifen bereits die Anlagen sämmtlicher Gliedmassen, deren Entstehung nach den überein- stimmenden Angaben Rathke's und Bobretzky's bei Oniscus eine fast gleichzeitige ist, deutlich hervortreten (Fig. 6) und die Dotterballen bei Betrachtung des Eies im Profil noch ein durchaus gleichmässig dichtes und dunkles Aussehen (Fig. 6, vi) haben, bemerkt man bei einem durch das Ei geführten Querschnitt eine deutliche Difterenziruug in den grossen Darmdrüsenzellen. Während dieselben nämlich im Innern des Eies noch ihre frühere Form beibehalten haben, findet sich beiderseits, im oberen Anschluss an die Extremitäten-Anlagen, und zwar dicht unter den platten Zellen des Blastoderms, eine Reihe grosser, fast würfelförmiger und mit einem dunklen Kern versehener Zellen, welche sich nach oben und unten allmählich in die Darmdrüsenzellen verliert. Dass diese sich allmählich zu dem Epithel der Leberschläuche umbildenden Pflasterzellen aus einem Theil der Darmdrüsenzellen hervorgegangen sind, ergiebt sich nicht nur aus dem allmählichen Uebergang in letztere, sondern auch daraus, dass sich unmittelbar unter ihnen nur homogener, flüssiger Nahrungsdotter (d. h. aufgelöste Darnidrüsenzellen) vorfindet. In einem etwas späteren Stadium, während dessen die Leberanlagen bereits bei der Betrachtung des Eies von aussen in Form zweier heller rundlicher Scheiben (Fig. 7, /«•), welche sich in der Nähe des vorderen Keimstreifen- Endes von dem sonst dunkelen Nahrungsdotter deutlich absetzen, erkennbar sind, lässt ein Querschnitt eine Veränderung des Eies dahin wahrnehmen, dass der Streif pflasterartiger Zellen (Leber-Epithel) jederseits nicht nur viel weiter nach oben hinaufreicht, sondern auch einen oberen und unteren, einwärts gekrümmten Schenkel abgiebt, welche ihm die Form eines C oder eines an der Innenseite nicht völlig geschlossenen Ovales verleiht (Fig. 9, //r). Der von diesem Epithel jederseits begrenzte Raum communicirt zwar noch in weiter Ausdehnung mit den grossen central gelegenen Darmdrüsenzellen (Ernährungsdotter), enthält selbst deren aber nur noch vereinzelte kleinere, während er der Hauptsache nach schon von einem hell gefärbten Proto- plasma, in welchem grünliche Körnchen suspendirt sind, angefüllt wird. Als die den Leberorganen sich zunächst in ihrer Anlage anschliessen- den Theile sind die Mundöffnung mit dem Vorderdarm und die Ganglien- EutwicUuiiä'. 123 kette hervorzuheben. Doch ist zuvor uoch der Bildung der Zcllhaut, welche sich bei dem Embryo von Oniscus durch einen eigenthümlichen Strang mit seiner Rückseite in Verbindung setzt, Erwähnung zu thun. Die Entstehung derselben datirt aus der Zeit, zu welcher sich die Nau- pUus-Esmt von dem Keimstreit'en abhebt und wird dadurch bewirkt, dass an letzterer einige kleine Zellen haften bleiben, welche in die den Rücken des Embryo bedeckenden Zellen unmittelbar übergehen und den Rändern der sich bildenden Zellhaut entsprechen. Die in ihrer ganzen Ausdehnung gleichzeitig auftretenden Ränder der Zellhaut umfassen beinahe den ganzen ausserhalb des Keimstreifeus liegenden Theil der Oberfläche des Eies (Fig. 6, sh), welcher nur von den platten Zellen des Blastoderms bedeckt ist. Ihre Abtrennung von dem Embryo geht schnell von der Peripherie gegen die Mitte hin vor sich; hier bleibt sie uoch lange Zeit mit dem Rücken desselben durch eine senkrechte Wand von geringer Höhe ver- bunden und erscheint bei der Ansicht des Embryo im Protil als [ein kegel- förmiger Strang (Fig. 7, /'), dessen Contouren die Anheftung an beiden Seiten des Embryo -Rückens zum Ausdruck bringen. Besonders deutlich treten die Beziehungen dieses Stranges einerseits zu dem Embryo, andererseits zu der Zellhaut an dem Längsschnitt eines Eies (Fig. 8, /") in das Auge; die seine Wandungen bildenden Zellen bilden direkte Fort- setzungen derjenigen, welche die Rückenwand selbst wie die Zellhaut formiren. Bei weiterer Ausbildung des Embryo (Fig. 10, f) wird jeuer Strang allmählich länger und dünner, um sich zuletzt von der Zellhaut abzutrennen und nur noch als kleine spitze Erhebung auf dem Embryo- Rücken zurückzubleiben. Haben die Leberorgane die vorher geschilderte Entwicklung erreicht und hat sich gleichzeitig das Ektoderm am hinteren Ende des Keim- streifeus sehr viel tiefer und in Form eines breiten Schlitzes zum Hinter- darm eingestülpt (Fig. 8, a), so tritt auch am entgegengesetzten Ende eine ähnliche Einstülpung des Ektoderms zur Anlage des Vorderdarmes (Fig. 8, o) auf. Als die auffallendste in dieses Entwicklungsstadium fallende Umänderung ergiebt sich jedoch die sehr starke Verdickung des Ektoderms an der Bauchseite des Keimstreifens, welche durch mehrere auf einander liegende Schichten rundlicher Zellen (Fig. 8, gv) bewirkt wird. Diese gleich unter der Mundöffnuug beginnende, dagegen ziemlich weit vor dem hintereu Ende des Keimstreifens endigende Verdickung erweist sich als die erste Anlage der Banchganglienkette. Aber auch oberhalb der Stelle, wo sich das Ektoderm zum Vorderdarm einstülpt, ist gleichzeitig eine ganz entsprechende Verdickung desselben durch mehrfach aufeinander geschichtete Zellen wahrzunehmen; in ihr ist die erste Anlage des Gehirnganglions (Fig. 8, gg), zu erkennen. Bei dieser Verdickung des Ektoderms ist die das Mesoderm darstellende Lage iso- lirter ovaler Zellen übrigens der Hauptsache nach unverändert geblieben (Fig. 8, vi). Eine Ausnahme hiervon machen nur die Höhlungen der Gliedmassen- Anlagen, welche durch Ausstülpungen des Ektoderms hervor- 124 Isopoda. gerufen werden, so wie die in leichteren Ausbuchtungen des letzteren bestehenden ersten Andeutungen der seitlichen Segmentränder. Innerhalb dieser haben sich die Mesodermzellen vermehrt und sind zu dichteren Häufchen vereinigt (Fig. 9, ni); gleich den vereinzelten, sich der Wand des Hinterdarms dicht anlegenden, werden sie zur Herstellung der Mus- kulatur verwendet. Unter immer stärker abnehmendem Umfang des Nahrungsdotters vergrössern sich nun allmählich entsprechend die Leberorgane und die bereits vorgebildeten beiden Darmabschnitte. Während erstere in dem vorstehend beschriebenen Stadium bei der Protilansicht des Eies nur einen verhältnissmässig kleinen Theil der Dotterballen verdrängt hatten, kommen sie ihm jetzt (Fig. 10, he) in Form grosser, rundlich ovaler Scheiben an Ausdehnung fast gleich, um ihn abermals später, wo sie den Umriss von länglich nierenförmigen Schläuchen angenommen haben, schon merklich zu übertreffen. Der in der Richtung von hinten nach vorn allmählich schwindende Nahrungsdotter zeigt jetzt zugleich merklich kleinere Zellen (Fig. 11, cn). Rückwärts unmittelbar unter den die Embryo- nalwaudung bildenden platten Zellen liegend, steht er nach unten noch in weiter offener Communikation mit der Leberhöhle, welche von flüssigem, homogenem Dotter angefüllt ist (Fig. 11, lic). Nur hinten sind die Leber- schläuche sowohl von dem Nahrungsdotter wie auch (in der Mittellinie) von einander getrennt und reichen mit ihrem zugespitzten Ende eine kurze Strecke unter den Hinterdarm hin. Das mit feinen grünlichen Körnchen gefüllte Piasterepithel ihrer Wandungen geht nach oben ganz allmählich in den Nahrungsdotter über und erscheint an der hinteren Wand des Vorderdarnies (später zum Magen werdend) sehr dünn. Dieser sowohl wie der Hinterdarm haben sich unter gleichzeitiger Streckung und Verschmälerung des Embryokörpers sehr viel tiefer nach innen ein- gestülpt uud überdies, im Vergleich mit früher, stark erweitert. Der Vorderdarm (Fig. 11, o) zerfällt, im Längsschnitt betrachtet, jetzt schon deutlich in einen engen Oesophageal- und einen weiten, nach unten tief und spitz dreieckig herabtretenden IMagenabschnitt, dessen hintere, dem Nahrungsdotter und den Leberschläuchon anliegende Wand beträchtlich dünner als die mehr dem Oesophagus zugekehrte ist, während dagegen seine obere Wand stark kegelförmig verdickt in das Lumen vorspringt (Fig. 11, rv), um später die Reibe])latten aus sich hervorzubilden. Ober- halb der Mundöffnung und im vorderen Anschluss an das Gehirnganglion tritt eine kuppenförmige Wölbung als die Anlage der späteren Oberlippe (Fig. 11, Ib) hervor. Der bis fast auf ein Dritttheil der Gesammtlänge in das Innere des Embryokörpers einspringende Hinterdarm (Fig. 11, In) ist jetzt nach oben und unten überhaupt nicht mehr, sondern nur noch an seinem vordersten erweiterten und geradlinig abgestutzten Ende mit dem NahruDgsdotter in Contakt; auch ist diese Vorderwand im Gegensatz zu der dicken, aus hohem Plasterepithel gebildeten oberen und unteren sehr dünn uud in der Mitte fast durchbrochen, so dass sein Lumen hier mit Enlfricklung'. 125 dem Nahrangsdotter iu direkte Berührung tritt. Die das Mesoderm darstellenden Zellen hahen sich an verschiedeneu Körperstellen, besonders im Inneren der Oberlippen -Anlage, rückwärts von der oberen Wand des Hinterdarms und zwischen Lebersäcken und dem vorderen Theil des Keimstreit'ens (Ektoderm) vermehrt und zu Häufchen angeordnet. End- lich hat eine besonders wichtige und auffallende Veränderung das Ekto- derm (Fig. 11, gr) dadurch erfahren, dass es unter abermaliger bedeuten- der Dickenzunahme im Bereich seiner zwei vorderen Dritttheile durch senkrecht gegen seine Längsaxe gerichtete feine Einschnitte, den Körper- segmenteu entsprechend, in eine grössere Anzahl von Würfeln zerfallen ist, deren Abgrenzung nach hinten allerdings immer undeutlicher wird. In diesem Zerfall des Ektoderm zeigt sich die erste Anlage zur Her- stellung der paarigen Baucbganglieu, deren vorderstem die sich in den Mund einstülpende Epithellage noch unmittelbar aufliegt. In gleicher Weise setzt sich auch das die Oberlippe überziehende Epithel noch ganz direkt in den hinter ihr liegenden, grossen und eine starke AVölbung zeigenden Zelleuhaufen , welcher das Gehirngaugliou (Fig. 11, gs) reprä- sentirt, fort. Die weiteren Veränderungen, welche sich an dem in das vor- beschriebene Stadium getretenen Embryo vollziehen, betreffen in erster Linie die vollständige Resorption des noch vorhandenen Dotterrestes und die wenigstens auf einer theilweisen Verwendung desselben beruhende Bildung des Mitteldarms; ferner die auf Kosten des Mesoderms vor sich gehende Entwicklung der Muskulatur und mit ihr auch des Herzens; endlich um nur die Hauptsachen zusammenzufassen, die Sonderung des Ektoderms in Nervensystem und Körperwandung. In welcher Weise bei dem Onlscus-Emhryo der Mitteldarm zur Aus- bildung gelangt, lässt .sich auch ohne direkte Beobachtung aus dem Vergleich des vorhergehenden Stadiums mit einem folgenden, in welchem derselbe bereits fertig vorliegt, während dagegen die Darmdrüsenzelleu (Nahrungsdotter) vollständig verschwunden sind (Fig. 12), mit Sicherheit scbliessen. Hat sich der durch Einstülpung des Ektoderm gebildete Hinterdarm an seiner den Grund der Einstülpung bildenden Wand durch Resorption der letzteren geöffnet und ist er auf diese Weise mit den angrenzenden Darmdrüsenzellen in direkte Verbindung getreten, wie dies bereits im vorhergehenden Stadium (Fig. 11, in) angebahnt war, so wird als direkte Fortsetzung des Hinterdarm -Epithels dasjenige des Mittel- darmes durch Umformung der Darmdrüsenzellen und zwar unter all- mählichem Fortschreiten iu der Richtung nach vorn gebildet. Allerdings wird dazu nur ein relativ geringer Theil des noch übriggebliebenen „Nahrungsdotters" verwendet, während der überwiegend grössere auch jetzt noch den Lebersehläuchen zu ihrer vollständigen Ausbildung zu Gute kommt. Im Grunde wird also nur der Hinterdarm, wenngleich auf Kosten eines verschiedeneu Substrates, ununterbrochen nach vorn hin verlängert, bis derselbe (Fig. 12, n?) die Hiuterwand des Vorder- 126 Isopoda. darmes erreicht. Gleicbzeitig mit diesem fortgesetzten Hineinwachsen in die vor ihm liegenden Darmdrtisenzellen verschmälert sich übrigens der ursprünglich als Einstülpung angelegte Hinterdarm sehr beträchtlich (Fig. 12, in), und schliesst sich an seinem hinteren Ende zum After zusammen. Inzwischen ist aber auch der Vorderdarm im Vergleich mit dem früheren Verhalten eine bedeutende Verengung (Fig. 12, oc) ein- gegangen und zwar betrifft dieselbe nicht nur den Oesoi)hageal- Abschnitt, bei dessen Ausmiinduug sich der Oberlippe (Fig. 12, Ib) gegenüber unter- halb ein zipfelartiger Vorsprung, die Anlage der sogenannten „Unterlippe", hervorgestülpt hat, sondern auch den Magentbeil, in dessen Lumen jetzt ausser dem oberen auch ein unterer kegelförmiger Vorsprung hineinragt (Fig. 12, ve). Die im Innern des letzteren unterhalb des Epitheles an- gehäuften Mesoderm- Zellen lassen die Muskelbüudel, welche später zur Bewegung des Magengerüstes dienen, aus sich hervorgehen. Sonst findet sich übrigens während dieser Periode dem Epithel des Vorder- wie des Hinter- (incl. Mittel-) darmes auch schon eine zweite, aus länglichen, kettenartig mit einander verbundenen Zellen bestehende Hülle nach aussen hin aufliegend (Fig. 12 u. 13). Der im Querschnitt (Fig. 13, re) deutlich von oben her abgeplattete Darm ist vollständig leer, die gleichfalls im Querschnitt (Fig. 13, he) rundlich erscheinenden Leberschläuche enthalten dagegen noch immer flüssigen Dotter. Letztere sind jetzt vollständig von einander abgegrenzt, d. h. auch in der Mittellinie gewandet (Fig. 13, hc). Die Epithelzelleu ihrer Wandungen sind sehr auffallend von denjenigen des Darmrobres verschieden , nämlich breiter als hoch und von mehr ovalem Umriss; nach aussen liegen ihnen gleichfalls kleinere Zellen, welche jedoch durch weite Zwischenräume getrennt sind, an. Die Ein- mündung der Leberschläuche in das Darmrohr entspricht der hinteren Seite der Scheidewand, welche zu dieser Zeit noch zwischen dem Magen und dem Mitteldarm, wenngleich von grosser Zartheit, besteht. Das Herz des Oh(sc!(s- Embryo ist in seiner ersten Anlage zwar nicht von Bobretzky beobachtet worden; doch kann es bei dem Ver- gleich der beiden Diirchscbnittsfiguren 11 und 12 nicht dem mindesten Zweifel unterliegen, dass sich dasselbe aus derjenigen Gruppe von Mesoderm -Zellen hervorbilde, welche in dem vorhergehenden Stadium zwischen der Kückenwand des Embryo und dem Dache des Hinterdarmes (Fig. 11) gelagert waren. Genau an derselben Stelle erscheint dasselbe auf dem Längsschnitt des gegenwärtigen Entwicklungsstadiums (Fig. 12, ro) in Form eines länglichen Säckchens, welches sich nach vorn allmählich in die dort liegenden zerstreuten ovalen Zellen verliert. Auf dem Quer- schnitt (Fig. 13, CO) zeigt es sich noch in stärkerem Grade als das Darm- rohr von oben her abgeplattet und zugleich von diesem durch eine aus länglichen Zellen gebildete Scheidewand getrennt. Die Wand des Herzens ist aus verschmolzenen Zellen mit ganz verwischten Grenzen zusammen- gesetzt; doch markireu sich die diesen Zellen zukommenden grossen Kerne in dem hellen Protoplasma sehr deutlich. Die obere Wand des Entwicklung. 1^7 Herzeus liegt der Hypodermis des Elickens dicht au; au seiuen Seiten- wänden heften sich verlängerte Zellen, welche später zu Muskeln werden , an. Das im vorhergehenden Stadium noch völlig homogene Ektoderm hat sich inzwischen in die CTanglieumasse (Fig. 12, (jv) und die sich von derselben frei abhebende Hypodermis (Fig. 12, hp) scharf gesondert; auch hat sich von dem vordersten Ende der ersteren die den Oesophagus auskleidende Epithelschicht deutlich abgehoben und ist durch angehäufte Mesodermzellen geschieden. Die den Segmenten entsprechenden einzelnen Ganglien sind besonders im mittleren Theil der Kette durch winklige untere Einbuchtungen scharf von einander geschieden , während sie in der Richtung nach hinten in ihrer Abgrenzung verwischt erscheinen. Die an der Bauchganglienkette beginnende Bilateralität macht sich besonders an Querschuitten (Fig. 13, gr) durch eine ventrale Ausbuchtung der Nervensubstanz bemerkbar; eine helle, zweibuchtige Stelle, welche der oberen Seite entspricht (Fig. 13), dient der späteren Fasermasse als Ausgang. Bei Ansicht des Bauchstranges von der Rückenseitc (Fig. 14) tritt die grosse Flächenausdehnung dieser hellen Substanz, welche von der Zellenmasse nur seitlich umsäumt wird, hervor. Innerhalb des einen stark gewölbten Hügel darstellenden Gehirnganglions (Fig. 12, gs), von welchem sich die Hypodermis gleichfalls deutlich abgehoben hat, ist übrigens jene Substanz nicht minder in grossen, symmetrischen Anhäufungen nachweisbar; von denselben geht die Verbindung zu dem unterhalb des Oesophagus liegenden Ganglion aus. Die mit diesem Entwicklungsstadium abschliessenden Beobachtungen Bobretzky's über die Embryologie des Oniscns murar'ms vervollständigen wir noch durch einige Angaben, welche den aus d. J. 1833 stammenden classischen Untersuchungen H. Rathke's über dasselbe Thier entlehnt sind. Bis zu dem zuletzt geschilderten Zeitpunkt ist der Embryo derart in der EihüUe gelagert, dass die convexe Bauchseite der letzteren sich eng anlegt, während die Rückenseite sich von dem gegenüberliegenden Coutour frei abhebt (Taf. XXVI, Fig. 6). Mit dem Schwinden des Dotters und der fortschreitenden Ausbildung der Gliedmassen ändert sich jedoch dieses Verhältniss dahin, dass unter immer stärker werdender Einkrümmung der Bauchseite der Rücken sieh herauswölbt und nun seinerseits — wie zuvor die Bauchwand — der Eihülle sich unmittelbar anschmiegt. Bei der Nach- giebigkeit der EihUUe übt diese veränderte Lage des Embryo auch einen sehr merklichen Einfluss auf den Umriss des Eies, welches jetzt mehr die Form einer Niere annimmt, aus (Taf. XXVI, Fig. 5). Von dem Zeitpunkt dieser Umdrehung an lässt sich an dem Embryo auch eine willkürliche Bewegung der Gliedmassen sowohl wie des Rumpfes wahrnehmen. Rathke konnte Embryonen dieses Alters eine halbe Stunde lang Beine und Fühlhörner zwar langsam aber ununterbrochen bewegen, gleichzeitig aber auch den Rumpf abwechselnd strecken und krümmen sehen, obwohl noch nirgends eine Spur von Muskelfasern wahrzunehmen war. Gleich letzteren, an 128 Isopoda. deren Stelle nur ein durchscheinender, aus Zellen bestehender Inhalt vor- handen war, fehlte auch jede Andeutung von Blutgefässen. Nur das Herz erschien als ein äusserst zarthäutiger, massig VFeiter, cylindrischer und an beiden Enden abgestumpfter Schlauch, welcher vom hinteren Ende des Postabdomen bis in das vierte Mittelleibssegment hineinragte. Die Augen entstehen wahrscheinlich schon in einem früheren Embryo- nalstadium, sind aber, weil sich erst spät Pigment in ihnen ablagert und weil sie nicht auffallend hervorragen, erst zu der Zeit sichtbar, wenn der Embryo seine Lage verändert und den Rücken nach aussen gekrümmt hat. Kurz vor Sprengung der Eihülle tritt nämlich die Pigmentablagerung zu beiden Seiten des Kopftheiles in Form kleiner, äusserst dicht bei einander stehender Punkte von dunkelbrauner Färbung hervor. Die erste Anlage der späteren Köpersegmente zeigt sich bt nach dem Hervorsprossen der Gliedmassenwülste aus dem Kei durch kleine plattenförmige Verdickungen, welche zuerst an der Aussen- scite der Beinwülste, darauf an derjenigen der späteren Pedes spurii zum Vorschein kommen. Allmählich wachsen dieselben unter schärferer Trennung gegen einander in der Richtung nach oben, und zwar sondert sich zunächst in besonderer Deutlichkeit das vordere, die Fühler tragende Kopfsegment, während die den Mundgliedmassen entsprechenden nur schwach augedeutet bleiben. Sehr scharf und ziemlich weit in der Richtung gegen den Rücken hin schneiden die den Beinen und Pcdcs spurii entsprechenden Segmente den Keimstreifen ein, und zwar bilden sich deren zwei mehr, als Gliedmassenpaare angelegt sind. Auf der Grenze zwischen den sechs Beinpaaren und den Pedes spurii entstehen nämlich (Taf. XXVI, Fig. 6) zwei Segment -Andeutungen, welche nicht nur sehr viel kürzer als die vorangehenden Mittelleibsringe sind, sondern auch den Segmenten des Postabdomen an Länge merklich nachstehen. Dieses Stadium der Segmentirung ist bereits erreicht, bevor der Embryo seine Bauchseite einkrümmt und sie besteht auch noch eine Zeit lang fort, nachdem dieses geschehen ist (Taf. XXVI, Fig. 5). Die zu dieser Zeit zunächst noch deutliche Segmentirung der Kiefergegend geht jedoch bald darauf wieder ein, während dagegen die dem Mittel- und Hinterleib entsprechenden Segmente jetzt um so schneller gegen die RUckenliuie hin wachsen, um sich schliesslich, zunächst im Bereich des Mittelleibes, an dieser zu vereinigen. Während dieses Wachsthum selbst durch die un- unterbrochene nach oben hin fortschreitende Verdickung der Leibes- wandung bewirkt wird, spielt bei dem Schluss der Segmente in der Mittellinie des Rückens auch das Schwinden des Dotters, welches eine Abflachung zu Wege bringt, eine wesentliche Rolle. Wo der Rückentheil der beintragenden Segmente mit dem entsprechenden. Bauchtheil zusammen- trifft, wächst ersterer seitwärts ziemlich stark hinaus und legt dadurch den ersten Grund zu den lamellenförmigen Ausbreitungen der beiden Seiten, welche ihre volle Ausbildung übrigens erst nach dem Ausschlüpfen des Embrvns ans dem Eie erhalten. Entwicklung. 129 c) Idothca Bastoi. Die von Rathke unteisuclite Embryonal -Ent- wicklung dieser Art ist im Aligemeinen derjenigen der Oniscincn sehr ilhnlich. Die selten zu hundert, meistens in sehr viel geringerer Zahl in die Bruthühle des Weibchens eintretenden Eier messen Vc; bis '/& Lin. im Durchmesser; ihre Form ist länger oder kürzer oval, zuweilen an- nähernd kuglig. Der Dotter nimmt den bei weitem grössten Theil des Eies ein und zeigt bald eine goldgelbe, bald eine heller oder dunkler grüne Farbe. Ob derselbe von einer besonderen Dotterhaut umgeben ist, Hess sich nicht mit Sicherheit feststellen. Die den Dotter rings um- wachsende Keimhaut schlägt sich, nachdem sie die entsjjrechende Breite erreicht hat, auch hier in Form einer bis zum Mittelpunkt des Eies ein- schneidenden Falte in den Dotter ein und theilt denselben an seiner Rückenseite in ein dickeres, breiter abgerundetes Kopf- und ein schmäleres Schwänzende (Taf. XXV, Fig. 5). Nachdem sodann der an der Bauch- seite des Dotters gelegene Theil der Keimhaut sich immer mehr verdickt hat und so zum Keimstreiten geworden ist, machen sich an demselben paarige Wülste als erste Anlagen der künftigen Gliedmassen bemerkbar. Dieselben sprossen, wie bei Oniscus, zuerst am v.ordereu Ende des Keim- streifens, um hier Fühlhörner und Mundtheile aus sich entstehen zu lassen, hervor, während die Anlagen der Beine und der P(Y/r.s sj/urii erst später, und zwar genau in der Reihenfolge von vorn nach hinten zur Erscheinung kommen. Eine Bildung von seitlichen blattförmigen Anhängen (nach der Art von Aselhis) kommt bei Jdothm nicht zu Stande. Als auffallend wird von Rathke hervorgehoben, dass der Dotter des auf dieser Stufe der Ausbildung angelangten Embryo's nicht nur nicht kleiner, sondern eher grösser als an dem eben in die Bruthöhle getretenen Eie erscheint, wie denn auch die Dotterballen jetzt grösser und lockerer aneinanderliegend als früher zu erkennen sind. Der bis dahin innerhalb der EihUlle stark gekrümmt liegende, sich mit Kopf- und Schwanztheil berührende Embryo (Taf. XXV, Fig. 6) beginnt sich nun allmählich zu strecken, wobei allerdings der Rücken immer noch eine starke Concavität, der Bauch eine schwächere Convexität beibehält (Taf. XXV, Fig. 7); da hierbei eine merkliche Grössenzunahme stattfindet, müssen die den Embryo einschliessenden und ihm noch immer knapp anliegenden Hüllen eine Dehnung erfahren. Nicht selten kommt es vor, dass der Embryo schon während dieses noch wenig vorgeschrittenen Entwicklungsstadiums (Taf. XXV, Fig. 8), in welchem er den Dotter noch in seiner früheren Grösse erkennen lässt und kurze Zeit, nachdem die Anlagen der Pedes spurii sich von dem Keimstreifen abgehoben haben, die Eihäute abstreift und auf diese Art frei in dem Brutraum der Mutter zu liegen kommt. An- dererseits lassen sieh aber auch häufig Embryonen noch von den EihüUen umschlossen finden „ deren Ausbildung bereits eine sehr viel weiter vor- geschrittene ist, bei denen der Körper sich sehr viel gerader gestreckt, der Dotter auf die Hälfte der Grösse vermindert hat und deren Kopf- abschnitt schon deutliche Augenflecke erkennen lässt. Da indessen 130 Ibopoda. auch bei solchen ludividueu die Körpersegmentiruug noch kaum im Entstehen begriffen und die Ausbildung der inneren Organe noch weit im Rückstände ist, verlässt der Embryo von Idotlica das Ei in ebenso vorzeitiger Form wie derjenige von AscIIns und muss zu seiner weiteren Ausbildung noch längere Zeit in der Bruthöhle der Mutter verharren. d) Jaeridina Nordmanni. Die gleichfalls von Rathke herrühren- den, übrigens ziemlich aphoristischen Angaben über die Embryonal -Ent- wicklung dieser Art lassen Idofhm gegenüber keine irgendwie wesent- lichen Abweichungen erkennen. Die sich innerhalb des Brutraumes nur in geringer Anzahl (10 bis 12) findenden Eier sind ganz oder annähernd kugelrund, messen \i(, Lin. im Durchmesser; der fast das ganze Ei aus- füllende Dotter ist smaragdgrün und grobkörnig. Nachdem derselbe, durch die sich einschlagende Falte der Keimhaat getheilt, die Hufeisen- form angenommen hat, und nachdem am Keimstreifen die Gliedniassen- anlagen hervorgesprossen sind, wird theils durch schnelle Grössenzunahme des zweiten Fühlerpaares, theils durch starke Hervorwölbung des Stirn- theiles das Ei aus der Kugelform in eine unregelmässig ovale, ja fast in die Birnform umgeändert (Taf. XXV, Fig. 10 u. 11). Nach weiterem Längswachsthum und freierer Absetzung der Gliedmassen vom Rumpfe wird dann die Eihülle gesprengt und der sich aus derselben freimachende Embryo schlägt jetzt seinen Schwanztheil vom Kopftheile zurück, um zunächst jedoch noch die Sichelform — unter fast halbkreisförmig ein- gebogenem Rücken — beizubehalten (Taf. XXV, Fig. 12). Seine Aus- bildung ist zu dieser Zeit schon merklich weiter gediehen, als diejenige von Idothcd. e) Lujia Brandti. Die in den Brutraum gelangten Eier sind nach Rathke nicht ganz regelmässig kuglig, ihr Dotter goldgelb und massig grobkörnig, durch keinen Zwischenraum vom Chorion getrennt. Nach Einschlag der Keimhaut in den Dotter und nach dem Hervorsprossen der Gliedmassenanlagen klappt sich der Embryo sammt dem von ihm ein- geschlossenen Dotter so auseinander, dass er unter Dehnung der Eihaut eine lauggestreckte und mit dem hinteren spitzen Ende etwas aufgebogene Birnform annimmt (Taf. XXV, Fig. 14). Indem der Umriss allmählich noch gestreckter und zugespitzter wird, nimmt unter starker Verlängerung der hinteren Fühleranlageu der Kopftheil einen ansehnlichen Umfang an, lässt auch bereits die Andeutungen der Augen hervortreten (Taf. XXV, Fig. 15). Die Anlage der Gliedmassen schreitet, wie gewöhnlich, in der Richtung von vorn nach hinten vor und ^-streckt sich auch auf das sechste Paar der Pedes S2)nrii, welche, indem sie das Chorion vor sich herdrängen, an der Spitze des Körpers senkrecht gegen den Rücken kegelförmig auf- steigen. Indem allmählich auch die Segmentirung der Leibeswandungen deutlicher in die Augen tritt, bildet sich auf der Grenze von Kopftheil und Mittelleib ein tiefer Rückenausschnitt, hinter welchem der Rumpf jäh gegen die Eihaut hin aufsteigt, um in Form eines Zapfens (Fig. 15, m) mit derselben in Verbindung zu treten. Innerhalb der ihm nicht überall Entwicklung. 131 dicht anliegenden Eihaut vermag sich der Embryo jetzt schon leicht zusammenziehend auszudehnen. In demselben Maasse, als dies Vermögen immer stärker wird, tritt nicht nur eine grössere Läiigsstreckung seines Körpers, sondern auch eine immer deutlicher werdende, zipfelartige Ver- längerung seines hinteren Körperendes, welches jetzt seine bisherige Krümmung nach oben in die entgegengesetzte umwandelt und seine hakenförmig gekrümmte Spitze nach vorn wendet, ein (Taf. XXV, Fig. 16). Während hierbei der Embryo noch an Grösse zugenommen, das Chorion sich aber nicht in entsprechender Weise ausgedehnt hat, liegt letzteres ihm jetzt so eng an, dass die dicht an den Rumpf angepressten Glied- masseu nur undeutlich, zum Theil überhaupt nicht mehr zu erkennen sind. Die ersten Spuren der Augen treten gleichzeitig mit der Segnien- tirung der Leibeswand, die Abgrenzung der Leberscbläiiche vom Dotter schon früher auf; indem letztere sich beiderseits vom Dotter immer mehr in die Länge strecken, reichen sie bereits vor der Umkrümmung des Embryo bis in den Hinterleib hinein. Zur Zeit der Sprengung des Chorion durch den Embryo hat das Ei fast das Doppelte seiner ursprünglichen Grösse erreicht und gleicht um diese Zeit fast einer Insektenpuppe. Von dem Dotter ist nur noch ein geringer Theil zwischen den beiden gelb- gefüllten Leberschläuchen übrig. Das letzte Paar der Pcdcs sjnirii des Embryo's zeigt bereits die Gabelform. f) Bopijrus squillarum. Die in die Bruthöhle gelangenden Eier, welche in der Regel eine kugelrunde Form haben, messen nur Vu» Lin. im Durchmesser. Gleichzeitig zu mehreren Hunderten vorhanden und vielfach über einander gepackt, lassen sie zwischen sich eine dickliche, eiweiss- artige Flüssigkeit erkennen. Die dem graugrünen oder ochergelben Dotter dicht anliegende Haut ist sehr dünn und durchsichtig. Bei beginnender Embryonalentwicklung zeigt sich an einer Stelle des Dotters eine kleine farblose Stelle, welche — bei einer sich gleichzeitig bemerklich machenden leichten Streckung des Eies — der einen Längsseite desselben entspricht (Taf. XXVI, Fig. 12). Schon bei dem ersten Auftreten dieser hellen Stelle zieht sich der Dotter mit einer flachen Einbuchtung von derselben zurück. Später, nachdem sich die Keimhaut bereits in ansehnlicher Breite rings um den Dotter herum ausgebildet hat (Taf. XXVI, Fig. 13), schlägt sie sich, jener Stelle entsprechend, in Form einer Falte gegen den Dotter hin ein und verändert die bis dahin stumpf ovale Form desselben (bei der Seitenansicht) in diejenige einer gekrümmten Retorte, deren vorderes Ende fast die dreifache Breitp des hinteren hat (Taf. XXVI, Fig. 14). Nähme nun die Entwicklung des Embryo aus der in den Dotter sich ein- schlagenden Keimhaut denselben Verlauf, wie bei allen zuvor erörterten Isopoden, so würde der die convexe Seite des Dotters umgebende Theil der Keimhaut sich zum Keimstreifen umgestalten und aus diesem würden die Gliedmasseu -Anlagen hervorsprossen, während dagegen die in den Dotter einschneidende Falte später zur Rückenwand auswaehsen müsste. Nach den — von Cornalia für ^'//;/r hraurhldli^ bestätigten — Beobach- 9 * 132 Isopoda. tungeu Kathke's ist dies aber bei Bopyrus squillarum uiclit der Fall; vielmehr bildet sich hier die der Eihaut zugewendete couvexe Seite der Keimhaut zur Rückeuwaud, dagegen der faltenartig in den Dotter einschneidende Theil derselben, an welchem die Anlagen der Gliedmasseu zum Vorschein kommen, zur Bauch- wand aus. Allerdings ist es Rathke nicht gelungen, an den in der Entwicklung begritienen Eiern die Anlage der Gliedmassenwülste im Bereich der Eiuschlagst'alte festzustellen Dass sie aber trotzdem hier stattfinden müsse, ergab sich ihm nicht nur daraus, dass ihr Auftreten niemals au dem der Eihaut zugewendeten convexeu Theil der Keimhaut erfolgte, während dasselbe doch an den Eiern aller übrigen von ihm untersuchten Isupudcu sehr leicht zu coustatireu war, sondern besonders auch daraus, dass die so eben aus der Eihülle hervorgehenden Embryonen die mit Gliedmassen versehene Bauchseite noch in gleich starker Ein- krUmmuug wie innerhalb des Eies wahrnehmen Hessen (Taf. XXVI, Fig. 11). Mit der allmählichen Dickenzuuahme der Keimhaut, welche an dem breiteren Theile des Dotters (dem späteren Kopfende des Embryo's) eine sehr viel beträchtlichere ist, und mit der gleichzeitig vor sich gehenden Verminderung der Dottermasse ändert übrigens das ISo^i/rus -Ei seine ursprünglich kuglige in eine mehr längliche, beiderseits abgestumpft ovale Form um. An Eiern dieses Stadiums treten nach Rathke 's Beobachtung zwei Streifen von gelblich brauner Farbe, welche sich durch einen grossen Theil jeder Seite des Embryo's hindurcherstrecken und mit der Axe des Dotters parallel laufen, auf. Während sie auf den ersten Blick der Ober- fläche des Dotters selbst anzugehören scheinen, erweisen sie sich bei näherer Betrachtung als in der Leibesvvand des Embryo's gelegen und sind als die ersten Anfänge zu einer Färbung dieser zu betrachten. Mit zunehmen- der Ausbildung des Embryo immer breiter und dunkler werdend, erscheinen sie beim Ausschlüpfen des letzteren aus der Eihülle sogar dunkelbraun. Etwas später als der Beginn der bräunlichen Färbung machen sich zu beiten Seiten des späteren Kopfendes des Embryo zwei röthliche Punkte bemerkbar, welche sich allmählich zu kleinen, länglichen und karmoisin- rothen Flecken, den Anlagen der Augen, ausbilden. Bis zu dieser Zeit hat das Ei, offenbar durch Resorption einer in der Bruthöhle betindlichen Flüssigkeit merklich an Umfang zugenommen; auch machte es auf Rathke den Eindruck, als beträfe diese Grössenzunahme zugleich den Dotter, dessen Ballen während der Dickeuzunahme des Embryo's sich deutlich lockern und vergrössern. Einer besonderen Erwähnung ist die sich an dem Embryo von Bopyrus entwickelnde Zahl der Gliedmassen werth. Wie bereits erwähnt, ist es Rathke nicht gelungen, die erste Anlage derselben an der sich in den Dotter einschlagenden Falte der Keimhaut direkt zu beobachten; doch lässt schon der aus der Eihülle befreite Embryo keinen Zweifel darüber, dass die Zahl der sich ausbiklenden Gliedmassen gegen die bei den Entwicklung. 133 übrigen auf ilire Entwicklung geprüften Tsopoihn zurücksteht. Am Kopf- theiie konnte Kathke nur zwei Fühlerpaare, dagegen keine Mundtheile wahrnehmen. Aber selbst angenommen, es seien letztere von ihm nicht erkannt worden, so würde schon eine wesentliche Abweichung von dem gewöhnlichen Verhalten darin bestehen, dass von den sieben auf den Kopftheil folgenden Ringen nur die vier vorderen mit je einem Bein- paar versehen sind, während ein fünftes und sechstes fehlen*). In sehr nahem Anschluss an diese vier Beinpaare, wenngleich durch ihre nach hinten gerichtete- Lage in einer Art Gegensatz zu ihnen stehend, finden sich fünf Paare sehr entwickelter Fcdcs simril von übereinstimmender Form und Grösse; hinter diesen endlich noch ein sechstes Hinterleibs- gliedmassenpaar von der Form zweier grosser, gekrümmter und stumpf endigender Zangen (Taf. XXVI, Fig. 10 und 11). g) Gyiir braiicIiiaUs. Die Ei- und Embryonal- Entwicklung dieser mit BoinjfHs sehr nahe verwandten, ja nicht einmal streng generisch ver- schiedenen Form zeigt nach Cornalia's Beobachtungen in allen wesent- lichen Punkten eine fast völlige Uebereinstimmung mit der vorhergehenden Gattung, wenigstens wenn man von den in mehrfacher Hinsicht auf- fallenden Angaben des Verf's über die Bestandtheile des unbefruchteten sowohl wie des bereits in der Entwicklung begriffenen Eies absieht. Schon bei dem Austritt desselben aus dem Ovarium will Cornalia an demselben ein Chorion, eine innerhalb desselben liegende Eiweisszone, ■ eine auf diese folgende Dotterhaut, einen aus weissen Kugeln zusammen- gesetzten Nahrungsdotter, eine von diesem eingeschlossene abermalige Membran und endlich einen centralen gelben Bildungsdotter unterscheiden. Bei beginnender Entwicklung tritt die Keimhaut zuerst einseitig am Dotter in Moudsichelform auf, um sich allmählich immer weiter um denselben herumzulegen. Umgiebt sie denselben in ansehnlicher Breite bereits als vollständiger Ring, so zeigt sich dem Schluss der beiden einander ent- gegengewachsenen Enden entsprechend eine Falte, welche nach der Cornalia'schen Zeichnung indessen nur bis zur Peripherie des völlig kuglig verbliebenen Dotters reicht, denselben aber nicht einschneidet. Indem unter bedeutender Grössenabnabme des letzteren die Keimhaut sich entsprechend verdickt, tritt bald darauf an dieser die erste Andeutung der Segmentirung, und zwar vom vorderen gegen das hintere Körperende des Embryo's fortschreitend, auf, indem sich ersteres gleichzeitig merklich verdickt. Nachdem das bis dahin kuglige Ei unter deutlicher Grössen- zunahme eine mehr längliche, stumpf ovale Form angenommen hat, machen sich an der dem Dotterrest zugewandten, centralwärts ein- gekrümmten Leibeswand des Embryo's fast gleichzeitig die Anlagen von zwei Fühlerpaaren, vier Beinpaaren und sechs Paaren von Pedes sptirii *) Dieser Angabe Rathke's stellt diejenige von Fr. Müller („Für Darwin", S. 47 f.) entgegen, wonach die von iliifl selbst beobachteten Bop>/rHs-La.v\ei\ das Ei mit sechs Paaren von Mittelleibsbcinen verlassen. Auch schreibt derselbe dem Embryo der „Bopyridcn" die gewöhn- liche Lage im Ei mit eingelirümmtem Kücken zu. 134 Isopoda. bemerkbar. Mit diesen Gliedmassen ausgerüstet verlässt der zunächst noch' bauchwärts eingekrümmte Embryo, wie bei Bopynis, die Eihiille. h) Phryxus hippolytes. Die aus den Ovarien in die Bruthöhle tretenden Eier haben nach Rathke gleichfalls eine kugelrunde Form, messen aber nur V;;o Liu. im Durchmesser. Während ihres Verweilens in der Brutliöhle nehmen sie unter gleichzeitiger Grössenzunahme eine mehr längliehe und — bei schwacher Ausbuchtung der einen .Seite — auch eine etwas nierenförmige Gestalt an. Letztere wird durch die Lagerung des sich ausbildenden Embr^'o, dessen Kopf- -und Schwanzende sich berühren, bedingt. Abweichend von Bojiynis und Gy(jc, dagegen in Uebereiustimmung mit der Mehrzahl der Isopodai zeigt der Embryo den Rücken ein-, die Bauchwand ausgekrümmt, so dass die letzterer entsprechenden Gliedmassen den Eihäuten zugewendet sind. Diese von Rathke mit voller Sicherheit sowohl au frischen wie an solchen Eiern, welche in Weingeist gelegt worden waren, erkannte Lagerung des Phryxus- Erabryo veranlasste den Beobachter, seine früheren, für Bopyyus squiUantm gemachten, gegentheiligen Angaben selbst nachträglich wieder in Zweifel zu ziehen, was mit Rücksicht auf die grosse Bestimmtheit, in welcher sie für Bopyrus ursprünglich von ihm hingestellt waren, ebenso "bedenklich erscheinen dürfte wie die Vermuthung, dass auch die Larve des Bopyrus stßiiUanuH , für welche er zuerst nur vier Mittelleibs-Beinpaare angegeben hatte, gleich derjenigen von Phryxus hippolyics von vornherein sechs solche aus dem Ei mitbringen möchte. •) C rypfoniscus und Entoniscns. Nach den Beobachtungen Frais se's an Cryptoniscus pcujuri und Entoniscns Cavolinü geht die Embryonalentwicklung nicht wie bei Bopyrm und Gyye (nach Rathke und Cornalia), sondern wie bei Asellus, Idotlica, Jaerkllna u. s. w. vor sich, indem der Keimstreifen mit den Gliedmassen -Anlagen sich an der convexen, der Peripherie des Eies zugewandten Seite des Erabryo's aus- bildet und die innerhalb des Eies zur Entwicklung gelangenden Mittel- leibsbeine die gewöhnliche Zahl sechs betragen. Im immittelbaren hinteren Anschluss an diese Wülste der Mittelleibsbeine sprossen auch die Anlagen der — von ihnen übrigens schon frühzeitig formell abweichen- den — Pedes spurli hervor. Der sich an den Larven beider Gattungen bemerkbar machende Unterschied in der Form des sechsten Mittelleibs- Beinpaares, welches bei Entoniscns den vorhergehenden gleichgestaltet, bei CryptoniscHS dagegen jenen gegenüber stark verlängert ist, tritt auch bereits am Embryo in seinem späteren Entwicklungsstadium deutlich her- vor (Taf. XXV, Fig. 17 — 21, p. vi). k) Änceus. Aus den sich auf die späteren Embryonalstadien beschränkenden Angaben A. Dohrn's ergiebt sich, dass bei dieser Gattung die Keimhaut den Dotter nicht vollständig umwächst, sondern die Rückenseite desselben in ansehnlicher Ausdehnung freilässt. In Folge dessen kommt es auch nicht zur Bildung einer in den Dotter einschneiden- den Rückenfalte. Vielmehr sind selbst bei Embryonen, deren Glied- Entwicklung. 135 massen nicht nur in vollständiger Zahl augelegt, sondern selbst schon zu ansehnlicher Längsausdehnung entwickelt sind, der Kopftheil und die Spitze des Postabdonien durch den voluminösen und grossballigen Dotter weit von einander getrennt. An dem etwa vier Fünt'thcileu der Eiperipherie gleich kommenden, convexen Keimstreifen bilden sich die Anlagen zu zwei präoralen und sechszehn postoralen Gliedmassenpaaren aus. Die Anlage des ersten der postoralen Gliedmassenpaare, aus welchem die Maudibeln hervorgehen, gleicht in ihrem mehr nach oben (aussen) ver- legten Ursprünge mehr derjenigen der beiden präoralen (späteren Fühl- hörner) als der beiden nach hinten auf sie folgenden (Maxillen des ersten und zweiten Paares), welche sich jedoch gleich bei ihrem ersten Entstehen von allen übrigen formell sowohl, wie in ihrer Richtung deutlich unter- scheiden. Während sie selbst nämlich als zwei kurze und breit abge- rundete Wülste, welche fast rechtwinklig aus dem Keimstreifen hervortreten, augelegt werden, liegen die sieben folgenden, zuerst unter einander fast gleich gebildeten mehr in der Axe des Keimstreifens, schlagen also die Richtung nach hinten ein. Bei weiter fortschreitender Ausbildung machen sich jedoch auch unter ihnen deutliche Unterschiede bemerkbar. Das Wachs- thum der fünf letzten unter diesen sieben Gliedmassenpaaren, aus welchen die fünf Beinpaare der AnceidcH hervorgehen, ist nämlich ein stärkeres und längere Zeit fortgesetztes, während dasjenige der beiden vordersten langsamer von Statten geht. Dabei wendet sich das erste, aus welchem die accessorischen Kiefer oder die Kieferfüsse des ersten Paares hervorgehen, auch schon ziemlich frühzeitig mehr den beiden Maxillenpaaren zu, während das zweite vor der Hand noch die Richtung nach hinten, wie die späteren Schreitbeine beibehält und diese selbst dann noch erkennen lässt, wenn der Embryo die Eihaut durchbricht. Die unter sich gleich- gestalteten Anlagen der sechs letzten Gliedmassenpaare (der späteren Fedes spiir'd) unterscheiden sich von den vorangehenden, von welchen sie übrigens durch einen deutliehen Zwischenraum — ein späteres gliedmassenloses Segment — getrennt sind, formell nur wenig, höchstens dass sie jenen gegenüber etwas schmächtiger erscheinen. Eine eigenthümliche Bildung lassen bereits zur Zeit der ersten Glied- massen-Anlage die Kopfplatten erkennen. Hinterwärts durch einen con- vexen Rand scharf von der daran stossenden Dottermasse abgegrenzt, zerfallen sie je in drei nebeneinander liegende, ovale Abschnitte, deren innerster (vorderster) mit demjenigen der anderen Seite verschmilzt. Während sieh in diesem später die Gehirnmasse ausbildet, treten an dem zunächst nach aussen (hinten) gelegenen Abschnitt die Gesichtsorgane hervor. Die ersten Anfänge der Darmbilduug machen sich in dem schon frühzeitig auftretenden After, welcher an der Bauchseite des letzten Hinterleibssegmentes sichtbar wird, geltend; beträchtlich später sind der Hinter- und der Vorderdarm, dieser nur undeutlich zu erkennen. Eine Mundöffnung konnte überhaupt nicht wahrgenommen werden; doch lässt sich ihre Lage aus der Oberlippe entnehmen, welche als ein unpaarer, 136 Isoijoda. zugespitzter, beweglicher Fortsatz an demjeuigeu Tlieile des Kopfes entspringt, welcher in Form einer Halbröhre die Mundtheile von oben her bedeckt. Die Leberorgaue gehen wie gewöhnlich aus dem vorderen ventralen Tlieil des Dotters jederseits in Form eines eiförmigen, an Umfang schnell zunehmenden Sackes hervor, um bei dem das Ei ver- lassenden Embryo bereits die sehr voluminösen Mittelleibssegmente 3. bis 5. fast ganz auszufüllen. Das Bauchmark legt sich in sechszehn aufeinander folgenden Ganglien an, von denen die drei vordersten, den Muudtheilen entsprecheuden kurz, die sechs folgenden beträchtlich länger sind; die sechs Abdominalganglien, deren beide letzte nur durch eine leichte Einschnürung getrennt sind, verbinden sich mit den vorangehenden durch ein sehr kurzes, dem verkümmerten letzten Mittelleibssegment entsprechendes. 3. Postembryonale Entwicklung. Aus dem Vorstehenden ergiebt sich, dass die Embryonen der Jsopodcn die Eihüllen zwar in einer von dem erwachsenen Thier nicht wesentlich verschiedenen Form verlassen, von demselben aber mindestens durch den Mangel eines, bei einigen Bopyndcn (Bopyrua und G)j(j(: nach Kathke undCornalia) selbst dreier Gliedmassenpaare des Mittelleibes abweichen. Auch sind Abstufungen in der Ausbildung der äusseren Körperform wie der inneren Orgaue Je nach den einzelnen auf ihre Entwicklung unter- suchten Gattungen nicht wohl zu verkennen, wiewohl es den Anschein hat, als würden dergleichen Verschiedenheiten während der auf das Aus- schlüpfen aus der Eihaut folgenden nächsten Zeit, welche das junge Thier noch in dem Brutraum der Mutter zubringt, der Hauptsache nach aus- geglichen. a) Unter allen bis jetzt zur Kenntniss gekommenen Tsopoilm- Embryonen verlässt keiner die Eihüllen in einer so unfertigen Form als derjenige des Äsdltis aquatkus. Derselbe entbehrt zu dieser Zeit noch jeder Spur einer willkürlichen Bewegung und nimmt während seines lange andauernden Aufcuthaltes in , der Bruthöhle, in welcher er von einer eiweisshelleu, klaren Flüssigkeit umgeben ist, an Grösse um das Achtfache des Ei- Volumens zu. Die ersten Veränderungen, welche sich nach dem Abstreifen der (sich im Brutraum allmählich auflösenden) Ei- hüllen bemerkbar machen, bestehen in dem Abheben der Gliedmassen von der Leibeswanduug, zu welcher sie bis dahin nur in dem Verhältniss von wulstartigeu Erhebungen standen (Taf. XXV. Fig. 2). Diese Los- lösung findet in der Richtung von vorn nach hinten statt und beginnt mit den Fühlhörnern, an denen sie von ihrem Spitzen -Ende gegen die Basis hin vorschreitet. Nach Vollendung derselben erscheinen die Fühl- hörner als fast gleich breite, etwas abgeplattete und zuerst völlig ungegliederte Schläuche. In relativ geringerer Ausdehnung erfolgt die Ablösung der Mandibeln und Maxillen, und zwar in gerade entgegen- gesetzter Richtung von innen nach aussen, indem bei gleichzeitiger Entwicklung:. 137 Abplattung des Rumpl'cs uud der dadurch bewirkten Verbreiterung der Baucbfläche auch eine Entfernung der Gliedmassen von der Mittellinie stattfindet und ihre zuerst quere Richtung in eine mehr schräge (von aussen und vorn nach iiiuen und hinten) umgeändert wird. Ganz besonders deutlich tritt dies an den sechs unter einander völlig gleichen Mittelleibs -Beiupaaren hervor, welche sich gleichfalls in der Richtung von innen nach aussen immer freier abheben uud alsbald nur noch dem 8eiteu- raud der Bauchseite anhaftend erscheinen; von diesem aus schlagen sie zunächst eine quere Richtung nach innen, dann aber unter einer winkligen Einknickung eine schräge nach rückwärts ein. Nachdem sich ferner zuvor schon die Oberlippe in Form einer Platte frei abgehoben und sich in einen rechten AVinkel zur Bauchwand gestellt hat, nachdem auch die weiter von der Mittellinie sich zurückziehenden Mandibeln an ihrer Aussen- seite einen Fortsatz, aus welchem später der Taster her\orgeht, getrieben haben, entwickeln sich schliesslich die das Ende der Gliedmassenreihe bilden den AVülste in immer deutlicherer Weise zu Prilrs .s^/h//7. Indem sie sich von der Baucbtiäche abheben, stellen sie sich zu dieser fast in einem rechten Winkel und platten sich zugleich merklich ab; nachdem an ihrem freien Rande zuerst eine Einkerbung aufgetreten ist, welche allmählich tiefer eingreift, findet eine Theilung in zwei zuerst neben-, später hinter einander liegende Lamellen statt. Der zuerst stark aufgekrümmte Rumpf des Embryo streckt sich während dieser fortschreitenden Ausbildung der Gliedmassen immer mehr gerade und hat diese Streckung bereits lange Zeit, bevor er den Brutraum verlässt, vollendet. Mit der Zunahme in der Streckung geht eine Abnahme in der Durchsichtigkeit der Körperwandung Hand in Hand, und zwar ist es besonders die Bauchseite, welche an Dickenzunahme der Rückenwand sichtlich vorauseilt. Eine sich an diese Verdickung bindende anderweitige Veränderung ist die immer deutlicher hervortretende Segmentirung des Rumpfes, welche acht auf einander folgende Abschnitte, von denen der vorderste jedoch 5 mal, der letzte nicht ganz 4 mal so lang als jeder der sechs dazwischen liegenden ist, zu Wege bringt (Taf. XXV, Fig. 1). Die im schroffen Gegensatz zu der ausgebildeten Assel so auffallende Grösse des vordersten Abschnittes (späteren Kopftheiles), welche während der ersten Zeit zugleich mit einer starken, kappenförniigen Wölbung desselben verbunden ist, wird übrigens mit fortschreitender Entwicklung eine allmäh- lich geringere, und zwar ist es zunächst besonders der Längsdurchmesser, welcher eine bedeutende relative Herabminderung erfährt; denn es beträgt dieser bei der jungen Assel während der letzten Zeit ihres Aufenthalts in der Bruthöhle nur noch etwa die 2^1.2 fache Länge der folgenden Leibesringe, welche ihrerseits freilich inzwischen relativ länger geworden sind. Auch diese verlieren bei ihrer weiteren Ausbildung sehr beträchtlich an Wölbung, lassen dagegen aus ihren Seitenwänden zuerst leicht angedeutete, später immer schärfer sich ausbildende Seitenlappen, welche durch tiefe Einkerbungen getrennt werden, hervorsprossen (Tal'. XXV, Fig. 3). Der 138 Isopoda. hinterste, verhältnissmässig lange Abschnitt ist ursprünglich vorn am breitesten und verschmälert sich von da aus ganz allmählich nach hinten ; auch ist er vorn am höchsten und nach hinten kegelförmig verjüngt. Später verändert er seine Form dahin, dass er sich etvea beim ersten Drittheil seiner Länge durch eine jederseitige Ausbuchtung tief einschnürt, hinter dieser sich aber wieder gerundet ervpeitert; gleichzeitig büsst er aber auch merklich an seiner ursprünglichen Wölbung ein. Gleichzeitig mit dem ersten Auftreten der acht Segmente erscheinen auf der Oberseite des vordersten im weiten Abstand von einander zwei schwarze Pigmentpunkte, welche, indem sie allmählich näher aneinander rücken, an Grösse zunehmen (Taf. XXV, Fig. X u. 3). Es sind dies die ersten Anlagen der bei der ausgebildeten Assel wenig in die Augen fallenden Gesichtsorgane. Die noch während ihres Erscheinens an den Seiten des zweiten (des ersten kurzen) Körpersegmentes in der früheren dreilappigen Form vorhandenen blattförmigen Anhänge (Taf. XXV. Fig. 1, 2, (q)) beginnen mit der Herstellung der Seitenlappen an den sechs mittleren Leibesringen sich zu verändern. Die beiden zugespitzten seitlichen Blätter des Dreizacks sind verschwunden und es verbleibt mithin zuvörderst nur noch ein klöppeiförmiger Anhang jederseits (Fig. 3, (q>), welcher jedoch gleichfalls bald darauf abgeworfen wird. Schon bevor dieses geschieht, hat die junge Assel eine zarte, Rumpf und Gliedmassen gemeinsam umhüllende Haut abgestreift. Die Folge dieser ersten, mithin schon im Brutraum stattfindenden Häutung ist eine stärkere Längsentwicklung der Gliedmassen. Bald nach derselben beginnen die Fühler des zweiten Paares fast bis zur halben Körperlänge auszuwachsen, indem sie dabei aber auch jetzt noch die Form ungegliederter, fast gleich breiter Schläuche beibehalten; die Fühler des ersten Paares dagegen erscheinen zu dieser Zeit noch als kurze Stränge, welche nur mit ihrer Basis in Form knopfförmiger Wülste am Vorderrand des Kopftheiles hervortreten. Von den übrigen Gliedmassen sind es besonders die sechs Paare von Mittelleibsbeinen, welche durch eine sehr beträchtliche Längsstreckung und die gleichzeitige Andeutung einer Gliederung in sechs aufeinanderfolgende Abschnitte eine bedeutende Aenderuug eingegangen sind. Erst gegen das Ende des Zeitraumes, während dessen die junge Wasser- assel in dem mütterlichen Brutraume verweilt, und nachdem bereits die Reste der blattförmigen Anhänge abgestossen sind, beginnen die Fühlhörner des zweiten Paares bei fortschreitendem Wachsthum in der Längsrichtung ihr bisheriges Verhalten nach doppelter Richtung hin zu ändern. Einerseits nehmen sie von der Basis gegen die Spitze hin zwar allmählich, aber sehr beträchtlich an Dicke ab; andererseits theilen sie sich in fünf deutlich von einander geschiedene Glieder, von denen die vier dickeren basalen zusammengenommen dem dünneren Eudgliede an Länge gleichkommen (Taf. XXV, Fig. 4, an-). Letzteres zerfällt erst kurz vor dem Verlassen der Bruthöhle seitens der jungen Assel in die zahlreichen kleinen, späteren Geisselglieder. Die zwischen diesen langen Fühlhörnern hervortretenden Entwicklung. 139 kurzen des ersten Paares (Taf. XXV, Fig. 4, iw\} lassen zu derselben Zeit eine Gliederung noch völlig vermissen; auch an ihnen zeigt sich eine solche erst kurz vor dem Ausschlüpfen aus dem Brutraum. Durch die noch ungefärbte und halb durchsichtige Rückenwand des Rumpfes schimmern au Stelle des zuvor vorhandenen grossblasigen und grün gefärbten Dotters ziemlich deutlich jederseits zwei gelb gefärbte Schläuche, deren längeres Paar von dem Hinterrande des Kopfabschnittes bis in das sechste Mittelleibssegment hineinragt und welche, zu beiden Seiten des Darmes gelegen, die Leberorgane darstellen, hindurch. In diesem Stadium der Ausbildung lassen sich an der jungen Assel die ersten deutlichen Bewegungen, besonders im Bereich der Gliedmassen erkennen. Indem dieselben sich alsbald öfter wiederholen und allmählich kräftiger werden, haben sie schliesslich die Entfernung der Brutlamellen von einander zur Folge. Die aus der Bruthöhle hervorgehende junge Assel unterscheidet sich abgesehen von dem auch jetzt noch unverhältnissmässig grossen Kopf- segment und der eingeschnürten, länglichen Form des Postabdomen, von der ausgewachsenen besonders durch den Mangel eines siebenten Mittel- leibssegmentes und des demselben entsprechenden Beinpaares. Ersteres entsteht nach Rathke's Angabe in der Weise, dass sich noch vor der ersten Häutung des jungen Tbieres der Schwanzgürtel in zwei Theile auflöst, deren vorderer durch starke Vergrösserung zu einem Mittelleibs- ringe auswächst. Letzteres, vermuthlich schon unter der Haut des ent- sprechenden Theiles des Postabdomen angelegt, ist bereits in einer den vorhergehenden sechs Beinpaaren entsprechenden Grösse vorhanden, wenn die junge Wasserassel die Länge von einer Linie kaum überschritten hat. b) Auch der die Eihülleu verlassende Embryo von Idoflwa (Taf. XXV, Fig. 9) ist nach den von Rathke an Idothea Bastcri angestellten Unter- suchungen noch in einem wenig vorgeschrittenen Stadium der Ausbildung. Mit der Streckung des Körpers und der Abnahme des Dotters beginnt der Rumpf schmäler und niedriger zu werden, zugleich aber eine Seg- mentirung seiner Wandungen einzugehen. Ausser einem verhältnissmässig sehr grossen, fast einem FUnftheil der Körperläuge gleichkommenden Kopftheil werden gleichzeitig zehn Rumpfsegmente ausgebildet, von denen die sechs vorderen zwar an Länge sowohl wie an Breite allmählich abnehmen, aber merklich grösser als die vier folgenden, von denen das erste, schmäler als die übrigen erscheint, sind. Auf diese kurzen Segmente folgt dann noch ein langgestrecktes Schwanzschild. Indem sich bei weiterer Ausbildung auf der Grenze von Rücken- und Rauchwand zuerst der sechs vorderen, dann auch der folgenden Leibesringe eine leistenartige Erhebung bemerkbar macht, geht von dieser aus die Entwicklung der späteren Epimeren von Statten. Von den Gliedmassen gehen die Fühl- hörner zuerst eine relative schnelle Ausbildung ein, während sich später ihr Wachsthum verlangsamt. Dasselbe betrifft auch die Mundgliedmassen, deren letztes Paar (Kieferfüsse) bei der kurz vor dem Ausschlüpfen aus 140 Isopoda. dem Brutraum .steheudeii Larve dem vordersten Beinpaar nur wenig au Länge nachgiebt. Obwohl gleich von vorn herein sieben Mittelleibsriuge bei der Larve angelegt werden, von denen das siebente freilich an Grösse bedeutend zurücktritt, sind doch auch hier nur sechs Beinpaare vorhanden. Unter Freilassung des siebenten sprossen an dem achten und den folgenden Leibesringen die fünf Paare der zweispaltigen Pechs spurn hervor, welche während dieser Periode frei aus der Bauchfläche hervortreten. Das später in Form der grossen Flügelthüren erscheinende sechste Paar (Taf. XXV, Fig. 9, j<") ist selbst noch gegen das Ende der Larvenperiode von sehr geringer Grössenentwicklung; es tritt zuerst in Form zweier kleiner tafel- förmiger Vorsprünge an den Seitenrändern der Scbwanzplatte nahe deren vorderem Ende auf, bleibt in seinem Wachsthum lange Zeit beträchtlich hinter den Kiemenfusspaaren zurück und hängt auch bei weiterer Aus- bildung noch senkrecht vom Postabdomen herab. Die ältesten in der Bruthöhle sich findenden Jungen sind nur doppelt so gross als die noch keinen Embryo enthaltenden Eier; bevor sie aus jener hervorgehen, sind ihre Leberschläuche zu zwei Paaren ausgebildet, das eine Paar jedoch nur von der halben Länge des anderen. c) In einem ungleich weiter vorgeschrittenen Stadium der Entwicklung durchbricht der Embryo des Onlscus nmrarhiA seine Eihülle (Taf. XXVI, Fig. 5), verharrt aber trotzdem noch während eines ansehnlichen Zeit- raums — von etwa vierzehn Tagen — im Innern des mütterlichen Brut- raumes, in welchem er gleichfalls von einer eiweissartigen Flüssigkeit umhüllt wird. Beim Verlassen des Eies bis auf den Mangel des siebenten Mittelleibs- Beinpaares schon im Besitz aller seiner späteren Körpertheile (Taf. XXVI, Fig. 4), erscheint er mit Ausnahme der Augen noch fast völlig farblos. Nur bei mikroskopischer Betrachtung lassen sich die ersten Anfänge von Pigment- Ablagerungen in Form bräunlicher Striche oder sternförmiger Figuren besonders am Kopf und an den Seitentheilen der Leibessegmente wahrnehmen. Diese vermehren sich während des Verweilens im Brutraume indessen so wenig, dass auch zur Zeit des Hervorgehens aus diesem die weissliche Körperfarbe kaum getrübt erscheint. Während dieses Zeitraums wird übrigens der aus dem Ei mitgebrachte Dotterrest vollkommen aufgezehrt und es seheint daher der Darmkanal des sich sogleich nach seinem Hervorschlüpfen von Pflanzeutheilen ernährenden jungen Thieres als dunkeler Strang durch die zarten, halb durchsichtigen Körperwaudungen deutlich hindurch. Wenn nun der selbstständig gewordenen jungen Kellerassel in der ersten Zeit ihres Lebens gleich noch das letzte der sieben Beinpaare abgeht, so fehlt ihr doch keineswegs, wie de Geer und Treviranus anfuhren, das demselben entsprechende Leibessegment. Bei näherer Betrachtung ergiebt sich nämlich, dass auf die sehr breiteren, sich formell als Mittelleibssegmeute darstellenden Ringe noch sieben kürzere und schmälere, scheinbar dem Hinterleib angehörige folgen, während dieser letzte Abschnitt beim ausgebildeten Thiere deren bekanntlich nur sechs Entwicklung. 141 umfasst. Es ist mitbiu der vorderste dieser sieben scheinbaren Hinter- leibsringe bereits ein in der ersten Anlage begriffener Mittelleibsring. In der Tbat nimmt derselbe nun alsbald an Breite sowohl wie an Länge beträchtlich mehr als die sechs folgenden zu und lässt im Verlauf einiger Wochen auch die Seitenlamellen aus sich bervorsprossen. Wenn letztere bereits in der Anlage begriffen sind, lässt sich etwa drei Wochen, nach- dem die junge Assel aus der Brutböhle der Mutter hervorgeschlüpft ist, an ihrer Unterseite ein kleiner zapfenartiger Vorsprung (Taf. XXVI, Fig. 7) erkennen, welcher, indem er sich allmählich verlängert, im Ver- lauf weiterer vier Wochen zu einem den vorhergehenden gleichgestalteteu Beine auswächst. Die von Rathke eingehend geschilderte Ausbildung dieses siebenten Beinpaares ist durch die während seines Wachsthums eintretenden Lagerungsveränderungen bemerkenswerth. Während das- selbe nämlich bei seinem ersten Hervorsprossen sein freies, zugespitztes Ende nach aussen wendet (Taf. XXVI, Fig. 7), kehrt es dasselbe bei zunehmender Längsstreckung und bei gleichzeitig eintretender Gliederung der Mittellinie des tSegmeules zu, bis es hier mit demjenigen der anderen Seite zusammentrifft (Taf. XXVI, Fig. 8). Wachsen beide über die Mittel- linie hinaus, so legen sie sich mit dem übergreifenden Theil zunächst aneinander, um sich sodann allmählich nach hinten zu biegen und sich dabei mit ihren aufeinander liegenden Endabschnitteu zu kreuzen (Taf. XXVI, Fig. 9). Während dieser ganzen Zeit ihres noch unfertigen Zustandes betheiligen sie sich selbstverständlich noch nicht an der Orts- bewegung. Bereits einige Tage nach dem Hervorschlüpfeu der jungen Assel wird das in ihre Körperhaut eingelagerte Pigment dunkelbraun und dehnt sich durch neu entstehendes allmählich mehr aus; besonders wird aber die Färbung der Eückenseite dadurch verändert, dass sich die Haut auch abgesehen von den Figmenteinlagerungen gleichmässig bräunt und dabei das Ansehen von polirter Hornsubstanz annimmt. Die erste Häutung tritt zwischen dem vierzehnten und sechszehnten Tage ein; die dabei abgestreifte Cuticula ist äusserst zart und farblos, die darunter neu gebildete zeigt nach einigen Tagen wieder Pigmentablagerungen, bräunt sich zwischen denselben jetzt noch intensiver und wird zugleich derber und undurchsichtiger. Erst in der vierten Woche treten die gelben Flecke der ausgebildeten Assel in ihrer ersten Anlage hervor. Bei dem Verlassen des Eies lassen sich durch die dünnen Hautdecken der jungen Assel hindurch deutlich zwei voluminöse, bis in die Basis des Hinterleibes hineinreichende Leberschläuche, seitlich vom Darm gelagert, erkennen (Taf. XXVI, Fig. 4). Dieselben schrumpfen im Verlauf der ersten vierzehn Tage bis auf ein Paar ganz dünne, weisse Fäden zusammen, welche nur an ihrem hinter.sten, keulenförmig angeschwollenen Ende von einer dasselbe ausfüllenden Flüssigkeit gelb gefärbt erscheinen. Abermals eine Woche später haben sie wieder an Dicke etwas zugenommen und sind durchgängig mit einem gelben Inhalt gefüllt. Bei vier- bis fünf- 142 Isopofla. wöchentlichen Jungen sind zu diesem ersten Paar noch zwei andere, unterhalb des Darmes gelegene Leberschläuche gekommen, welche in- dessen nur die Hälfte der Länge jener, also nur den vierten oder fünften Mittelleibsring erreichen. Wieder in etwas weniger ausgebildetem Zustande als bei Oniscus und daher in einer sich von dem Erwachsenen mehr entfernenden Form gehen die Jungen von Jacridinn (J. Nordmcmni) und Lhiijru:<, Gi/ge, Phrijxus und Tone verstehen, ist die postembryonale Entwicklung gleichfalls noch zu keiner sicheren und lückenlosen Kenntniss gediehen. Selbst über den Körperbau der die Eihülle verlassenden Larve gehen, wie bereits oben bemerkt, die Ansichten der Forscher und selbst eines und desselben Beobachters (Rathke) zu verschiedenen Zeiten auseinander. An dem J50 Isopoda. Rumpf der Larve von Bopyms sißnllarum (Taf. XXVI, Fig. 10 und 11) unterscheidet Rathke ausser dem grossen Kopftheil sieben nur leicht angedeutete, jedenfalls aber nicht scharf geschiedene kurze Leibesringe, auf welche schliesslich ein grösserer dreieckiger Hinterleibsabschnitt folgt. Nur die vier vorderen Leibesringe tragen je ein, den Seitencontour deutlich überragendes Beinpaar, dessen vorletztes Glied gross und angeschwollen erscheint, während das letzte eine kleine Endklaue darstellt; die folgenden Ringe, vom fünften au tragen bereits l'vdcs .s^((n/(. Er schliesst daraus, dass letztere bereits dem Postabdomen angehören und dass, da dem ausgebildeten Bopyrns sieben Mittelleibssegmente mit ebenso vielen Bein- paaren zukommen, die drei fehlenden sich (gleich einigen Hinterleibsringen) erst nachträglich bilden müssen. Bei der Larve von Phri/xns hippohjtes findet Rathke dagegen hinter dem grossen Kopftheil nur noch „vier bis fünf" (die Abbildung zeigt fünf) schwache ringförmige Einschnürungen, auf deren hinterste auch hier ein grosser dreieckiger Abschnitt (Postab- domen) folgt. Die Zahl der Beinpaare fand er bei den aus der Bruthöhle verschiedener Weibchen entnommenen Larven in wechselnder Zahl, nämlich KU sechs, fünf und vier. In allen Fällen treten nur vier und zwar die vordersten weit über den Seitencontour des Rumpfes heraus (Taf. IX, Fig. 4), während bei Anwesenheit mehrerer das, resp. die beiden letzten unter den Bauch zurückgeschlagen und nach hinten gerichtet waren (Taf. IX, Fig. 5). Auf Grund dieser Feststellung wird Rathke über die Genauigkeit seiner für Bopijms gemachten Angabe wieder irre und stellt es dahin, ob nicht auch hier die sonst den Isopodm-h&wtn zukommende Zahl von sechs Beinpaaren nachweisbar sei. Für die aus dem Ei schlüpfende Larve der Crygc hmmliMls endlich giebt Cornalia gleichfalls nur vier Paare von Mittelleibsbeinen an. Da die von Rathke für Bupyrus sq/dllurmii gegebene Darstellung keinen Anlass zur Annahme eines dabei begangenen Irrthums giebt, da mit derselben l'erncr die Cornalia'sche Beobachtung für (ryne völlig übereinstimmt, da endlich aber auch unter den von Rathke untersuchten Phryxus-L&rveu einige gleichfalls nur mit vier Beinpaaren versehen waren, so hat es in der That einen gewissen Grad von Wahrscheinlichkeit für sich, dass die Zahl vier die von den Larven jener drei Gattungen mit aus dem Ei gebrachte ist und dass die mit fünf imd sechs Beinpaaren versehenen PA /v/a^HS- Larven schon ältere waren, welche möglicher Weise bereits eine oder zwei Häutungen durchgemacht hatten. Für letztere Annahme würde jedenfalls der Umstand sprechen, dass das, resp. die beiden überzähligen hinteren Paare in ihrer Richtung, das sechste aber auch durch seine viel geringere Grösse (Taf. IX, Fig. 5) von den vier vorderen wesentlich abwichen, sich in beider Beziehung also ebenso verhielten, wie das nachwachsende siebente Paar der normalen Jsop